Einfluss auf Stimmbeteiligung?In diesen Kantonen muss man fürs Abstimmungscouvert selber zahlen
Samuel Walder
10.12.2025
Der Stadtrat Luzern will Abstimmungscouverts nicht vorfrankieren. (Symbolbild)
Bild:sda
In der Schweiz ist die briefliche Stimmabgabe Routine – doch wer das Porto dafür zahlt, ist kantonal unterschiedlich geregelt. Eine neue Debatte zeigt: Auch kleine Hürden können die Stimmbeteiligung messbar beeinflussen.
In der Schweiz ist das Porto für die briefliche Stimmabgabe kantonal geregelt.
Studien zeigen, dass vorfrankierte Couverts die Stimmbeteiligung leicht erhöhen – besonders in Regionen mit guter Briefkasteninfrastruktur.
Langfristig beteiligen sich etwa 90 % der Bevölkerung zumindest gelegentlich an Abstimmungen; neue Technologien wie E-Voting könnten diese Beteiligung weiter fördern.
In der Schweiz ist die briefliche Stimmabgabe längst Alltag. Doch eine Detailfrage sorgt immer wieder für Diskussionen: Muss die Stimmbevölkerung das Porto fürs Abstimmungscouvert selbst zahlen – oder übernimmt das der Staat?
Im Grossteil des Kantons Luzern müssen Abstimmende das Porto selbst zahlen, wenn sie das Couvert per Post schicken – nur wenige Gemeinden (unter anderem die Stadt Luzern) übernehmen die Kosten. Kürzlich kritisierte die Kantonsrätin Sofia Galbraith die unübersichtlichen Regeln und fordert eine einheitliche Lösung, auch weil sie befürchtet, falsch frankierte Kuverts könnten nicht zählen.
Der Regierungsrat lehnt ab: Der Effekt auf die Stimmbeteiligung sei gering, die Kosten lägen bei rund 96’000 Franken pro Urnengang, zudem müssten Gemeinden auch unfrankierte Kuverts annehmen. Beispielsweise, wenn das Stimmcouvert bei der Gemeinde in den Briefkasten gelegt wird.
Politikwissenschaftler Gabriel Hofmann, Doktorand an der Universität Zürich, erklärt, weshalb die Regelung je nach Kanton anders ist – und was das mit der Stimmbeteiligung macht.
Drei Systeme – je nach Kanton
Tatsächlich: Wer bezahlen muss, ist nicht national geregelt, sondern kantonal organisiert. Hofmann sagt: «Grundsätzlich liegt die Obhut der Frankierung von den Stimmcouverts bei den Kantonen.» Es gebe drei Regime, erklärt Hofmann. «Ein Teil der Kantone übernimmt das Porto der Briefe. Ein zweiter Teil bezahlt das Porto nicht, und ein dritter Teil der Kantone überlässt die Handhabung den Gemeinden.»
Hier siehst du auf einen Blick, welche Kantone das Porto übernehmen und welche nicht:
Vorfrankiert heisst: leicht mehr Leute stimmen ab
Die grosse Frage dahinter lautet: Beeinflusst das Porto die Stimmbeteiligung? Laut Hofmann ja – aber nur begrenzt. «Man sieht tatsächlich einen Unterschied. In den Kantonen, in denen das Porto bezahlt wird, stimmen im Durchschnitt rund 1,3 Prozentpunkte mehr Personen ab», sagt Hofmann.
Allerdings passiere das nicht von heute auf morgen. Denn ein Beispiel zeige, dass es einen Moment dauert, um dies festzustellen. «Man hat herausgefunden, dass so eine Veränderung nach etwa 5 Jahren erkennbar ist.»
Nicht nur Porto: Auch Briefkästen spielen eine Rolle
Neben dem Preis zählt auch der Weg. Hofmann verweist auf Untersuchungen zu Distanzen und Infrastruktur: Die Distanzen der Briefkästen und der Gemeindebriefkästen des jeweiligen Wohnortes wurden untersucht.
Herausgefunden habe man, dass der Zusammenhang zwischen bezahltem Porto und Stimmbeteiligung in den Gemeinden grösser ist, in denen eine höhere Briefkastendichte der Post herrscht. Hofmann sagt: «Also bei kurzem Weg zum Post-Briefkasten oder weitem Weg zum Gemeindebriefkasten, ist der Effekt des bezahlten Portos auf die Stimmbeteiligung grösser.»
Ein Sonderfall ist Schaffhausen – dort gibt es eine Stimmpflicht. Hofmann sagt: «Wenn man in Schaffhausen nicht abstimmt, muss man eine Busse bezahlen. Die ist aber mehr symbolisch gehalten. Man muss dann 6 Franken bezahlen.» Die Stimmbeteiligung im Kanton Schaffhausen sei dadurch aber deutlich höher im Vergleich zu andern.
Wie viele stimmen überhaupt ab?
Bei einzelnen Abstimmungen liegt die Beteiligung oft deutlich tiefer, doch langfristig sieht das Bild anders aus. Hofmann ordnet das so ein: «Rund 10 Prozent beteiligen sich bei jeder Abstimmung. 10 Prozent beteiligen sich nie und die restlichen 80 Prozent entscheiden von Fall zu Fall. Wenn man über vier Jahre schaut, kommen wir in der Schweiz auf eine Stimmbeteiligung von 90 Prozent.» Pro Abstimmung habe man eine durchschnittliche Stimmbeteiligung von 46 Prozent.
Die Beteiligung habe sich in den letzten Jahrzehnten leicht verändert, aber nicht wegen einer einzelnen Massnahme. «Die durchschnittliche Stimmbeteiligung ist etwas gestiegen in den letzten dreissig Jahren», sagt Hofmann. Das könne an verschiedenen Faktoren liegen. Weiter sagt er: «Auf kurze Zeit gesehen interessiert die Politik sicher im Moment mehr. Auf lange Zeit gesehen würde ich sagen, geht es aber langsam wieder zur Norm zurück.» Vor hundert Jahren habe die Politik einen viel höheren Stellenwert gehabt als noch vor dreissig Jahren.
Und nicht alle würden ständig abstimmen wollen – auch das gehöre zur direkten Demokratie, heisst es von Hofmann: «Ein grosser Teil der Bürger*innen ist es wichtig, sich immer äussern zu können, es aber nicht immer zu müssen.»
Im Moment durchlebe die Schweiz aber turbulente Zeiten. Das könne dazu führen, dass sich nun die Stimmbeteiligung leicht erhöhen könnte.
Beim Blick nach vorne kommt das nächste grosse Thema: E-Voting. Hofmann zieht eine Parallele zur brieflichen Stimmabgabe: «Durch die Einführung der Abstimmung per Brief hat sich die Abstimmungszahl um 4 Prozent erhöht. Die gleiche Diskussion wird es jetzt auch beim E-Voting geben.»
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