«Stapi sympathisiert mit totalitären Regimes» In Schaffhausen eskaliert ein kurioser Streit ums Stadtlogo

Dominik Müller

29.11.2025

In naher Zukunft wird die Stadt Schaffhausen wohl kein neues Logo erhalten.
In naher Zukunft wird die Stadt Schaffhausen wohl kein neues Logo erhalten.
Symbolbild: Keystone

Weil eine linke Lokalzeitung einen Logo-Wettbewerb lanciert, droht Schaffhausens SP-Stadtpräsident mit rechtlichen Schritten. Das wiederum empört die SVP.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein geplanter Projektkredit für ein neues Stadtlogo wurde vom Schaffhauser Parlament gestrichen, worauf die «Schaffhauser AZ» einen eigenen Logo-Wettbewerb startete.
  • Stadtpräsident Peter Neukomm forderte die Zeitung daraufhin unter Androhung von rechtlichen Schritten zum Abbruch des Wettbewerbs auf.
  • Die SVP deckt Neukomm ihrerseits mit Vorwürfen ein.

In der Stadt Schaffhausen macht ein kurioser Zwist rund um die Nutzung des Logos Schlagzeilen. Den Stein ins Rollen gebracht hat ein Projektkredit für ein neues Logo, den der Stadtrat budgetiert hatte, vom Parlament allerdings gestrichen wurde.

Die Lokalzeitung «Schaffhauser AZ» hat daraufhin in ihrer Ausgabe vom 20. November einen eigenen Wettbewerb zur Ausgestaltung eines neuen Stadtlogos lanciert und dabei das aktuelle Stadtlogo abgedruckt – wohl als humoristische Antwort auf das gescheiterte Vorhaben.

Dies wiederum ist Stadtpräsident Peter Neukomm offenbar sauer aufgestossen: Er hat die Zeitung in einem Schreiben aufgefordert, den Wettbewerb abzubrechen und mit rechtlichen Schritten gedroht, wie die «AZ» selbst publik macht.

«Stadtpräsident ist humorloser Zeitgenosse»

Und nun hat der Streit die politische Bühne erreicht: Mit Thomas Stamm wirft ausgerechnet ein SVP-Grossstadtrat dem SP-Stadtpräsidenten in einer Kleinen Anfrage vor, gegen die Pressefreiheit der linken Zeitung verstossen zu haben. Stamm nennt das Schreiben dabei einen «vom Stadtrat nicht autorisierten Drohbrief».

So soll Neukomm das Schreiben an die «AZ» mit «Stellungnahme der Stadt Schaffhausen» betitelt und mit dem Briefkopf «Stadtrat» versendet haben, ohne dass der Gesamtstadtrat davon Kenntnis hatte. Der Inhalt lasse zudem vermuten, dass der Stadtpräsident «mit autokratischen und totalitären Regimes sympathisiert sowie ein humorloser Zeitgenosse ist».

Wettbewerb läuft weiter

Zur Untermauerung seiner Vorwürfe zitiert Stamm aus dem Brief: «Wir fordern Sie auf, die Leserschaft über die unautorisierte Verwendung des Stadtlogos sowie den Abbruch des Wettbewerbs so schnell wie möglich, spätestens aber mit der nächsten Ausgabe zu informieren», soll Neukomm geschrieben haben. Werde der Aufforderung nicht nachgekommen, «wären wir gezwungen, die notwendigen rechtlichen Schritte zu prüfen.»

Die «AZ» hat den Wettbewerb in der letzten Ausgabe vom Donnerstag nicht gestoppt. Ob sich der Stadtrat nun tatsächlich auf den Rechtsweg begeht, ist noch unklar. Zumindest zur Kleinen Anfrage wird er sich aber äussern müssen.


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