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Jetzt meldenVor vier Wochen ist das Dorf Blatten VS von einem Bergsturz verschluckt worden. Und der Berg bewegt sich weiterhin. Die Natur diktiert den Takt, und selbst die Armee kann nur vorsichtig folgen.
Dort, wo der Himmel den Fels berührt, spielt sich in den Höhen des Lötschentals noch immer ein seltsames Ballett ab. Staubwolken steigen in den Himmel, als ob ein unsichtbarer Vulkan noch immer grummeln würde. Das sind die Nachbeben einer Katastrophe, die am 28. Mai das Walliser Dorf Blatten verschlang.
Die Stille der Landschaft, die auf den ersten Blick friedlich wirkt, ist trügerisch. Wolken aus Gesteinsstaub entweichen dem Berg wie ein unsicherer Atemzug und zeugen von einem Bergsturz, dessen Nachbeben noch immer nachhallen. Diese Geröllhalden halten an, sind laut, unvorhersehbar und erinnern an die Gewalt des Ereignisses, das eine klaffende Wunde hinterlassen hat. Diese dumpfen Geräusche erinnern auch daran, dass nichts vorbei ist.
Auf dem Schwemmkegel könnte die Landschaft das Auge fast täuschen. Auf den ersten Blick eine trockene, fast wüstenähnliche Fläche, auf der die Lonza ein neues Bett, ein neues Zuhause sucht. Aber wie die Fachleute erklären: «Man muss nur fünf Zentimeter abkratzen, dann kommt die Feuchtigkeit wieder zum Vorschein» – eine Mischung aus Eis und Erde, instabil, gefährlich, schwer fassbar.
Der Ausdruck «Berge versetzen» erhält hier seine volle Bedeutung. In Blatten wirken der Mensch und seine Maschinen angesichts dieser majestätischen und unberechenbaren Natur lächerlich.
Es dauerte 23 Tage, bis die ersten konkreten Einsätze der Armee erfolgten. Eine Ewigkeit, würden manche sagen. Eine notwendige Vorsicht, wie Jonas Jeitziner, Sprecher des Krisenstabs Lötschental, meint. «Das Risiko eines weiteren Bergsturzes war zu gross. Und der in Blatten entstandene See stellte eine grosse Unsicherheit dar. Wir mussten alle Szenarien abwägen, bevor auch nur ein Bagger zum Einsatz kam.»
Auch heute noch sei die Lage sehr angespannt. «Insgesamt befinden wir uns immer noch auf einer Gefahrenstufe 8 von 10. Aber in einigen gut identifizierten Gebieten können wir dank der ständigen Überwachung mit einem geringeren Risiko eingreifen», sagt Jeitziner.
Das Wetter spielte eine entscheidende Rolle: Einige Tage mit gutem Wetter öffneten ein Fenster. Jeitziner: «Die Sonne ist ein Verbündeter. Aber sobald die Wolken wieder aufziehen, müssen die Arbeiten eingestellt werden. Das kleinste Gewitter könnte die ganze Situation verändern». Notfallpläne seien vorbereitet. Jedes Szenario wurde durchgespielt, und jeder Handgriff vor Ort wird von strengen Protokollen eingegrenzt. «Die Sicherheit der Teams steht an erster Stelle.»
Doch auch ein anderes Phänomen bereitet dem Team Sorgen: der Katastrophentourismus. «Wir hatten schon Fälle von unvorsichtigen Neugierigen. Manche wollen nicht begreifen, dass die Wege gesperrt sind. Aber unsere Priorität ist null Verletzte, null Tote», sagt Jeitziner.
Die Zugänge sind verriegelt, Sicherheitsposten überwachen die Eingänge und Schilder erinnern daran, dass es verboten ist, sich der roten Zone zu nähern.
Seit dem 20. Juni hat die Armee mit der Räumung des durch die Katastrophe entstandenen Sees begonnen. «Wir kümmern uns zuerst um das Treibholz, die Dächer und die sichtbaren Trümmer. Was sich unter Wasser befindet? Das wissen wir noch nicht. Bisher ist noch kein Taucher hinabgestiegen.»
Die Teams arbeiten sich vorsichtig vor, und der Einsatz der Armee wird weit über diesen 26. Juni hinausgehen, wenn auch unter einem anderen Einsatznamen.
An der Oberfläche scheint alles eingefroren zu sein. Doch der Berg bleibt aktiv. «Wir haben ein Radar, mehrere Kameras und Beobachter. Die Erdrutsche gehen weiter. Und die Senke oberhalb bleibt instabil», erklärt Jeitziner. Wie steht es um die Hoffnung, Überreste des verschütteten Dorfes zu finden: «Im Moment ist es unmöglich zu sagen, ob etwas geborgen werden kann. Alles hängt davon ab, wie sich diese Masse aus Erde, Eis und Stein, die immer noch in Bewegung ist, weiterentwickelt.»
Blatten ist heute mehr als eine Baustelle. Es ist eine Lektion. Eine brutale Demonstration, dass der Mensch im Angesicht des Berges niemals Herrscher ist. «Man kann alle Berechnungen der Welt anstellen», fasst Jonas Jeitziner zusammen, «aber am Ende ist es die Natur, die entscheidet. Sie ist hier der Chef.»
In diesem geschundenen Tal sind es Geduld, Solidarität und Respekt vor den Elementen, die als Fundament für jeden Wiederaufbau dienen werden. Der Rest ist eine Frage der Zeit. Und Demut.