Hier fliegen 200 Weissstörche zum Übernachten ein
Neuer Rekord im Neeracherried. Während der Dämmerung versammeln sich derzeit hunderte Weissstörche, um gemeinsam zu übernachten. Das eindrucksvolle Schauspiel siehst du in unserem Video.
11.12.2025
Neuer Rekord im Neeracherried. Während der Dämmerung versammeln sich derzeit hunderte Weissstörche, um gemeinsam zu übernachten. Das eindrucksvolle Schauspiel siehst du in unserem Video.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Im Neeracherried wurden mit 316 Weissstörchen an einem Abend ein neuer Übernachtungsrekord verzeichnet.
- Als Gruppe verbringen sie die Nächte in der kalten Jahreszeit im Wasser, um sich besser vor Feinden zu schützen.
- Immer weniger Störche aus der Schweiz ziehen in den Süden, weil die Winter wärmer werden.
- In unserem Video siehst du, wie eindrücklich die Vögel einfliegen und im Flachmoor landen.
Kurz vor 16 Uhr ist noch alles ruhig über den Schilfhalmen im Neeracherried, einem Naturschutzgebiet in der Nähe von Bülach. Da Dezember ist, beginnt bereits die Dämmerung. Ein kleiner Schwarm von Staren zieht schon seine Runden über dem Moorgebiet. Es sind die Vorboten des Spektakels, das gleich folgen wird. Und plötzlich geht es Schlag auf Schlag.
Fünf Weissstörche fliegen von Norden ein und eröffnen die Show. Wie ein Jumbojet drehen sie mit ausgebreiteten Flügeln eine grosszügige Kurve, bevor sie zur Landung ansetzen. Kurz darauf erscheint ein grösserer Trupp aus der entgegengesetzten Richtung. Dann kommen sie von allen Seiten, einzeln oder in Gruppen. Alle landen am selben Ort auf einer offenen Fläche hinter dem Schilf. Über 200 Vögel stehen am Ende im flachen Gewässer.
Neuer Rekord im Neeracherried
Die Störche übernachten schon seit einigen Jahren gemeinsam im Ried. Die stellvertretende Leiterin des BirdLife-Naturzentrums Neeracherried Christina Ebneter erklärt: «Hier sind sie abseits der Zivilisation und weil sie im Wasser stehen, besser geschützt vor Bodenräubern wie dem Fuchs.» Zudem seien die Überlebenschancen in einer Gruppe höher.
Laut Ebneter wurden in diesem Jahr an einem Abend schon 316 Exemplare gezählt. Das sei absoluter Rekord. «Im Januar zählten wir schon einmal 160, und das war der bis dahin höchste Wert. Jetzt sind es fast doppelt so viele», sagt die Biologin.
Störche bleiben wegen warmen Winter
Wieso innerhalb so kurzer Zeit eine so extreme Zunahme stattfand, ist noch nicht genau geklärt. Christina Ebneter vermutet ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Einerseits wachse die Population allgemein stark. Auf der anderen Seite verbringen die Störche, die eigentlich Zugvögel sind, die Winter immer öfter bei uns in der Schweiz.
Weil die Winter nicht mehr so kalt sind, finden sie immer noch genug zu fressen. Ausserdem haben sie sich über die Jahre der sich wandelnden Umwelt angepasst und ihre Nahrung umgestellt. Während sie sich einst hauptsächlich von Amphibien ernährten, fangen die Weissstörche mittlerweile vor allem Regenwürmer und Mäuse auf den Feldern.
Einst in der Schweiz ausgestorben
1950 war der Weissstorch in der Schweiz tatsächlich bereits ausgestorben. Die Gründe sind vielfältig. Ab dem 19. Jahrhundert wurden immer mehr Feuchtgebiete entwässert. Damit verloren die Vögel ihr natürliches Nahrungshabitat. Dazu kam die Intensivierung der Landwirtschaft und Stromschläge an Freileitungen. Doch auch Gefahren in den damaligen Winterquartieren könnten die Population dezimiert haben.
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