Grüner Triumph an Landsgemeinde

Glarner verbannen Autos aus dem Klöntal

Von Alex Rudolf

3.5.2022

Nach zwei relativ sonnigen Tagen ist am Samstag, 25. Oktober 1997, ueber dem Kloentalersee (Glarus) bereits wieder die herbstliche Ruhe eingekehrt. (KEYSTONE/ELISABETHA GUENTHART)
An einigen Sonntagen wird es künftig nicht mehr möglich sein, mit dem eigenen Auto an den Klöntalersee zu fahren. (Archivbild)
Keystone

Künftig wird das Gebiet um den Klöntalersee an einigen Sonntagen autofrei. Was die jungen Grünen freut, wirft für Tourismusvertreter viele Fragen auf.

Von Alex Rudolf

3.5.2022

Eingebettet zwischen dem Glärnischmassiv und Naturwäldern, ist der Klöntalersee im Glarnerland ein beliebtes Ausflugsziel. Ein zu beliebtes? Für die jungen Grünen ist die Antwort klar: Ja. Sie brachten daher an der Landsgemeinde von diesem Wochenende eine Vorlage ein, wonach das bunte Verkehrstreiben eingeschränkt werden soll. Die Stimmberechtigten nahmen die Vorlage an – wenn auch in abgeschwächter Form.

So erteilten die Stimmberechtigten der Regierung den Auftrag, einen Gesetzesentwurf für autofreie Tage zu erarbeiten. Die von den jungen Grünen vorgeschlagene Idee der «Slow Sundays» hätte acht solcher Tage pro Jahr vorgesehen. Dies war dem Stimmvolk dann aber doch zu viel. An wie vielen Tagen der See nur mit dem ÖV, zu Fuss oder mit dem Mountainbike zugänglich ist, wird nun die Regierung entscheiden.

Obwohl ihr Vorschlag nur abgeschwächt angenommen wurde, ist das Ergebnis ein Erfolg für die jungen Grünen Glarus. Co-Präsident Kaj Weibel erklärt dies im Gespräch mit blue News mit verschiedenen Faktoren. Dank des von den jungen Grünen betriebenen Tickers während der Landsgemeinde beispielsweise konnten Personen bei Geschäften in den Ring kommen, die ihnen auch wichtig sind. «Für manche ist es unattraktiv, den ganzen Vormittag im Ring zu verbringen.»

Aber auch diverse Werbeaktionen hätten zum Erfolg beigetragen, so Weibel. «Das Erfolgsgeheimnis sind die Menschen, die sehr aktiv und motiviert sind.»

Noch viele offene Fragen

Doch sind längst nicht alle so begeistert wie die Grünen. «Man muss sich sehr genau überlegen, wie man diese autofreien Sonntage durchführt», sagt André van Sprundel. Der Sprecher des Tourismusgebiets Klöntal befürchtet, den Restaurants und Hotels im Tal könnten die Gäste fernbleiben, wenn sie nicht mit dem Auto kommen dürfen.

«Wenn es für uns einen Erfolg gibt, dann ist harte Arbeit der Grund dafür.»

Kaj Weibel

Co-Präsident Junge Grüne Glarus

«Ich frage mich, ob die Initianten gründlich überlegt haben, was solche autofreien Tage für uns bedeuten», sagt er. Wie werde mit Touristen kommuniziert? Gebe es logistische Lösungen, wenn die Touristen kommen? Wo würden diese parkieren? Was geschieht, wenn es spontan regnet? Wohin gehen all diese Leute? Wann werden die Daten der autofreien Tage definiert? «Fragen über Fragen. Nebst dem, dass viele Menschen im Klöntal wohnen, wird es auch schwierig für Betagte und Beeinträchtigte.»

«Dass das Tal auch mit dem Velo oder dem ÖV gut erreicht werden kann, hat ein Event, bei dem die Jungen Grünen Glarus auch vertreten waren, im vergangenen Jahr gezeigt», kontert Weibel. Zudem werde sich die konkrete Ausarbeitung erst noch zeigen.

Die jungen Grünen scheinen einen guten Draht zur Glarner Bevölkerung zu haben. Bei den Ständeratswahlen 2019 siegte der Grüne Mathias Zopfi gegen den älteren und bisherigen Ständerat Werner Hösli. Im vergangenen Jahr sagte die Landgemeinde Ja zu einem sehr strengen Energiegesetz, obwohl das CO2-Gesetz im Kanton zuvor Schiffbruch erlitten hatte. In Glarus dürfen Öl- und Gasheizungen weder neu gebaut noch ersetzt werden. Löst der Ostschweizer Bergkanton die Städte bald als linksgrünes Zentrum ab?

Weibel bleibt zurückhaltend: Trotz der Erfolge «haben die bürgerlichen Parteien hier in Glarus eine Mehrheit. Das zeigt sich immer wieder. Wenn es für uns einen Erfolg gibt, dann ist harte Arbeit der Grund dafür.»