Bargeld-VersorgungPost und Six streiten sich um einheitliches Bankomaten-System
SDA
21.11.2025 - 09:51
Gibt es demnächst nur noch Postomaten? Die Post will alleinige Bankomaten-Betreiberin werden. Six aber auch.
KEYSTONE
Sowohl die Post als auch die Börsenbetreiberin SIX würden gerne künftig die Bargeldversorgung aus einer Hand anbieten. Wer macht das Rennen oder kommt es zu einer Kooperation? Die Diskussionen laufen.
Keystone-SDA
21.11.2025, 09:51
SDA
«Die Post sieht sich als prädestinierte Betreiberin eines optimalen Geldautomatennetzes», sagte Jacqueline Bühlmann, Mediensprecherin bei der Schweizerischen Post, zur Nachrichtenagentur AWP. Das «neutrale» Staatsunternehmen habe langjährige Erfahrung beim Betrieb von rund 740 Postomaten und über 2500 Geräten für die Bargeldabwicklung.
Die Idee: Geldautomaten sollen schweizweit in einem Netz zusammengeführt werden. Die Post bietet Banken Kooperationsmodelle an, um deren Geldautomatenbetrieb zu übernehmen oder mit dem Postomaten-Netz zusammenzulegen. Seit Ende September 2025 laufe bereits ein Pilotprojekt mit der Thurgauer Kantonalbank, sagte Bühlmann.
Der Börsenbetreiberin SIX schwebt Ähnliches wie der Post vor: Die Vision sei es, die Kräfte der Banken zu bündeln, Überkapazitäten zu reduzieren und gleichzeitig den Zugang zu Bargeld – überall in der Schweiz – zu sichern, sagte Sprecher Stephan Meier zu AWP. Trotz der sinkenden Bargeldnutzung sollen alle Menschen in der Schweiz auch in Zukunft einfach an Bargeld kommen.
Laut einer früheren Studie der SIX würden schweizweit rund 2200 Bankomaten an etwa 1200 Standorten genügen, um die Nachfrage zu decken und die Erreichbarkeit von Bargeld sicherzustellen. Ein einziger Automat kommt demnach immerhin auf Betriebskosten von rund 30'000 Franken im Jahr.
Bisher hätten fünf Banken insgesamt 55 Bankomaten an die SIX ausgelagert, und mit weiteren Finanzinstituten sei man im Gespräch, hiess es. Im nächsten Jahr will die SIX zudem mit einem Pooling-Modell starten – ein gemeinsames Netzwerk von Geräten für mehrere Banken. Die Banken könnten so bis zu 60 Prozent ihrer heutigen Infrastruktur einsparen, ohne dass sich die Versorgung verschlechtere, sagte Meier. Das Ganze lohnt sich aber nur, wenn sich möglichst viele Anbieter zusammenschliessen.
Und wie die Post sieht sich auch die Schweizer Börse besonders geeignet für den Job: Denn die Geldautomaten sind – ausser jene der Postfinance – bereits heute mit ihrer Software ausgerüstet. Das betrifft über 4500 Geräte, deren Transaktionen ebenfalls über die Systeme der SIX laufen. Gleichzeitig sind die Schweizer Banken auch die Eigentümer der SIX und deren Kunden in anderen Geschäftsfeldern.
Beide Unternehmen verfolgen also das gleiche Ziel, machen aber derzeit jeweils ihr eigenes Ding. Aber: Die Post sei offen für Kooperationen und führe Gespräche «mit allen führenden Marktteilnehmern im Schweizer Bargeldumfeld», hiess es vom Staatskonzern auf die Frage, ob er sich eine Kooperation mit der SIX vorstellen könne. Denn eine effizientere Bargeldversorgung «aus einer Hand» sei sinnvoll.
Die SIX will sich derweil nicht in die Karten schauen lassen: «Hierzu können wir derzeit keine Aussage machen», hiess es von der Schweizer Finanzinfrastrukturbetreiberin auf die Frage, ob es Gespräche mit der Post gebe.
Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält sich bedeckt: Sie wollte zu dem Thema «integriertes Bankomaten-Netz für alle Banken» gar keine Auskunft geben. Die SNB hatte 2023 einen Runden Tisch zur Bargeldversorgung in der Schweiz durchgeführt. Mit dabei waren Wirtschafts- und Konsumentenverbände, Kantone, die Bundesverwaltung sowie Banken und die Post.
Damals hiess es, der Runde Tisch solle nun regelmässig durchgeführt werden. Ob und wann ein weiterer geplant sei, wollte die Notenbank auf Anfrage jedoch nicht sagen. Heisst das, etwas ist bald spruchreif?
Die Nutzung von Bargeld geht zurück, damit lohnt sich der flächendeckende Betrieb von Bankomaten für die Banken immer weniger. Die Zahl der Automaten ist laut SNB-Statistik über die vergangenen fünf Jahre um 13 Prozent zurückgegangen.
Gleichzeitig ist Bargeld unter Schweizern immer noch ein beliebtes Zahlungsmittel, und es braucht auch in kleinen Orten auf dem Land einen Zugang. In Läden etwa werden gemäss dem jüngsten «Swiss Payment Monitor» der Universität St. Gallen und der ZHAW immer noch rund 28 Prozent der Zahlungen bar beglichen.
STORY: Das Münchener Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft herabgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr um 0,8 Prozent und 2027 um 1,1 Prozent wachsen, sagten die Münchner Forscher am Donnerstag voraus. Im September waren sie noch von 1,3 und 1,6 Prozent ausgegangen. Die deutsche Wirtschaft passe sich dem Strukturwandel nur langsam und kostspielig an, hiess es zur Begründung. Zusätzlich würden Unternehmen und Neugründungen durch bürokratische Hürden und eine veraltete Infrastruktur behindert. Auch die US-Handelspolitik belastet die deutsche Exportwirtschaft demnach weiter spürbar. Die geplanten staatlichen Investitionen aus den Sondervermögen Infrastruktur und Verteidigung sowie weitere Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher wirken dem Ifo-Institut zufolge nur verzögert. Ifo-Präsident Clemens Fuest fordert von der Bundesregierung nun einen «Frühling der Reformen». O-Ton Clemens Fuest, Ifo-Präsident: «Ja, der Herbst der Reform hat leider in die falsche Richtung gesteuert. Was gemeint war, das waren ja Reformen, die das Wachstum stärken. Was wir bekommen haben, das sind überwiegend Reformen, die das Wachstum schwächen, zum Beispiel die Rentenreform, die einfach nur bedeutet, dass wir künftig höhere Steuern werden zahlen müssen. Das ist nicht der richtige Weg. Also, wir brauchen jetzt einen Frühling der Reformen, die in die richtige Richtung steuern.» Ansetzen sollte die Regierung bei Arbeitsmarkt, Investitionen und Bildung, so Fuest. Überflüssige Regulierung und Berichtspflichten müssten abgebaut werden. Helfen könne auch ein flexibleres Arbeitsmarktrecht. Für hochqualifizierte Arbeitskräfte sei ein weniger rigider Kündigungsschutz notwendig, damit neue Unternehmen auch mal Dinge ausprobieren und Leute einstellen könnten.
11.12.2025
Wadephul: China signalisiert Entgegenkommen bei Seltenen Erden
STORY: Bundesaussenminister Johann Wadephul hat bei seinem nachgeholten Besuch in Peking nach eigenen Angaben in Wirtschaftsfragen Fortschritte verbuchen können. Unter anderem äusserte er sich dort am Montag zum Thema Versorgung Deutschlands und Europas mit den Seltenen Erden. O-Ton Johann Wadephul (CDU), Bundesaussenminister: «Es ist gut, dass so ein substanzieller Kontakt stattfinden kann. Es waren heute offene und intensive Gespräche; Gespräche, die dazu da sind, immer wieder auszuloten, wie man gerade bei schwierigen Fragen vorankommen kann. Wir haben gute, konstruktive Gespräche geführt.»://: «Wir Europäer wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China. Wir scheuen auch keinen Wettbewerb, aber dieser muss auf Regeln basieren und fair sein. Wir hören, dass die chinesische Seite durchaus Verständnis hierfür hat. Wir wissen, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern müssen. Aber unsere chinesischen Gesprächspartner wissen auch, dass die Europäische Kommission die Wettbewerbsbedingungen genau beobachtet und sich auch immer vorbehalten muss, selbst aktiv zu werden.»://: «Es ist gut zu hören, dass dies auch im chinesischen Interesse ist. Man will einander ein verlässlicher Handelspartner und ein verlässlicher Wirtschaftspartner sein und auch als ein solcher gelten. Und es ist auch gut, von chinesischer Seite zu hören, dass man sich besonderen Engpässen auf deutscher und europäischer Seite mit besonderer Priorität widmen will.»://: «China hat versichert, dass man sehr konstruktiv an die Prüfung dieser Anträge herangehen wird und dass es keinerlei Bestrebungen gibt, gerade deutsche Unternehmen hier mit grösseren Problemen zu belasten. Das halte ich für eine gute Zusage und ermutige jetzt die deutsche Wirtschaft, hier jetzt konkret in die Beantragung hineinzugehen.»://: «Wir wollen Handelsbarrieren abbauen, aber das setzt voraus, dass auch China hier Massnahmen ergreift, die die Effekte der Überproduktion in Europa nicht zu stark werden lassen.» Bei Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine habe er hingegen keine nennenswerten Zugeständnisse der chinesischen Führung erhalten.
08.12.2025
EU dreht russischen Gashahn zu: Steigen die Preise?
Die EU dreht den Gashahn zu: Bis spätestens Ende 2027 will Brüssel vollkommen unabhängig von russischem Erdgas sein. Damit wollen sich die EU-Staaten langfristig unabhängig von Energieimporten aus Russland und damit weniger erpressbar machen. Zudem wird es Russland erschwert, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit den Milliardengewinnen aus Energielieferungen zu finanzieren.
05.12.2025
Ifo-Präsident fordert «Frühling der Reformen»
Wadephul: China signalisiert Entgegenkommen bei Seltenen Erden
EU dreht russischen Gashahn zu: Steigen die Preise?