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Trotz Rücktritten: Der Betrieb soll weiter uneingeschränkt laufen.
rettungsdienst-seetal.ch
Ein kompletter Vorstand macht den Weg frei: Beim Rettungsdienst Seetal im Kanton Luzern treten sämtliche Vorstandsmitglieder zurück. Trotz der personellen Turbulenzen betonen die Verantwortlichen, dass die Notfallversorgung uneingeschränkt gewährleistet bleibt.
Es holpert – und das nicht zum ersten Mal. Beim Rettungsdienst Seetal im Kanton Luzern kommt es zu einem ungewöhnlichen Führungswechsel: Präsidentin Corinne Zurgilgen und Vorstandsmitglied Milomirka Komatina sind per Ende Mai zurückgetreten. Spätestens Ende August wollen auch die vier übrigen Vorstandsmitglieder ihr Amt niederlegen.
Wie der «Seetaler Bote» berichtet, seien unterschiedliche Auffassungen von Geschäftsleitung und Vorstand zur Führung des Rettungsdienstes der Grund für den Schritt.
Zu den Hintergründen äussern sich weder Vorstand noch Geschäftsleitung. Vize-Präsident René Sidler verweist auf den Persönlichkeitsschutz und betont, der Rettungsdienst funktioniere normal, berichtet der «Seetaler Bote». Der Betrieb sei «zu hundert Prozent» gewährleistet. Die verbleibenden Vorstandsmitglieder wollen an einer ausserordentlichen Generalversammlung in der zweiten Augusthälfte zurücktreten. Laut Sidler laufen bereits Gespräche mit möglichen Nachfolgerinnen und Nachfolgern.
Dass ein kompletter Vorstand zurücktritt, statt die Geschäftsleitung auszutauschen, ist ungewöhnlich. René Sidler weist den Vorwurf eines Fehlverhaltens zurück. Es gebe «schlichtweg verschiedene Ansichten», schreibt der «Seetaler Bote». Jonas Willisegger, Leiter des Kompetenzzentrums Public & Nonprofit Management der Hochschule Luzern, erklärt generell, dass ein Vorstand zwar meist die stärkere Position habe. In Vereinen könne die operative Führung aber über Jahre eine starke Machtstellung aufbauen.
«Wenn der Vorstand die Geschäftsführung einfach entlässt, riskiert er damit unter Umständen erhebliche Kollateralschäden.» Deshalb sei «ein kollektiver Rücktritt» oft «die pragmatischere Lösung als ein langwieriger interner Machtkampf».
Bereits vor fünf Jahren sorgte der Rettungsdienst für negative Schlagzeilen. Damals fehlte die Betriebsbewilligung, zudem gab es Probleme im Vorstand und Vorwürfe wegen Mobbings. Mit der heutigen Situation habe dies jedoch nichts zu tun, betont Sidler. Der Dienst verfüge inzwischen über alle notwendigen Bewilligungen, darunter jene des Interverbands für Rettungswesen und die Betriebsbewilligung des Kantons Luzern. «Wir haben die Hausaufgaben erledigt.»
Nach der Krise wurde der Verein neu aufgestellt. Seit Januar 2025 können neben Mitarbeitenden auch Gemeinden, Firmen und Privatpersonen Mitglied oder Gönner werden. Daniel Rüttimann, der 2021 das Co-Präsidium übernommen hatte, zieht eine Bilanz. Er sei als damaliger Hochdorfer Gemeinderat eingestiegen, um die Eigenständigkeit des in der Krise steckenden Dienstes zu sichern.: «Rückblickend ist dies gelungen, auch wenn es ein wenig länger dauerte als gedacht.»
Auch die stellvertretende Geschäftsführerin Nadja Blaser betont, dass die Notfallversorgung nicht gefährdet sei. Der Betrieb sei «in keinster Art und Weise» eingeschränkt, heisst es im «Seetaler Bote». Unter den Mitarbeitenden gebe es wegen der Rücktritte keine Unruhe. Zum aktuellen Konflikt äussert sich auch sie nicht.
Der Rettungsdienst Seetal feierte im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Er ist rund um die Uhr mit zwei Ambulanzen im Einsatz und beschäftigt 34 Mitarbeitende, darunter vier Auszubildende und zwölf Freelancer.