«Viel Geschirr zerschlagen»Gemeinderat sägt Vizepräsidentin ab – wegen Brunnen-Streit
Andreas Fischer
19.3.2025
Der Streit in der 1300-Seelen-Gemeinde Bettwiesen TG eskaliert
Screenshot Google Maps
Die Vizegemeindepräsidentin wird ihrer Funktion enthoben, die Gemeindeschreiberin verzeigt, und alle sind maximal genervt: In einer Thurgauer Gemeinde sorgt ein öffentlicher Brunnen für heftigen Streit.
Weil ein öffentlicher Brunnen auf einem privaten Grundstück steht, eskaliert in Bettwiesen TG ein Streit.
Der Brunnen soll nach Willen der Grundeigentümer versetzt werden, die Gemeinde lehnt dies aus Kostengründen ab.
Nun wird die Vizegemeindepräsidentin ihre Funktion los, weil dem Gemeinderat das Vertrauen fehlt: Die Rätin ist Miteigentümerin des Brunnen-Grundstücks.
«Ich war einfach nur geschockt», sagt Franziska Pustiasi. Die Gemeinderätin von Bettwiesen im Kanton Thurgau ist ab 1. April ihrer Funktion als Vizegemeindepräsidentin enthoben. Beschlossen hat dies der Gemeinderat in Abwesenheit Pustiasis. Der Grund: Ein Streit um einen öffentlichen Brunnen in der 1329-Seelen-Gemeinde, der unschön eskaliert ist. Zuvor hatte das «Tagblatt» darüber berichtet.
Der Gemeinderat wirft Pustiasi in einer Stellungnahme einen «Rollenkonflikt» vor und damit einhergehend einen «Vertrauensverlust der restlichen Gemeinderäte». Für Pustiasi sind die Vorwürfe unverständlich: «Man wollte, dass ich einem Entschluss zustimme, um mein Gesicht zu wahren. Ich habe mir als Gemeinderätin und Vizepräsidentin nichts zu Schulden kommen lassen. Warum muss ich mein Gesicht wahren?», wird sie im «Tagblatt» zitiert.
Brunnenstreit eskaliert
Auslöser des Streits ist ein öffentlicher Brunnen, der auf einem privaten Firmengrundstück steht. Franziska Pustiasi ist Mitinhaberin der Firma, die Vizepräsidentin sei aber bei Rechtsgeschäften zum Brunnenthema in den Ausstand als Gemeinderätin getreten.
Die Grundeigentümer hatten 2022 den Antrag gestellt, den Brunnen zu versetzen, da er die Ein- und Ausfahrt stark einschränke. Die Kosten sollte die Gemeinde tragen. Die prüfte den Vorschlag, «sah aber aufgrund der sehr hohen Kosten davon ab», heisst es in der Stellungnahme.
Daraufhin haben die Grundstückseigner gegenüber der Gemeinde erklärt, der Brunnen sei qua «Akzessionsprinzip» ihr Eigentum und werde innert drei Tagen entfernt. Um den Brunnen und insbesondere die Brunnenfiguren aus dem Jahr 1949 zu schützen, habe ihn die Gemeinde dann superprovisorisch unter Schutz gestellt.
Im Dezember 2024 habe dann eine Aussprache zwischen Gemeinderat und den Grundstückbesitzern stattgefunden. Auch Pustiasi habe als Mitinhaberin der Firma daran teilgenommen. Eine Einigung sei nicht erzielt worden, allerdings hat der Gemeinderat nach der Aussprache entschieden, Pustiasi die Funktion als Vizepräsidentin zu entziehen.
Anzeige gegen Gemeindeschreiberin
Nicht nur dieser Beschluss, gegen den Pustiasi Rekurs eingelegt hat, sorgt für erhitzte Gemüter. Auf die Anmerkung des Firmeninhabers hin, im Protokoll würden wesentliche Punkte fehlen, habe ihm die Gemeindeschreiberin vorgeworfen, das Gespräch aufgezeichnet zu haben. Dem wiederum widerspricht der Firmeninhaber und hat Anzeige gegen die Gemeindeschreiberin wegen üble Nachrede und Verleumdung erstattet.
Der Gemeinderat von Bettwiesen bedauert, dass bei der Auseinandersetzung «leider viel Geschirr zerschlagen» zerschlagen. Er sei weiterhin an einer gütlichen Einigung interessiert. Man hoffe, das «verlorene Vertrauen wiederherzustellen» und bitte «alle Beteiligten, einen Schritt aufeinander zuzugehen.»