Sicherheitschef wurde befragt IT-Chaos soll Brandschutzkontrollen in Crans-Montana verhindert haben

Lea Oetiker

8.2.2026

Mit dem Tod des 18-jährigen Schweizers steigt die Zahl der Todesopfer von Crans-Montana auf 41. (Archivbild)
Mit dem Tod des 18-jährigen Schweizers steigt die Zahl der Todesopfer von Crans-Montana auf 41. (Archivbild)
sda

Nach dem Feuer von Crans-Montana stehen Behörden im Wallis unter Druck. Ein IT-Debakel und Personalmangel könnten fatale Folgen gehabt haben.

Lea Oetiker

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Nach dem Brand der Bar Le Constellation in Crans-Montana zeigen Ermittlungen, dass jahrelang keine Brandschutzkontrollen stattfanden.
  • Der Sicherheitschef der Gemeinde machte dafür ein Informatikdebakel im Kanton Wallis und Personalmangel verantwortlich.
  • Wegen der Panne geraten nun auch Gemeinde und Kanton unter Druck. Mehrere Gebäude mussten bereits geschlossen oder eingeschränkt werden.

Nach dem verheerenden Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana weitet sich die Untersuchung aus. Im Zentrum steht die Frage, warum seit 2019 keine Brandschutzkontrollen mehr durchgeführt wurden.

Die Walliser Staatsanwaltschaft ermittelt nicht nur gegen das Besitzerehepaar Jacques und Jessica Moretti, das wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist, sondern auch gegen Behördenvertreter der Gemeinde.

Am Freitag wurde der Sicherheitschef von Crans-Montana mehrere Stunden befragt. Der «Tages-Anzeiger» hat mit den Anwälten gesprochen, welche vor Ort waren. Diese erzählten der Zeitung, dass er vor der Staatsanwaltschaft auf zwei Hauptgründe für die versäumten Kontrollen hinwies: eine breitflächige Informatikpanne im Kanton Wallis und fehlende personelle Ressourcen.

Verlorene digitale Unterlagen

Der Sicherheitschef, der sein Amt im Frühjahr 2024 antrat, sagte, ihm hätten beim Amtsantritt wichtige Informationen gefehlt. Durch das Informatikdebakel hätten die Sicherheitsbehörden nicht mehr nachvollziehen können, welche Betriebe überprüft worden seien. Die verlorenen digitalen Unterlagen hätten alles manuelle Nachführen nötig gemacht. Das sei der Grund, warum Le Constellation so lange nicht mehr kontrolliert worden sei.

Er habe zudem beantragt, den Personalbestand um fünf bis sechs Stellen zu erhöhen, um den administrativen Mehraufwand zu bewältigen. Der Gemeinderat habe diese Aufstockung aber abgelehnt. Gemeindepräsident Nicolas Féraud sei informiert gewesen, habe jedoch auf eine Anfrage am Samstag nicht reagiert.

Laut internen Unterlagen, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegen, betrafen die Kontrolllücken nicht nur Gastbetriebe, sondern auch mehrere Schulen – darunter die Ecole de Corin, die Ecole Montana-Village und das «Centre scolaire intercommunale». Eine Jugendherberge war letztmals 2018 überprüft worden, ebenso wie die Unglücks-Bar. Ein Hotel musste inzwischen wegen Mängeln beim Brandschutz schliessen, bestätigte Bruno Huggler, Direktor von Crans-Montana Tourismus.

Ungewöhnliche Ursache für Informatikprobleme

Die Ursache der Informatikprobleme liegt in einer ungewöhnlichen Vorgeschichte: Ein selbstständiger IT-Spezialist aus Sitten hatte über Jahre Systeme für Polizei und Feuerwehr im Wallis betreut. Nachdem er damit gedroht hatte, vertrauliche Daten ins Darknet zu stellen, wurde er Anfang 2023 verhaftet und später in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, schreibt die Zeitung.

Zuvor hatte er Verschwörungstheorien über Satanismus und prominente Persönlichkeiten verbreitet. Mit der Abschaltung seiner Software verloren zahlreiche Gemeinden den Zugang zu sicherheitsrelevanten Daten.

Nun droht die alte Affäre erneut Folgen zu haben. Laut Ermittlern könnten sowohl der Kanton Wallis als auch die Gemeinde Crans-Montana für die versäumten Kontrollen haftbar werden.

Weitere Befragungen stehen bevor, nächste Woche soll auch der frühere Sicherheitschef angehört werden, der 2018 und 2019 für die Kontrollen in der Bar Le Constellation verantwortlich war. Wegen des grossen Interesses finden die Einvernahmen mittlerweile auf dem Campus der Fachhochschule in Sitten statt, wo ausreichend Platz für die mehr als hundert Beteiligten besteht.


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