Streit um Wegrecht eskaliertIm Thuner Strättligwald wird neu mit schweren Felsbrocken gekämpft
Andreas Fischer
13.11.2025
Wie soll der Wald bewirtschaftet werden? An dieser Fragen scheiden sich in der Burgergemeinde Strättlingen die Geister. (Symbolbild)
KEYSTONE
Im Strättligwald bei Thun-Gwatt eskaliert ein langjähriger Streit um Wegrechte und Waldbewirtschaftung. Dass jetzt ein tonnenschwerer Felsbrocken eine Zufahrt blockiert, dürfte nicht gerade für Entspannung sorgen.
Ein tonnenschwerer Stein, eine versperrte Zufahrt und eine «Geschichte wie zu Gotthelfs Zeiten»:
In der Burgermeinde Strättligen sorgt ein alter Konflikt um den Strättligwald in Thun-Gwatt BE einmal mehr für Kopfschütteln. Die Posse hat einen neuen Höhepunkt erreicht, berichtet die «Berner Zeitung».
In der Burgergemeinde sind die Fronten seit Jahren verhärtet. Streitpunkt ist die Waldbewirtschaftung. Vor vier Jahren war es deshalb zu einem Streit gekommen, bei dem sich der heutige Burgerratspräsident Lothar Straubhaar und der Bannwart Heinz Kühne durchsetzten.
Diese beiden würden nun, sagt Burger Martin Straubhaar (nicht mit dem Burgerratspräsidenten verwandt), im Wald vorgehen, wie es ihnen gefällt. Martin Straubhaar findet, dass es im Strättligwald gar nicht mehr um die Sache gehe, sondern darum, wer die Macht habe im Wald.
Wer ist verantwortlich?
Er spürt das auch vor seinem Grundstück am Rand des Strättligwalds in Thun-Gwatt. Dort liegt seit kurzem besagter tonnenschwerer Stein, bemalt in einem knalligen Gelb, mit einer unmissverständlichen Botschaft: «Hier hat jemand ein weinendes Gesicht, das bin ich, und daneben den König des Waldes, ein lachendes Gesicht, hingemalt. So zumindest interpretiere ich das», sagt Martin Straubhaar und fühlt sich an «Gotthelfs Zeiten» erinnert.
Der Brocken sei mit schwerem Gerät transportiert wurden, das macht man nicht mal einfach so. Wer dafür verantwortlich ist? Das lässt sich nicht feststellen, aber Martin Straubhaar hat einen Verdacht: «Der Burgergemeinderat Strättligen will mir die Durchfahrt durch den Wald versperren.»
Straubhaar hat dort Wegrecht beantragt, was ihm aber verweigert wurde. Begründung: Sein Grundstück habe noch eine weitere Zufahrt. Die allerdings ist zu steil und zu eng für das landwirtschaftliche Gerät des Pächters.
Schon im Sommer gab es Ärger
Die Burgergemeinde wolle sich zu den Vorwürfen nicht äussern, schreibt die «Berner Zeitung». Weder zum verweigerten Wegrecht noch zur Frage, wer den Stein vor Straubhaars Zufahrt gelegt habe, gab es Auskunft.
Der Streit um den Strättligwald beschäftigt derweil nicht nur die Burgergemeinde. Auch die Waldgänger sind betroffen. Seit dem Sommer kommt es immer wieder vor, dass jahrzehntelang genutzte Pfade mit Altholz versperrt oder zugeschüttet werden. «Nicht alle nehmen Rücksicht auf den Wald», hatte Lothar Straubhaar, Präsident der Burgergemeinde Strättligen, die Massnahmen damals mit Verweis auf die stark gestiegene Freizeitnutzung erklärt.
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