Herbstferien werden für Ungeimpfte deutlich teurer

Von Gil Bieler

11.10.2021

Bergwanderinnen steigen die letzten Meter dem Gipfelkreuz auf dem 2861 Meter hohen Parpaner Rothorn entgegen, hoch ueber der Lenzerheide mit dem Heidsee im Talgrund, am Donnerstag, 3. Oktober 2013. (KEYSTONE/Arno Balzarini)
Die Aussicht bleibt natürlich gratis: Bergwanderinnen beim Aufstieg auf das 2861 Meter hohe Parpaner Rothorn, hoch über der Lenzerheide. 
Bild: Keystone/Arno Balzarini (Archivbild)

Ab heute müssen Ungeimpfte die Kosten für ihren Corona-Test selber berappen. Das kann die Herbstferien verteuern. Viele Destinationen investieren immerhin in ihr Angebot an Testmöglichkeiten.

Von Gil Bieler

11.10.2021

Herr und Frau Zürcher freuen sich schon lange auf ihre Herbstferien auf der Lenzerheide, die Kids sowieso. Die Unterkunft ist längst gebucht, die Koffer sind gepackt – doch ein Budgetposten kam vor Kurzem unverhofft dazu.

Denn Herr und Frau Zürcher sind beide nicht gegen das Coronavirus geimpft, da ihnen mRNA-Impfstoffe suspekt sind. Im Portemonnaie bekamen sie das bisher nicht zu spüren, doch ab dem heutigen Montag gilt: Die Kosten für einen Covid-Test müssen sie selber bezahlen. Das betrifft auch den älteren der beiden Söhne. Der jüngere ist noch unter 16 Jahre alt und darum von der Zertifikatspflicht ausgenommen.

Zürchers müssen nun rechnen, denn die Tests kosten nicht überall gleich viel. So zahlen sie in der Bellevue-Apotheke in Zürich 35 Franken für ihren ersten Antigen-Test, den sie sich holen, bevor sie Richtung Berge losfahren.

Nach 48 Stunden brauchen sie neue Tests. Es wird schliesslich langsam frisch und sie möchten auch einmal in ein warmes Café oder Restaurant einkehren. Jeder weitere Test auf der Lenzerheide kostet sie 47 Franken. Im Verlauf ihrer zweiwöchigen Ferien summieren sich die Ausgaben für Corona-Tests für die vierköpfige Familie so auf 951 Franken.

Der Fall der fiktiven Beispielfamilie illustriert: Für Ungeimpfte wird die Teilnahme am öffentlichen Leben ab heute teurer. Und es ist noch nicht lange her, dass der Bundesrat die Zertifikatspflicht auf Innenräume von Restaurants, Museen, Kinos und anderes mehr ausgedehnt hat.

Dessen sind sich auch die Feriendestinationen bewusst. Als Service für Millionen potenzieller Kund*innen – schliesslich sind noch immer rund 35 Prozent der Schweizer Bevölkerung ungeimpft –, haben erste Destinationen daher begonnen, eigene Testcenter zu betreiben.



Auf der Lenzerheide etwa wird in den ehemaligen Räumlichkeiten der UBS getestet, vorläufig bis zum 31. Oktober. Man hat dabei auch die Wintersaison im Blick. «Während dieser Zeit sollen wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, sollte es während der Wintersaison 2021/22 zu einer dauerhaften Inbetriebnahme des Covid-Testcenters kommen», teilt die lokale Tourismusorganisation mit. Auch Arosa, Grindelwald, Gstaad, Crans-Montana und St. Moritz bieten laut «Handelszeitung» solche Testzentren an.

Kostenübernahme ist kein Thema

Sich an den Testkosten für die Feriengäste zu beteiligen, ist in der Branche aber kein Thema. So teilt Christoph Leibundgut von Interlaken Tourismus auf Anfrage von «blue News» mit: «Interlaken behandelt alle Gäste gleich, deshalb bezahlen wir nicht den einen etwas an die nötigen Reisedokumente und den anderen nicht.»

Und auch aus Luzern heisst es: «Es ist nicht vorgesehen, diese Kosten zu übernehmen.» Sibylle Gerardi von Luzern Tourismus verweist auf Anfrage auf die diversen öffentlichen und privaten Testcenter sowie Testmöglichkeiten in Spitälern und Apotheken. Aber sie hält fest: «Gäste, die sich regelmässiges Testen lassen müssen, werden die Kosten sowie der zeitliche Aufwand dafür bei ihrer Planung berücksichtigen müssen.»

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Ferien in der Schweiz werden aber nicht nur für einheimische Impfmuffel teurer: Tourist*innen, die ausserhalb des EU/Efta-Raumes geimpft wurden, müssen ihr Zertifikat bei der Einreise umwandeln lassen. Das kostet sie einmalig 30 Franken – wobei die Schweiz das einzige Land ist, das eine solche Gebühr erhebt, wie «20 Minuten» berichtet.

Bundesrat hofft auf Schub für Impfkampagne

Indem er die Corona-Tests für die meisten Menschen nicht mehr gratis verfügbar macht, will der Bundesrat sanften Druck auf Ungeimpfte ausüben. Schliesslich hat die Schweiz eine der niedrigsten Impfquoten Europas, was eine Impfoffensive ändern soll. Argumentiert wird im Falle der Tests auch mit den Kosten: Zuletzt habe der Bund 50 Millionen Franken pro Woche für Tests ausgegeben – wobei fraglich sei, ob die Allgemeinheit diese Ausgaben für Ungeimpfte tragen müsse.

Eine Möglichkeit für Herr und Frau Zürcher, sich der Testkosten zu entziehen, ist die Impfung. Wer die erste Spritze erhalten hat und noch auf die zweite Impfdosis wartet, kann sich noch bis Ende November gratis testen lassen. Seit vergangener Woche steht mit Janssen ausserdem ein Impfstoff zur Verfügung, der nicht auf dem mRNA-Verfahren basiert.

Ob es der Druck ist oder Überzeugung: Den neuesten Daten des Bundesamts für Gesundheit zufolge sind 5,08 Prozent der Bevölkerung derzeit teilweise geimpft. Die Impfquote klettert also langsam, aber stetig weiter nach oben.