Ist die SVP ein Magnet für Massnahmenskeptiker?

Von Alex Rudolf

22.9.2021

Imfpgegner*innen rennen der SVP die Türen ein. Dafür verlassen auch viele Mitglieder die Partei. Hat Bundesrat Ueli Maurers Auftritt im Freiheitstrychler-Shirt etwas damit zu tun?
Screenshot Twitter

Der Ton wird rauer in der Corona-Politik. Dies spielt vor allem der SVP in die Hände. Für Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel (Die Mitte/AG) ist sie eine Partei der Widersprüche.

Von Alex Rudolf

22.9.2021

Werden Massnahmenskeptiker von der SVP angezogen wie Motten vom Licht? Man habe eine grosse Zunahme an Neumitgliedern festgestellt, sagt der Nationalrat Marcel Dettling (SVP/SZ) gegenüber der «Rundschau» des  «Schweizer Fernsehens». Und weiter: «Wir merken, dass sich die Leute an jemanden klammern, der auch ihre Meinung vertritt.»

Die Kehrseite der Medaille: Der Partei kehren auch zahlreiche Mitglieder den Rücken. «Keine Lösungen, nur Polemik», ist einer der Gründe für den Parteiaustritt, wie aus einem Stapel von Austrittsformularen hervorgeht, die der Sendung vorliegen.

«Es wirkt beinahe so, wie wenn die SVP grundsätzlich gegen die Mehrheit agieren würde.»

Ruth Humbel, CVP-AG, spricht zur Grossen Kammer, an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 3. Maerz 2021 im Nationalrat Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Ruth Humbel

Nationalrätin (Die Mitte/AG)

Für die Präsidentin der nationalrätlichen Gesundheitskommission, Ruth Humbel (Die Mitte/AG), ist die SVP eine schwierige Partnerin. «Es tun sich viele Widersprüche auf. Es wirkt beinahe so, wie wenn die SVP grundsätzlich gegen die Mehrheit agieren würde», sagt sie.

Sinnbildlich lasse sich die Position der Partei auch mit dem Auftritt Ueli Maurers im Freiheitstrychler-Shirt vergleichen. «Einerseits sprach er Milliarden zur Abfederung der Pandemie-Auswirkungen und andererseits trägt er dieses Shirt, mit dem er suggeriert, alles sei gar nicht so schlimm», so Humbel. Die SVP sei eine Partei der Widersprüche, was die Bewältigung der Pandemie nicht gerade vereinfache.

Chiesa: «Ich bin geimpft»

Dass man besonders für Massnahmenkritiker attraktiv ist, weist man bei der SVP von sich. Parteipräsident Marco Chiesa sagt auf Anfrage von «blue News», dass man die erste und einzige Partei gewesen sei, die sofort Schutzmassnahmen und Schutzkonzepte insbesondere für die Risikogruppen forderte.

«Wir haben uns auch dafür eingesetzt, dass alle, die sich impfen lassen wollten, die notwendigen Dosen erhalten», sagt Chiesa weiter. So setze man sich bei der SVP lediglich für die Eigenverantwortung ein. «Ich bin geimpft, aber ich respektiere diejenigen, die eine andere Entscheidung treffen.»