Jahr für Jahr über 400 Raser 

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10.7.2019

Seit Inkrafttreten des Rasergesetzes kam es zu über 2'000 Verurteilungen.
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Seit sechseinhalb Jahren geht die Schweizer Justiz härter gegen Raser vor – mit immer grösserer Konsequenz, wie aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen.

Mit Geschwindigkeiten von bis zu 157 Kilometern pro Stunde bretterten vier Raser jüngst über den Julierpass und übertraten die allgemeine Höchstgeschwindigkeit auf der Passstrasse damit um bis zu 77 Stundenkilometer. Die Polizei machte mit den Lenkern kurzen Prozess: Ihre Mietwagen wurden sichergestellt, die Führerausweise aberkannt.

Fälle wie diese sind es, wegen denen das Strassenverkehrsgesetz am 1. Januar 2013 verschäft wurde. «Wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich durch besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen», kann seither mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu vier Jahren bestraft werden, regelt Artikel 90 Absatz 3.

Über 400 Verurteilungen pro Jahr

Der Tod einer jungen Frau in Schönenwerd SO 2008 war ein ausschlaggebender Grund, härter gegen Raser vorzugehen. Die 21-Jährige starb, weil als sie in ein illegales Autorennen dreier Männer geriet.
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Als Raser gilt laut Gesetz, wer in einer 30er-Zone über 70 oder innerorts statt 50 Kilometer pro Stunde 100 fährt. Sind 60 Kilometer pro Stunde erlaubt, ist bei 140 die Grenze eindeutig überschritten, in 80er-Zonen sollte man sich nicht mit 160 Kilometern pro Stunde auf dem Tacho erwischen lassen.

Im Jahr des Inkrafttretens zeigte sich die Polizei noch nachsichtig: Lediglich 52 Verurteilungen listete das Bundesamt für Statistik damals. Doch mittlerweile ist es mit der Zurückhaltung vorbei – seit 2015 lag die Zahl der Verurteilungen nach dem so genannten Raser-Gesetz immer bei über 400 Fällen. Mit 425 wurde im vergangenen Jahr der bisherige Höchstwert erreicht. Insgesamt wurden bereits mehr als 2'000 Raser verurteilt.

Rasen ist ein männliches Phänomen

Statistisch gesehen sind Raser in der Regel männlich.
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Die Statistik zeigt: Rasen ist ein eindeutig männliches Problem. Von den 419 Erwachsenen, die 2018 deshalb verurteilt wurden, waren 396 Männer. Auch unter den sechs minderjährigen Verurteilten war nur eine Frau.

Ausserdem scheinen Touristen oder Durchreisende mehr zum Fahren mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit zu neigen als Einheimische: 172 der im letzten Jahr Verurteilten waren Schweizer, 247 besassen einen ausländischen Pass. So übrigens auch die vier Raser vom Julierpass: Nach Polizeiangaben handelte es sich um zwei Koreaner, einen Libanesen und einen Indonesier.

Bilder aus der Schweiz
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