Infrastruktur am LimitGrindelwald stoppt Hotelprojekt – Gemeinde bremst Tourismus
Lea Oetiker
20.11.2025
Grindelwald zieht viele Touristen an, vor allem das Jungfraujoch ist beliebt.
KEYSTONE
Die Gemeinde Grindelwald BE stoppt ein geplantes Hotelprojekt mit 200 Betten, um die überlastete Infrastruktur zu entlasten. Der Tourismus soll kontrolliert werden, da Strassen, Wasser und Abfallmanagement an ihre Grenzen stossen.
Grindelwald BE zieht viele Touristen an – unter anderem wegen des Jungfraujochs. Jetzt will die Gemeinde den Besucherandrang aber bremsen. Ein Hotelprojekt mit rund 200 Betten wird deshalb nicht umgesetzt, wie SRF berichtet. Die Investoren zogen ihre Pläne zurück, nachdem die Gemeindebehörde klargemacht hatte, dass sie das Vorhaben nicht unterstützen würde.
Der Grund: Gemeindepräsident Beat Bucher erklärt, dass die bestehende Infrastruktur immer wieder an ihre Grenzen stösst. In Grindelwald sorgen man sich, dass noch mehr Gäste die Strassen, die Wasserversorgung und das Abfallmanagement zusätzlich belasten würden.
«Wir haben entschieden, den weiteren Verlauf wichtiger, bereits weiter fortgeschrittener Projekte im Gebiet abzuwarten – insbesondere jene rund um das Hotel Regina sowie die Erneuerung der Firstbahn», schreibt die Baulin AG auf Anfrage von SRF. Sie stehen hinter dem Hotelprojekt.
Man schliesse jedoch nicht aus, das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu prüfen. Beim erwähnten Hotel Regina handelt es sich um ein Umbauprojekt im Dorfzentrum. Geplant ist, dort bis zu 800 Betten zu schaffen – allerdings sind derzeit noch Einsprachen hängig.
«Es ist eher ungewöhnlich, die Hotelbetten zu beschränken»
Das überrascht Tourismusexperte Jürg Stettler: «Es ist eher ungewöhnlich, über die Hotelbetten den Tourismusandrang zu beschränken», sagt er dem SRF. Normalerweise versuche man bei den Tagesgästen einzugreifen, vermutlich sei dies in Grindelwald jedoch schwierig oder gar nicht erst möglich.
Dass die Gemeinde versuche, den Andrang einzudämmen, überrasche ihn aber wenig. «Die Hotspots geraten immer mehr unter Druck. Nun gibt es mit Grindelwald eine Destination mehr, die versucht, die Gästeströme in den Griff zu bekommen», so Stettler weiter.
Die Stimmung in der Bevölkerung scheint klar: Mehr Tourismus soll es vorerst nicht geben. Für das nun gestoppte Projekt wäre eine neue Überbauungsordnung notwendig gewesen – eine Zustimmung an der Gemeindeversammlung wäre jedoch kaum zu erwarten gewesen.
Immer mehr Massentourismus in den Bergen
Immer wieder beklagen sich Bergregionen über Massentourismus. Im Sommer beispielsweise rückte die Alpensteinregion in den Mittelpunkt. Wo einst Stille und seltene Pflanzen herrschten, wurde geplanscht, gezeltet und gefeiert. Die Fählenalp, abgelegen am hintersten Zipfel des Fählensees, wurde zum Hotspot für ausländische Zelt-Touristen.
Älpler Sepp Inauen, der seit zehn Jahren mit seiner Frau Silvia Käse herstellt und die Ruhe auf der Fählenalp geniesst, schlug Alarm: «Es wird immer extremer», sagt er gegenüber der «Appenzeller Zeitung».
Am 19. Juni befanden sich demnach 22 Zelte und rund 50 Leute am See – mitten in der sensiblen Alpstein-Natur. Die Zelte gehörten einer Gruppe aus den Niederlanden, laut Inauen eine christliche Organisation. Vier Tage blieben die Gäste – trotz fehlender gesetzlicher Grundlage.
Weil der Andrang immer grösser wurde, verlangt Inauen mittlerweile 12 Franken pro Person und Nacht. Der Grund: Abfall, Feuerstellen, Gaskocher – und Gäste, die ihm das Feuerholz zum Käsen wegkaufen wollen. «Ich mach ja keine Werbung. Und trotzdem kommen sie von überall mit ihren Wurfzelten.»