Hin und Her beim Maskenzwang: Kommt nun die Rolle rückwärts?

phi

24.6.2020 - 17:53

«Bluewin»-Video-Tutorial: So vermeiden Sie Fehler beim Masken tragen

«Bluewin»-Video-Tutorial: So vermeiden Sie Fehler beim Masken tragen

Längst nicht jede Maske schützt gleich gut. Welches Modell Sie wann nutzen sollten und welche Fehler Sie beim Anziehen und Tragen unbedingt vermeiden müssen – jetzt im Video.

09.05.2020

Im Frühjahr winkt Daniel Koch noch ab, als es um das Tragen von Masken zum Schutz vor Covid-19 geht. Doch nun diskutieren die kantonalen Gesundheitsdirektoren sogar über ein Obligatorium im ÖV.

Noch im März warnte der damalige BAG-Experte Daniel Koch sogar vor dem Anlegen eines Mundschutzes: Wer diesen benutze, könnte sich womöglich weniger oft die Hände waschen oder würde sich häufiger ins Gesicht fassen, so seine Befürchtung.

Vielleicht hatte die Schweiz damals auch einfach nicht genug Masken vorrätig – immerhin rief Koch im März noch dazu auf, überzähligen Mundschutz an lokale Senioren- und Pflegeheime abzugeben.

Dabei gab es schon zu Beginn der Pandemie Indizien dafür, dass das Maskentragen das Risiko einer Infektion senken kann. Ein Vergleich mit Studien über das SARS-Virus hätte die BAG-Experten stutzig machen können: Nachdem dieses Virus vor 17 Jahren aufgetreten ist, wurde schon untersucht, ob ein Mundschutz eine Ansteckung unwahrscheinlicher macht oder verhindern kann.

Vergleich: Schon bei SARS hat Mundschutz gewirkt

Bereits 2003 zeigte eine Feldstudie in einem Hongkonger Spital, dass «Gesichtsmasken der beste Schutz im Kampf gegen SARS» seien, wie der «New Scientist» berichtete. «Masken scheinen essenziell für den Schutz zu sein. Die Resultate passen zur Tröpfchen-Übertragung, denn die Tröpfchen bilden sich auf der Höhe des Gesichts», sagte ein an der Studie beteiligter Wissenschaftler dazu.

Dieses Ergebnis wurde in ähnlichen und weiterführenden Studien mehrfach bestätigt – so etwa 2017 im Fachmagazin «Clinical Infectious Diseases»: «Unsere Analyse bestätigt die Effektivität von Schutzmasken gegen SARS. Einwegmasken zum Wegwerfen, Gesichtsschutz aus Baumwolle oder aus Papier sind nicht zu empfehlen», lautet das Resümee der Wissenschaftler.

Pendler in Lausanne: Nur rund sechs Prozent tragen Masken.
Bild: Keystone

Und nun diskutiert die Schweiz erneut über eine Maskenpflicht – genauer gesagt ist es der elfköpfige Vorstand der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren, die am Donnerstag zusammentrifft und die Frage erörtert. Zwei Personen aus diesem Kreis haben sich in der Sache schon geäussert.

Genf und Luzern können sich Pflicht vorstellen

Der Genfer Gesundheitsdirektor Mauro Poggia halte ein Obligatorium im öffentlichen Nahverkehr für dringend nötig, berichtet die NZZ. Durch die Lockerungen stünden die Leute wieder eng gedrängt im Nahverkehr, meint auch Poggias Luzerner Kollege Guido Graf, der eine Maskenpflicht grundsätzlich begrüssen würde.

Ein Kuriosum der Diskussion über den Gesichtsschutz in der Schweiz ist die Diskrepanz zwischen der Forderung nach einer Pflicht und den tatsächlich getragenen Masken: Eine Analyse des «Tages-Anzeigers» hat gezeigt, dass in Bern, Lausanne und Zürich sich nur rund sechs Prozent der Pendler schützen. Gleichzeitig hat eine Umfrage der Zeitung ergeben, dass 78 Prozent der Teilnehmer für ein Obligatorium sind: Einen Monat zuvor waren es erst 56 Prozent.

Dieser Widerspruch zur gelebten Pendler-Realität lässt sich zum Teil damit erklären, dass die Umfrage nicht repräsentativ ist – wer sich Sorgen wegen Corona macht und eine Maskenpflicht akzeptiert, nimmt womöglich eher an der Umfrage teil als einer, dem Gesichtsschutz egal ist.

Postauto und SBB empfehlen Masken

Bleibt die Frage, wie so ein Zwang umgesetzt werden würde. Postauto-Mediensprecher Urs Bloch betont gegenüber «Bluewin», dass sein Unternehmen und die SBB das «nationale Schutzkonzept für den ÖV in Absprache mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dem Bundesamt für Verkehr (BAV) umgesetzt» hätten. Und schon jetzt empfiehlt Bloch den «Kundinnen und Kunden des ÖV das Tragen von Hygienemasken, falls der nötige Mindestabstand im Fahrzeug nicht eingehalten werden kann.»

Wer aber würde die Durchsetzung einer Pflicht übernehmen? «Das ist offen», so Bloch. «Sicher ist, dass die Mitarbeitenden der Transportunternehmen keine polizeilichen Aufgaben übernehmen können. Unser Fahrpersonal hat die Aufgabe, die Fahrgäste sicher und pünktlich ans Ziel zu bringen.»

Bei der Bahn hält man sich bedeckt: «Zu allfälligen neuen kantonalen oder allenfalls nationalen Regelungen würde sich die SBB zu gegebener Zeit äussern», antwortet SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage von «Bluewin». Hätte die Transportpolizei denn genug Kapazitäten für so eine Aufgabe? «Ihren Schluss, dass die Transportpolizei ein allfälliges Obligatorium durchsetzen müsste, kann die SBB zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen», kontert Pallecchi.

Die Gesundheitsdirektoren müssen sich also nicht nur Gedanken machen, ob sie die Pflicht einführen wollen, sondern vor allem auch, wie diese realistisch umgesetzt werden könnte.

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