Keine Symptome, kein Problem? Das kann täuschen

gbi

14.12.2020

Menschen stehen an bei Covid-19 Flaechentests, aufgenommen am Freitag, 11. Dezember 2020, in Zuoz. Der Kanton Graubuenden fuehrt derzeit in drei Regionen freiwillige Flaechentests als Pilotprojekt durch. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller).People queue during Covid-19 mass testing, pictured on Friday, December 11, 2020, in Zuoz, Switzerland. Three regions in the canton of Grisons will be mass tested during three days. The test is voluntary. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Menschen stehen in Zuoz für einen Covid-Test an. 
Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller

Infizierte Personen ohne Symptome tragen wesentlich zur Verbreitung des Coronavirus bei – dieses Fazit zieht die Bündner Regierung aus dem schweizweit ersten Flächentest. 

Von Freitag bis Sonntag konnten sich Bevölkerung und Touristen im Süden von Graubünden gratis auf das Coronavirus testen lassen. Es war der erste freiwillige Flächentest in der Schweiz. Heute Nachmittag haben die Verantwortlichen die Resultate vorgestellt.

Insgesamt 15'151 Personen unterzogen sich freiwillig einem Test, wie die Standeskanzlei Graubünden am Montag mitteilte. Gehofft hatten die Behörden auf 20'000 Personen. Dennoch sei man zufrieden, sagte Martin Bühler, Leiter des kantonalen Krisenstabs, vorab zu SRF

Durch den Flächentest sollten Erkrankungen bei Personen entdeckt werden, die keine oder nur schwache Covid-Symptome haben. Denn solange sie nichts von ihrer Infektion wissen, könnten sie das Virus unbeabsichtigt weiterverbreiten. In 150 Fällen konnte eine solche asymptomatische Erkrankung identifiziert werden, die betroffenen Personen begaben sich laut Medienmitteilung in Selbstisolation und informierten ihre Kontakte.

Hochgerechnet auf den ganzen Kanton dürften rund 2000 Personen Trägerinnen oder Träger des Virus sein, ohne Symptome zu zeigen. Insgesamt lag die Positivitätsrate beim Flächentest bei einem Prozent, was erwartet worden war. 

«Aussagekräftige Momentaufnahme»

Auch wenn der Flächentest in Südbünden kein abschliessendes Bild liefern könne, sei er doch «eine aussagekräftige Momentaufnahme», halten die Verantwortlichen fest. «Die Zahlen zeigen: Asymptomatische Personen tragen in erheblichem Mass zur Verbreitung und Aufrechterhaltung der Pandemie bei.»

Darum bleibe die Beschränkung der sozialen Kontakte ein zentrales Element zur Eindämmung der Pandemie, schreibt die Standeskanzlei Graubünden. «Ausserdem ist es fundamental, die Distanz- und Hygienemassnahmen einzuhalten.»

Getestet wurde in neun Gemeinden in den Regionen Bernina, Unterengadin, Val Müstair und Maloja. An 23 Standorten waren laut Angaben der Regierung rund 1000 Freiwillige im Einsatz. Der Vorgang sei «weitgehend reibungslos» verlaufen – vereinzelt sei es bei der Übermittlung von Testresultaten zu Verzögerungen gekommen. Noch diese Woche wird in einigen Regionen mit Nachtestungen gestartet.



Das Bündner Gesundheitsamt warnt davor, auf einen Test zu verzichten, weil man Isolation oder Quarantäne fürchte. Wer dies tue, «setzt seine Angehörigen, Mitarbeitenden und Nächsten dem Risiko einer ernsthaften Erkrankung oder gar dem Tod aus». In Graubünden hätten sich die coronavirusbedingten Todesfälle im November verdoppelt. Daher gelte: Auch bei milden Symptomen soll man sich testen lassen.

Die Bündner Regierung hatte am 4. Dezember strenge Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie ergriffen. Unter anderem wurden Gastrobetriebe – auch in Skigebieten – bis und mit 17. Dezember geschlossen. Die kantonale Regierung will morgen Dienstag entscheiden, wie es in der Krise weitergeht. 

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