Von 1956 bis Kinofilm-StartWie aus versteckter Werbung der Mythos «Betty Bossi» wurde
Petar Marjanović
20.11.2025
Nächstes Jahr feiert Betty Bossi das 70-Jahr-Jubiläum. Die Werbefigur ist derart bekannt, dass sogar US-amerikanische Techkonzerne sich ein Bild von ihr machen können.
Bild:OpenAI/KI-generiert
Betty Bossi kennt jeder – aber die beliebte Köchin hat es nie gegeben. Hinter der berühmtesten Kunstfigur der Schweiz steckt eine clevere Zürcher Werbetexterin, die 1956 aus einer Margarine-Werbung ein Millionen-Imperium machte.
Ab heute läuft der Film «Hallo Betty» in den Kinos – und erzählt die erstaunliche Geschichte einer Zürcher Werbetexterin, die 1956 zunächst nur den Margarineverkauf ankurbeln sollte, aber dabei eine Schweizer Kultfigur schuf.
In fünf Punkten zeigt blue News, wie aus einer erfundenen Hausfrau die bekannteste Köchin des Landes wurde – und eine Marke, die Coop bis heute Millionen einbringt.
Wer steckt eigentlich hinter Betty Bossi – und existiert sie wirklich?
Die Wahrheit ist simpel: Betty Bossi existiert nicht.
Erfunden wurde sie Mitte der 1950er-Jahre von der Werbetexterin Emmi Creola-Maag im Auftrag von Unilever, um die Öl- und Margarinemarken Astra und Sais in Schweizer Haushalte zu bringen.
«Betty Bossi»-Erfinderin Emmi Creola-Maag erinnert sich
19.11.2025
Die Kunstfigur sollte Hausfrauen zeigen, wie vielseitig sich die Produkte einsetzen lassen – ein Marketingtrick, der so gut funktionierte, dass viele Fans überzeugt waren, Betty Bossi sei eine echte Kochlehrerin. Briefe trudelten ein, Lob und Fragen inklusive. Doch hinter der freundlichen Ratgeberin stand einzig eine ausgeklügelte Werbestrategie.
Von der Marke Astra blieb später kaum etwas übrig – ausser einer Strasse in Steffisburg BE, die noch daran erinnert, wie verbreitet ihre Fettprodukte einst waren.
In Steffisburg BE erinnert die Astrastrasse noch an das alte Industriegebäude.
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv
Wie begann alles im Jahr 1956?
Am 1. April 1956 fiel der Startschuss: Die erste «Betty Bossi Post» lag gratis in den Läden. Eine schlichte, beidseitige Zeitungsseite, aber vollgepackt mit Wochenmenüs, Rezepten und Haushaltstipps – und natürlich integriertem Product-Placement für Astra und Sais. Das Konzept ging auf. Die Hefte wurden so beliebt, dass man sie ab 1966 abonnieren konnte.
Titelseite der ersten Ausgabe der Betty Bossi Post.
HSL
Aus der «Post» wurde in den 1970er-Jahren eine Zeitung, später die «Betty Bossi»-Zeitschrift, die 2005 rund 900'000 Leserinnen und Leser erreichte. Bis heute erscheint sie zehnmal jährlich und bleibt die meistgelesene kostenpflichtige Kochzeitschrift des Landes.
Bereits 1956 gab es ein Bild der fiktiven Betty Bossi.
HSL
Wie wurde aus einem Margarineprojekt ein Koch-Imperium?
1973 erschien das erste echte Kochbuch – ein Backbuch. Dann ging alles schnell: Jedes Jahr kamen neue Titel hinzu, dazu Küchengeräte und Kochkurse. Viele Bücher wurden Bestseller. Sie waren so erfolgreich, dass sie – aneinandergereiht – laut Nationalmuseum bis nach New York reichen würden.
Die berühmte «Gelinggarantie» machte die Marke zum verlässlichen Begleiter von vielen Frauen und half, Kochen spielerisch zu lernen. 1999 setzte der Verlag 65 Millionen Franken um, und Betty Bossi stieg neben Helvetia zur bekanntesten fiktiven Frauenfigur der Schweiz auf.
Im Februar 1960 warb Betty Bossi für Astra-Speiseöl.
Archiv Schweizer Illustrierte
Wie wurde aus Betty Bossi ein Convenience- und Küchenhelfer-Imperium?
Schon ab Ende der 1970er-Jahre wurden praktische Küchengeräte verkauft – manche, wie der Spätzli-Blitz, erreichten Kultstatus.
In den 1990ern begann der nächste grosse Schritt: Unilever verkaufte den Verlag, und 2001 stieg Coop ein. Ab 2002 führte der Detailhändler unter «Idee Betty Bossi» Fertigsalate, Sandwiches und weitere Convenience-Produkte ein – mit überwältigendem Erfolg. 2012 machte Coop damit rund 500 Millionen Franken Umsatz.
Seit 2021 gehört Betty Bossi vollständig Coop. Der Konzern steuert heute das Sortiment, die Marke und alle Rezeptwelten.
Worum geht’s im Kinofilm «Hallo Betty»?
Zum 70. Jubiläum widmet Regisseur Pierre Monnard der Erfinderin der Figur einen Film. «Hallo Betty» zeigt das Leben von Emmi Creola-Maag in den 1950er-Jahren – eine Zeit, in der das Leben der jungen Mutter und Werbetexterin von Geldsorgen und Familienleben geprägt war.
Gespielt von Sarah Spale, kämpft Creola-Maag im Film gegen Widerstände in der männerdominierten Werbebranche – und schafft dennoch eine Figur, die die Schweiz bis heute prägt. Ihre Rezepte halfen nicht nur in unzähligen Küchen, sondern auch der Schweizer Wirtschaft auf die Beine.
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Sarah Spale spielt die Schweizer Koch-Ikone Betty Bossi
Werbetexterin Emmi Creola-Maag macht sie in den 1950er-Jahren zum schweizweiten Phänomen: Betty Bossi. Jetzt rückt ihre Erfinderin im Kinofilm «Hello Betty» ins Rampenlicht. Sarah Spale spielt darin die Hauptrolle.