Plakate, Leserbriefe, GegenprojektWarum ein Baselbieter Dorf wegen eines Schulhauses im Ausnahmezustand ist
Sven Ziegler
22.4.2026
So soll die neue «Campus Loggia» dereinst aussehen.
Architektur Basel
In der Baselbieter Zentrumsgemeinde Gelterkinden steht am 26. April eine ungewöhnlich hitzige Referendumsabstimmung an: Die Stimmbevölkerung entscheidet über einen Projektierungskredit von 1,02 Millionen Franken für den Schulhausneubau «Campus Loggia».
Am 26. April stimmt Gelterkinden über den Projektierungskredit von 1,02 Millionen Franken für das Schulhaus «Campus Loggia» ab, das insgesamt rund 11,2 Millionen Franken kosten soll.
Gegner präsentierten kurz vor dem Urnengang das Alternativprojekt «Ratio» für rund 6,7 Millionen Franken – was Fachjury und Architektenverbände als unzulässigen Eingriff in den Wettbewerbsprozess scharf kritisierten.
Plakate an Hauswänden, Flyer in Briefkästen, Leserbriefe in Lokalpolitik-Foren: In diesen Tagen läuft in Gelterkinden BL ein hitziger Abstimmungskampf. Am kommenden Sonntag stimmt die Oberbaselbieter Zentrumsgemeinde über den Projektierungskredit für das Schulgebäude «Campus Loggia» ab – ein Vorhaben, das die Gemüter seit Monaten bewegt.
Der Ursprung des Konflikts reicht ins Dezember zurück, wie die die «BZ Basel» damals berichtete: An einer Gemeindeversammlung, die erst kurz vor Mitternacht endete, wurde der Kredit zwar beschlossen, aber eine engagierte Gegnerschaft ergriff das Referendum. Über 750 Unterschriften kamen zusammen.
11 Millionen gegen 6,7 Millionen
Im Zentrum des Disputs steht die Kostenfrage. Das von einer Fachjury einstimmig ausgewählte Siegerprojekt «Campus Loggia» soll rund 11,2 Millionen Franken kosten – mit einer Kostengenauigkeit von plus/minus 25 Prozent. Gegner sprechen von einem «Luxus-Schulbau» und warnen vor einer zwingenden Steuererhöhung.
So soll das Gegenprojekt «Ratio» aussehen.
Architektur Basel
Ende März überraschten die Gegner des Kredits mit einem eigenen Entwurf: Das Alternativprojekt «Ratio», ausgearbeitet von einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe mit ehemaligen Gemeinderäten und lokalen Baufachleuten, soll lediglich rund 6,7 Millionen Franken kosten – rund 40 Prozent weniger. Der Hybridbau aus Beton und Holzelementen biete acht Klassenzimmer, vier Gruppenräume und Erweiterungspotenzial, werben die Initianten.
Fachleute empört, Gegner unbeirrt
Die Reaktion aus Architekturkreisen war harsch, wie auch die «Basler Zeitung» weiss. Die Wettbewerbsjury unter dem Vorsitz von Andreas Galli bezeichnete das Vorgehen als «erschreckend» und «schweizweit einmalig». Die Sektion Basel des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) stufte es als «inakzeptabel» ein, da «Ratio» keinen unabhängigen Prüfprozess durchlaufen habe. Das Kollektiv Architektur Basel sprach von einem «unlauteren Angriff» auf den Architekturwettbewerb.
Die «Ratio»-Initianten lassen die Kritik nicht gelten. Jakob Baader, einer der sechs Mitglieder der Arbeitsgruppe, hält das Eingreifen der Fachjury in den demokratischen Abstimmungsprozess seinerseits für «höchst befremdlich», wie er der «BZ Basel» sagte. Zudem bestehe keine Pflicht, ein Wettbewerbsresultat tatsächlich umzusetzen.
Auf welcher Seite die Mehrheit der Stimmbevölkerung steht, zeigt sich am Sonntag.
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