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Nahe der Unglücksstelle in Kerzers FR wurden Blumen abgelegt.
Keystone
Nach einem verheerenden Postautobrand mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten ist die Stimmung in Kerzers am Mittwochmorgen gedrückt. Unter den Einwohnerinnen und Einwohnern, die alle Bilder des Dramas gesehen haben, herrschte Fassungslosigkeit.
Aus der Ferne zeigen zwei Schulkinder mit einer Handbewegung auf den Ort des Dramas, bevor sie mit ihren Tretrollern weiterfahren. Von dem zerstörten Postauto sind nur noch Brandspuren auf der Fahrbahn zu sehen. Die Büsche, die die Parkplätze säumen, sind verkohlt, Brandgeruch hängt über dem Ort.
Seit Ende der Nacht fliesst der Verkehr auf der Hauptstrasse wieder. Lastwagen und Berufspendler fahren vorbei oder lassen die Journalist*innen passieren, von denen um 8 Uhr morgens bereits ein gutes Dutzend vor Ort sind. Ein Reporter des deutschen Fernsehsenders RTL berichtet ununterbrochen live.
Auf der anderen Strassenseite fährt derweil ein Postauto in eine Allee hinein. Es ist die Linie 122, wie der Bus, der am Dienstagabend in Brand geraten war.
Zwei Frauen stehen mit fassungslosen Gesichtern da. Eine von ihnen wohnt genau gegenüber dem Ort des Geschehens. Als das Feuer ausbrach, rief sie die Feuerwehr und beobachtete alles von ihrem Fenster aus.
«Es ist beängstigend», sagte sie und zeigt ihr Telefon. Auf dem Display ist zu sehen, wie der Bus in Vollbrand steht, während Passanten auf die Strasse rennen. Einer von ihnen versucht, mit einem Pflasterstein die Scheiben des Fahrzeugs einzuschlagen.

Auf der Strasse sind noch Brandspuren des Postautos zu sehen.
Keystone
Auch andere Anwohner*innen hatten Videos über ihre privaten Nachrichtenkanäle erhalten. Kerzers ist ein kleiner Ort, wo die Einwohner von Familien oder Freunden vom Drama erfahren haben.
«Viele Leute haben mich am Dienstagabend angerufen, um zu fragen, ob es mir gut geht», berichtet eine andere Frau. Solche Dinge würde man doch im Ausland oder in Grossstädten sehen, «aber doch nicht in einem kleinen Ort wie unserem». Es mache ihr Angst, dass unschuldige Menschen getötet worden seien, fügte sie an. Sie habe in der Nacht erst um ein oder zwei Uhr früh einschlafen können.
«Der Bus wurde heute Morgen um 5 Uhr geborgen», erzählt ein Mann, der an einem Tisch im Kiosk sitzt und seinen Kaffee austrinkt. Von den Fenstern der Häuser an der Murtenstrasse habe man das sehen können.
Vor dem Ort des Geschehens oder beim Verlassen der Geschäfte bleiben mehrere Menschen spontan stehen, einige umarmen sich. Die Bäckerei hat einige Kerzen auf dem Tresen aufgestellt. «Die Menschen beginnen jetzt zu begreifen, welche Tragödie sich ereignet hat. Es sind Menschen aus dieser Gegend, die ums Leben gekommen sind», sagt eine Frau, die auf dem Weg zu ihrer Arbeit ist.
Der Gemeindeschreiber, der sich gerade auf sein Fahrrad schwingt, sagt, dass am Vormittag am Ort ein weisses Zelt aufgestellt werde, wo man Blumen hinstellen oder -legen könne. Tatsächlich hatten mehrere Menschen bereits Blumen an der Brandstelle niedergelegt.
Oberhalb des Dorfes, nur wenige hundert Meter vom Ort des Geschehens entfernt, herrscht in der Kirche eine bedrückende Stille. Gegen halb zehn Uhr hatten sich dort um die zehn Menschen versammelt.