Neue Details zur Brandnacht in Crans-MontanaIn der Bar waren mehr Gäste als der Brandschutz zugelassen hätte
Samuel Walder
20.3.2026
So sieht die Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS von innen aus. (Archivbild)
Tripadvisor
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana VS forderte 41 Menschenleben – nun zeigen neue Akten, wie dramatisch die Situation im Innern war. Jetzt ist klar: In der Bar waren in der Silvesternacht zu viele Gäste.
Nach der verheerenden Silvesternacht in Crans-Montana VS rücken neue Details ans Licht. Während bislang vor allem über brennbaren Schaumstoff und versperrte Ausgänge diskutiert wurde, zeigen die neuesten Ermittlungsakten: In der Bar «Le Constellation» waren deutlich zu viele Gäste – und sie hatten kaum eine Chance zu entkommen, schreibt die «NZZ».
Laut den über 3500 Seiten umfassenden Akten der Walliser Staatsanwaltschaft befanden sich beim Ausbruch des Feuers 130 Personen im Untergeschoss – erlaubt gewesen wären höchstens 100. Und selbst diese Zahl gilt nur bei grosszügiger Auslegung der Vorschriften. Die Folgen: 41 Menschen starben, 115 wurden verletzt, viele davon schwer.
164 Gäste – und ein tödlicher Engpass
Insgesamt hielten sich 164 Personen im «Constellation» auf – ermittelt anhand von Videoaufnahmen. Davon befanden sich 132 im Untergeschoss und 32 im Erdgeschoss.
Für die Menschen im Keller gab es praktisch keinen Ausweg. Zwar wären laut Vorschriften mehrere Notausgänge nötig gewesen – tatsächlich existierte aber nur ein nutzbarer Fluchtweg. Eine Notausgangstür war durch einen Barhocker blockiert. Zeugenaussagen zufolge soll dies bewusst geschehen sein, um Zechprellerei zu verhindern.
Damit mussten alle 132 Personen aus dem Keller über die Treppe ins Erdgeschoss fliehen – direkt in die Menge der übrigen Gäste. Von dort führte der einzige Weg weiter durch den Wintergarten ins Freie.
Fluchtweg verstösst gegen Vorschriften
Doch selbst dieser Weg war offenbar illegal konstruiert: Die Tür zum Wintergarten öffnete nach innen – erlaubt wäre das nur bei Räumen für maximal 20 Personen. Zudem war dies der einzige offene Ausgang im gesamten Lokal.
Brandschutz-Experten zeigen sich fassungslos. Einer von ihnen sagt anonym: Selbst bei nur 50 Gästen hätte der Betrieb so niemals bewilligt werden dürfen. Wie viele Gäste offiziell erlaubt waren, ist bis heute unklar. In alten Brandschutzberichten ist von 100 Personen im Erdgeschoss, 100 im Untergeschoss und 50 im Fumoir die Rede. Doch ob diese Zahlen addiert werden dürfen, bleibt offen. Die Staatsanwaltschaft nennt sogar mögliche Kapazitäten von bis zu 300 Personen – ein Wert, der im krassen Widerspruch zu den Sicherheitsvorgaben steht.
Behörden und Betreiber sind unter Druck. Besonders heikel: Bereits 2018 und 2019 wurden Mängel festgestellt. Doch weder die Betreiber noch der damalige Eigentümer setzten die geforderten Anpassungen um – und weitere Kontrollen blieben aus. Zudem scheint die zulässige Gästezahl nicht klar geregelt gewesen zu sein: Laut Aussagen im Ermittlungsverfahren wurde sie offenbar in Gesprächen festgelegt – statt verbindlich dokumentiert.