Gibt es säumige Kantone? Das lange Warten auf die Impf-Zahlen

Von Julia Käser

19.1.2021

Eine erste Lieferung des Impfstoff von Pfizer Biontech wird von der Spital-Apothekerin Julia Egger vom Kantonsspital Nidwalden in Stans im Empfang genommen und fuer die Impfungen bereitgemacht, am Mittwoch, 23. Dezember 2020. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Die Kantone verabreichen die erhaltenen Impfdosen unterschiedlich schnell. 
Bild: Keystone

Bei der Verabreichung der Corona-Impfdosen sind gewisse Kantone langsamer als andere. Doch auch das BAG bittet einmal mehr um Geduld: Eine Übersicht zu den kantonalen Impf-Zahlen lässt auf sich warten. 

Eigentlich ist klar: Die Verteilung der Corona-Impfdosen erfolgt auf Grundlage der Anzahl Risikopersonen, die in einem Kanton leben. Anhand der verfügbaren Impfstoff-Mengen legt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen Verteilschlüssel fest und berechnet die Kontingente, die die einzelnen Kantone von der Armeeapotheke erhalten. 

An eben diesem Verteilschlüssel droht der Bund nun zu rütteln, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Der Grund: Gewisse Kantone würden bei der Verabreichung der vorhandenen Impfdosen zu langsam agieren. 

Ebendiese könnten durch eine Überarbeitung des Verteilschlüssels bestraft werden, wie die Zeitung weiter schrieb. Demnach stünde die Überlegung im Raum, Kantonen, die weniger als die Hälfte ihres vorhandenen Impfstoffs verabreicht haben, keine Dosen mehr auszuliefern. Jene, die besonders aufs Tempo drücken, sollen hingegen mehr Dosen bekommen. 

Impf-Übersicht des BAG hat Verspätung

Um den Überblick zu behalten und die Durchimpfungsrate zu berechnen, ist beim BAG ein Impf-Monitoring im Aufbau. Dazu erhält der Bund anonymisierte Daten von den Kantonen.

Am Dienstag gab Nora Kronig vom BAG vor den Bundeshausmedien bekannt, dass die Kantone mittlerweile insgesamt rund 110'000 Impfungen durchgeführt hätten. Eigentlich hatte der Bund genaue Zahlen zum Fortschritt der Impfkampagnen in den Kantonen versprochen, doch Kronig blieb vage: Detailliertere Statistiken wolle man erst veröffentlichen, wenn sämtliche Zahlen genau überprüft werden konnten. 

So viele Impfdosen stehen zur Verfügung

Wie Nora Kronig vom BAG vergangene Woche vor den Medien bekannt gab, standen der Schweiz am Wochenende insgesamt 434'000 Imfpdosen von Biontech/Pfizer und Moderna zur Verfügung. Am Montag, 18. Januar, ist eine weitere Lieferung von Biontech/Pfizer in der Schweiz eingetroffen. Aufgrund von Produktionsengpässen fiel deren Volumen jedoch kleiner aus. Kronig sprach von rund der Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Dosen.

Wo genau die einzelnen Kantone stehen, ist Stand jetzt also nicht klar. Jedoch zeigten sich bereits beim Beginn der kantonalen Impfkampagnen grosse Unterschiede. Während vor allem in der Innerschweiz noch vor Weihnachten die ersten Covid-19-Impfungen durchgeführt wurden, startete der Kanton Bern erst am 11. Januar. 

Zürich will bis Ende Januar die Hälfte der Dosen verimpfen

Bis Dienstagmorgen wurden dort 6064 Impfungen durchgeführt. Zu Beginn der Impfungen am 11. Januar standen dem Kanton 25'000 Impfdosen von Pfizer/Biontech zur Verfügung. Dieses Kontingent dürfte sich durch die Zulassung des Moderna-Vakazins um einiges erhöht haben. «Möglich wären bis zu 5000 Impfungen pro Tag», schrieb der Kanton vergangene Woche. 

Schneller lief das Ganze im Kanton Basel-Stadt ab. Dort liessen sich ab Ende Jahr und bis Mitte Januar insgesamt rund 5000 Personen impfen – aktuell gibt es keine freien Termine. Die Verfügbarkeit von Impfstoff sei zurzeit noch stark eingeschränkt, heisst es auf der Website des kantonalen Impfzentrums. 

Der Kanton Zürich wiederum rechnet mit 90'000 Impfdosen bis Ende Januar. Davon soll bis Ende Monat die Hälfte verimpft werden. Den Rest reserviert man für die notwendige Zweitimpfung – «da Lieferverzögerungen nicht ausgeschlossen werden können».

Genau davon aber rät das BAG ab. Die Behörde ruft die Kantone dazu auf, sämtliche erhaltenen Dosen zu verimpfen. Weitere Lieferungen sollten nun fortlaufend in der Schweiz eintreffen. 

Impf-Tempo der Kantone soll sich angleichen

«Wir befinden uns noch immer am Anfang der Impfkampagne, die in ihrem Umfang beispiellos ist und für die Kantone eine grosse logistische Herausforderung darstellt», kommentiert Tobias Bär, Sprecher der schweizerischen Gesundheitsdirektoren-Konferenz, das unterschiedliche Tempo der Kantone. 

Die Kantone seien daran, ihre Impfstrukturen aufzubauen, die Kapazitäten würden jeden Tag erhöht. Nicht alle hätten dazu dieselben Voraussetzungen. «Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten lassen sich teilweise sicher auch durch Faktoren wie die Bevölkerungsstruktur oder geografische Gegebenheiten erklären, die einen Einfluss auf die Logistik haben.»

Das Ziel aber ist klar: Innerhalb der nächsten Woche sollen alle Kantone etwa das gleiche Verimpfungsniveau erreicht haben, sagt Bär. Das bestätigte Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte, am Dienstag vor den Medien. 

Bestrafung der langsamen Kantone stösst auf Widerstand

Dass ein Kanton insgesamt weniger Impfdosen bekommen soll, als ihm gemäss dem jetzigen Verteilschlüssel zustehen, kommt bei der GDK nicht gut an. Bär bezeichnet das gegenüber «blue News» als «wenig zielführend». «Ein kurzfristiger Vorbezug oder Abtausch unter den Kantonen ist hingegen eine Möglichkeit, die vereinzelt auch schon praktiziert wird.»

Auch Hauri wollte von sogenannten «Trödel-Kantonen» nichts wissen, wie es ein Journalist an der Medienkonferenz des Bundes heute formuliert hatte. Ein Wettbewerb zwischen den Kantonen gelte es zu verhindern. Man müsse den einzelnen Kantonen Zeit geben, ihre eigene Planung umzusetzen. «Wenn man den Kantonen jetzt Impfstoffe entzieht, können sie diese Planung nicht umsetzen – und erst dann werden sie zu ‹Trödel-Kantonen›.»

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