Zahlst du mehr oder weniger? Die Heiratsstrafe fällt – rechne hier aus, was das für dich bedeutet

Petar Marjanović

8.3.2026

Marianne Binder-Keller: «Ich glaube, es war eine sehr komplizierte Vorlage»

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«Es gibt eine Freunde und ein wenig Enttäuschung», sagt Marianne Binder-Keller zur Individualbesteuerung.

08.03.2026

Die Schweiz stellt ihr Steuersystem grundlegend um. Laut Hochrechnung von gfs.bern für die SRG hat das Stimmvolk mit rund 56 Prozent Ja zur Individualbesteuerung gesagt. Künftig wird jede Person – unabhängig vom Zivilstand – einzeln besteuert.

Petar Marjanović

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Stimmberechtigten haben heute über die SRG, Individualbesteuerung und die Bargeldinitiative sowie den Klimafonds entschieden.
  • Die Abstimmung zur Individualbesteuerung sieht vor, dass künftig jede Person einzeln besteuert wird, was die sogenannte Heiratsstrafe für Doppelverdiener abschaffen soll.
  • Künftig wird jede Person einzeln besteuert, wodurch die sogenannte Heiratsstrafe bei der Bundessteuer entfällt.
  • In unserer interaktiven Karte kannst du die Resultate jeder Gemeinde im Detail abrufen.
  • Zum Ticker mit allen nationalen Resultaten geht es hier.
  • Zum Ticker mit allen kantonalen Resultaten geht es hier.

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Kaum ein Abstimmungsthema ist derzeit so komplex wie die Individualbesteuerung. In solchen Fällen stimmen viele Menschen so ab, wie es ihre bevorzugte Partei empfiehlt. Entsprechend gross ist das Interesse an den Parteiparolen. Für den eigenen Entscheid ist aber noch etwas wichtiger: Wie wirkt sich die Vorlage persönlich aus?

blue News hat aus den Daten der Eidgenössischen Finanzverwaltung einen Rechner erstellt. Damit können Stimmbürgerinnen und Stimmbürger prüfen, was die Individualbesteuerung auf Bundesebene für sie bedeutet: Zahle ich mehr oder weniger Steuern?

Warum es diese Änderung gibt und wer dafür oder dagegen ist, erklären wir weiter unten.

Individualbesteuerung-Rechner

Familienstand
Kinder
Jahreseinkommen CHF 60'000
Haushaltseinkommen CHF 100'000
Einkommensaufteilung 60 / 40 %
100 / 0 50 / 50 0 / 100
Partner 1: CHF 60'000 Partner 2: CHF 40'000

Status quo
Individualbesteuerung
Aufteilung unter Individualbesteuerung
Partner 1
Partner 2
Ihre Differenz
Reform vs. Status quo

Jährliche Steuerbelastung (CHF) gemäss Berechnungsmodell des Bundes. Negative Werte bedeuten eine Entlastung durch die Individualbesteuerung.

Was ist die Individualbesteuerung?

Das Volk stimmt am 8. März 2026 über die Einführung der Individualbesteuerung ab.
Das Volk stimmt am 8. März 2026 über die Einführung der Individualbesteuerung ab.
Bild: Keystone

Kurz gesagt: Jede Person in der Schweiz wird künftig einzeln besteuert. Das bedeutet, dass jede Person eine eigene Steuererklärung ausfüllt und das Steueramt Einkommen und Vermögen separat veranlagt.

Damit endet ein System, das heute für verheiratete Paare gilt: Sie reichen eine gemeinsame Steuererklärung ein und werden gemeinsam besteuert.

Weil das Schweizer Steuersystem progressiv ist – also höhere Einkommen prozentual stärker belastet werden – kann das zu einer höheren Steuerlast führen. Bei Ehepaaren mit zwei Einkommen wird das gemeinsame Einkommen stärker besteuert, als wenn die beiden Personen unverheiratet wären.

Dieser Effekt wird als «Heiratsstrafe» bezeichnet. Seit Jahrzehnten wird versucht, dieses Problem zu lösen. Mit der Annahme der Individualbesteuerung soll diese steuerliche Ungleichbehandlung nun beseitigt werden.

Wer zahlt mehr?

Mehr bezahlen könnten künftig vor allem Ehepaare, bei denen nur eine Person ein Einkommen erzielt oder bei denen ein sehr grosses Einkommensgefälle besteht.

Eidgenössische Abstimmungen

Auf der Abstimmungsseite von blue News findest du alle wichtigen Informationen zu den eidgenössischen Abstimmungen: Initiativen und Referenden verständlich erklärt, umfassende Hintergrund-Storys sowie Zusammenfassung und Einordnung der Resultate.

Die Resultate der städtischen Abstimmungen erfreuen das Grüne Bündnis Bern. (Symbolbild)
sda

Ein Beispiel: Verdient eine Person 90’000 Franken im Jahr und die andere nichts, könnte die steuerpflichtige Person künftig mehr Bundessteuern zahlen als heute.

Solche Einverdiener-Haushalte profitieren heute teilweise vom sogenannten Heiratsbonus. Mit der Reform fällt dieser weg.

Allerdings steigen gleichzeitig gewisse Abzüge. Der Kinderabzug bei der direkten Bundessteuer wird von heute 6800 auf 12’000 Franken erhöht. Der Betrag wird grundsätzlich zwischen den Eltern aufgeteilt.

Wer profitiert davon?

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Kathrin Bertschy hat sich in den vergangenen Monaten für eine Abschaffung der Heiratsstrafe eingesetzt. Nun ist das Anliegen von der Stimmbevölkerung angenommen worden. Für die GLP-Nationalrätin ist das «eine riesige Freude».

08.03.2026

Profitieren werden vor allem Ehepaare, bei denen beide arbeiten.

Beispiel 1 (Büezer-Paar): Roger und Anita verdienen gleich viel. Zusammen kommen sie auf 150’000 Franken und haben zwei Kinder. Ihre Bundessteuer sinkt um rund 1550 Franken.

Beispiel 2 (Kinderlose Doppelverdiener): Stefan und Hans sind kinderlos und verdienen zusammen 280’000 Franken. Auch sie verdienen gleich viel. Ihre Steuer sinkt um rund 7130 Franken.

Auch Paare mit ungleicher Lohnverteilung profitieren oft – solange eine Person nicht ganz vom anderen Einkommen abhängt.

Beispiel 3 (die Frau mit dem Mini-Job): Wenn Martin und Franziska zusammen 220’000 Franken verdienen und Franziska rund 2500 Franken im Monat beisteuert, zahlen sie rund 180 Franken weniger Steuern. Das gilt selbst bei einem Einkommensverhältnis von 85 zu 15 Prozent.

Was bedeutet das für das Steuersystem?

Mit der Reform müssen künftig Bund, Kantone und Gemeinden jede Person einzeln veranlagen.

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03.07.2025

Ehepaare müssen zwei Steuererklärungen einreichen und jeweils ihr eigenes Einkommen sowie ihr Vermögen deklarieren.

Bei Vermögenserträgen wird künftig nach Besitzverhältnissen unterschieden. Gemeinsames Vermögen wird grundsätzlich hälftig aufgeteilt. Bei Immobilien ist der Eintrag im Grundbuch entscheidend.

Für die Umsetzung haben die Behörden mehrere Jahre Zeit. Das neue System muss spätestens bis zum 1. Januar 2032 eingeführt sein.