F-35-Kosten heben ab«Hat man das Parlament und die Bevölkerung bewusst belogen?»
Philipp Dahm
30.6.2025
Festpreis für F-35-Kampfjets zwischen Schweiz und USA umstritten
Was die Schweiz für die neuen F-35-Kampfjets bezahlen muss, ist umstritten. Der Bundesrat geht nach wie vor von einem Fixpreis von rund sechs Milliarden Franken aus. Doch die USA sprechen von einem Missverständnis.
25.06.2025
Von wegen Festpreis: Die F-35-Beschaffung wird um über eine Milliarde Franken teurer als geplant. Das sei vorhersehbar gewesen, monieren Kritiker. Die Kosten dürften sogar noch weiter steigen.
Die Schweiz bezieht F-35-Jets aus den USA zum Festpreis: Das haben Viola Amherd und ihr Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) dem Volk versprochen, als der Kauf unter Dach und Fach gebracht worden ist.
Doch nun zeigen Recherchen der «NZZ am Sonntag», warum das Wunschdenken ist: Die Zeitung konnte Einblick in geheime Dokumente nehmen, die zeigen, dass der Hase ganz anders läuft. In dem Dokument, das Ende 2021 unterzeichnet worden ist, ist zwar mehrfach von einem «fixed price» die Rede.
Bundesrätin Viola Amherd gibt den Medien am 15. September 2022 in Bern nach der Kampfjet-Debatte Auskunft über die F-35-Beschaffung.
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Doch wie hoch dieser Preis ist, werde nicht festgelegt. Demnach geht der Ablauf so: Die Schweiz kann die Jets zu dem Preis fix kaufen, auf den sich die US-Regierung mit Hersteller Lockheed Martin einigt. Wenn dieser etwa durch Inflation steige, müsse der Bund auch mehr berappen.
«Ich war immer überzeugt, dass die Lüge einmal auffliegt»
«Das ist genau so, wie es bei Waffenverkäufen der USA immer läuft», schimpft die Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission. Priska Seiler Graf habe den Deal von Anfang an kritisiert: «Ich war immer überzeugt, dass die Lüge einmal auffliegt», sagt sie mit Blick auf die Festpreis-Mär.
Kritikerin der ersten Stunde: Die Zrücher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf, SP-ZH.
Archivbild:KEYSTONE
Amherd habe das Geschäft «auf Biegen und Brechen durchgedrückt», klagt die SP-Nationalrätin: War Ex-Ministerin Amherd bloss naiv? «Oder hat man das Parlament und die Bevölkerung bewusst angelogen?»
Auch die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) äussert in einem Bericht vom Frühling 2022 Zweifel, was im VBS wiederum auf scharfe Kritik stösst: «Man hat uns vorgeworfen, wir würden Politik machen», erklärt der damalige EFK-Chef Michel Huissoud der NZZ.
«Ich bin enttäuscht von den US-Vertretern»
Ende August 2022 findet die finale Sitzung der Sicherheitspolitischen Kommission zum Thema statt: Erneut wird berichtet, Washington gewähre dem Bund Sonderkonditionen. «Ein solches Entgegenkommen wird seitens der USA üblicherweise nicht gewährt», soll der damalige Armasuisse-Projektleiter Darko Savic gesagt haben.
Als doch die Frage nach der Höhe des Fixpreises gestellt wird, soll Amherd zurückgeschossen haben: «Sie verlangen eine Bestätigung hinsichtlich des Fixpreises? Das haben wir heute dargelegt und aufgezeigt.» Erst im März 2025 räumt sie die Probleme ein.
Enttäuscht: Der Zrücher SVP-Nationalrat Mauro Tuena.
Archivbild:KEYSTONE
«Ich bin enttäuscht von den US-Vertretern», sagt SVP-Nationalrat und F-35-Verfechter Mauro Tuena heute. «Bundesrat und Parlament wurden angelogen.» Dabei kenne das Pentagon so etwas wie einen Festpreis gar nicht, weiss Peter Hug. Der Militärexperte der SP kennt auch die aktuellen Kostentreiber, die für höhere Ausgaben sorgen dürften.
Energieversorgung, Triebwerk und Radar als Probleme
Die Schweiz bekommt ihm zufolge die F-35 mit dem Softwarepaket Block 4, das jedoch mehr Energie verbrauche. «Zusätzlich nutzt der F-35 das Kerosin zur Kühlung», erklärt Hug der «Aargauer Zeitung». «Deshalb muss der Jet mit rund einer Tonne Kerosin mehr starten, damit dieser Kühlungskreislauf funktioniert.»
Die USA entwickelten deshalb ein neues Triebwerk: Das Upgrade soll die Schweiz in den 2030er Jahren ebenfalls mitmachen. Wie teuer das wird, sei noch nicht abzuschätzen, so die Behörden. Hug rechnet mit mehreren hundert Millionen Franken.
Zudem wollten die USA ein neues Radar von Typ APG-85 verbauen, für das der Rumpf vergrössert werden müsse. «Damit ändert sich die ganze Aerodynamik», warnt Hug. «Der Jet muss wieder in den Windkanal.» Er schlägt vor, die 700 Millionen Dollar Anzahlung abzuschreiben und eine bis 1,5 Milliarden Dollar in leichte Mehrzweckflugzeuge investieren.
Schweizer Luftwaffe begutachtet bei Übung in Italien F-35
Die Schweizer Luftwaffe ist derzeit an einer mehrwöchigen Übung der Italienischen Luftwaffe in Istrana (I) beteiligt. Neben den Schweizer Kampfflugzeugen F/A-18 sind unter anderem auch F-35 vor Ort. Der Luftwaffenkommandant zeigte sich begeistert.