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Hat sich der Ex-Finanzchef von Neuenhof falsch verhalten? Gegen ihn werden schwere Vorwürfe erhoben.
Gemeinde Neuenhof
In Neuenhof AG sorgt ein Finanzskandal für Aufsehen: Der ehemalige Finanzverwalter steht im Visier der Gemeinde – und ein pensionierter Treuhänder erhebt seit Jahren unbeachtete Warnungen.
Der Gemeinderat von Neuenhof AG hat rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Finanzverwalter Hanspeter Frischknecht eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, seine Aufgaben unzureichend erfüllt zu haben. Die Exekutive spricht von «massiven Mängeln» und «Versäumnissen».
So sollen beispielsweise in den Jahren 2022 und 2023 keine Betreibungen durchgeführt worden sein. Vor allem nach seinem Austritt im September 2024, nach zwölf Jahren im Dienst der Gemeinde, wurden diese Defizite deutlich.
Aufgrund dieser Ereignisse hat der Gemeinderat sowohl den Wiederaufbau eines internen Kontrollsystems als auch die Installation eines zugehörigen Reportings im Finanzbereich in die Wege geleitet, wie es in der «Aargauer Zeitung» heisst. Zudem soll sich die Finanzabteilung nun mit der Auf- und Abarbeitung der Altlasten beschäftigen.
Wie jetzt bekannt wird, soll ein erfahrener Treuhänder die Gemeindespitze bereits vor fünf Jahren vor dem mittlerweile beschuldigten Finanzchef Hanspeter Frischknecht gewarnt haben.
Alfred Neuenschwander, ein pensionierter Treuhänder, ist überzeugt, dass das Finanzdebakel vermeidbar gewesen wäre. Er kontaktierte das «Badener Tagblatt», nachdem er von den Ermittlungen gegen den ehemaligen Finanzverwalter erfahren hatte. Neuenschwander gibt an, bereits vor fünf Jahren den Gemeinderat, insbesondere Gemeindeammann Martin Uebelhart, vor dem damaligen Leiter Finanzen gewarnt zu haben.
In einem zehnseitigen Brief vom Oktober 2020, adressiert an Gemeindeammann Martin Uebelhart, kritisierte Alfred Neuenschwander unter anderem Frischknechts Auftreten gegenüber Klienten, seine mangelnde Vorbereitung bei Sitzungen sowie wiederholt unklare oder verdrehte Zahlen. Er stellte dessen Professionalität in Frage – und bat um ein persönliches Gespräch. Doch eine Antwort erhielt er nach eigenen Angaben nie.
Der Treuhänder beschreibt die Art des Ex-Finanzchefs und dessen Umgang mit Kund*innen als «herrisch», «resolut» und «nötigend». Als Schlussbemerkung schrieb Neuenschwander im Brief an Uebelhart: «Es mag vielleicht im ersten Moment für die Gemeinde ertragreich sein, dass Leute wie er die Verantwortung für das Inkasso haben, aber ist er auch redlich oder müsste man sich nicht besser von solchen Leuten trennen?»
Ammann Martin Uebelhart bestätigt den Eingang des Briefs, sieht aber keinen Fehler: Die im Schreiben thematisierte Angelegenheit sei damals im direkten Kontakt mit einem betroffenen Klienten bereinigt worden. Weitere Hinweise auf strukturelle Probleme im Finanzbereich habe es aus seiner Sicht nicht gegeben, daher habe er den Brief nicht an den Gemeinderat weitergeleitet.
Der heute selbstständig tätige Hanspeter Frischknecht wehrt sich nun vehement gegen die Vorwürfe. Neuenschwander betreibe aus seiner Sicht eine gezielte Diffamierungskampagne. «Er schreibt meine Kunden an und stellt mich persönlich an den Pranger», erklärt Frischknecht – und kündigt eine Strafanzeige wegen übler Nachrede an. Er betont zudem, dass das damals kritisierte Inkassodossier nicht von ihm, sondern von einer ausgebildeten Fachkraft bearbeitet worden sei.
Neuenschwander wiederum sieht sich bestätigt: «Man hätte damals handeln können», sagt er. Ob und welche Konsequenzen die aktuellen Ermittlungen nach sich ziehen, bleibt vorerst offen. Die Gemeinde spricht von einem «umfangreichen Aufarbeitungsprozess», der noch Monate dauern dürfte.