Skilager ab 88 Franken Wie ein Verein die Skischullager retten will – und so einen urschweizerischen Wunsch

Samuel Walder

9.2.2026

Die Organisation Go Snow versucht Skilager wieder beliebt zu machen – und preiswerter. 
Die Organisation Go Snow versucht Skilager wieder beliebt zu machen – und preiswerter. 
Bild: Angelika Warmuth/dpa

88 Franken für ein ganzes Skilager – für Familie Römer klingt das fast zu gut, um wahr zu sein. Möglich macht das der Verein Go Snow. Der Geschäftsführer Ole Rauch erklärt wie – und warum das nötig ist.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Dank der Non-Profit-Initiative Go Snow können obligatorische Schulskilager stark vergünstigt angeboten werden.
  • Möglich wird dies durch fixfertige Pauschalangebote ohne Gewinnabsicht sowie breite Unterstützung aus der Schneesportbranche.
  • Go Snow wächst stark und verfolgt das Ziel, Schneesport als Grundkompetenz für alle Kinder in der Schweiz zu etablieren.

Im Februar heisst es für viele: ab auf die Skipiste. So auch für Familie Römer*. Doch dieses Jahr staunen sie nicht schlecht. Denn für das Schul-Skilager der Tocher zahlen die Eltern nur 88 Franken. Für eine Woche.

«Ein Schnäppchen», sagt Vater Römer zu blue News. «Ich habe mich dann erkundigt, wieso das so günstig ist.» Der Grund liegt in einem urschweizerischen Wunsch, wonach ein Kind in der Schweiz Skifahren können sollte. Und diesem Wunsch hat sich der Verein Go Snow verschrieben.

Skilager haben eine lange Tradition

Go Snow ist eine Initiative des Vereins «Schneesportinitiative Schweiz», die darauf abzielt, Schneesportaktivitäten an Schulen zu fördern. Sie bietet Lehrpersonen einfach zu buchende, kostengünstige und fix-fertige Pakete für Schneesportlager und -tage an, inklusive Transport, Unterkunft, Skipass und Mietmaterial. Skifahren ist jedoch keine günstige Aktivität. Wie kann so ein Konzept funktionieren?

Ole Rauch ist Geschäftsführer von Go Snow.
Ole Rauch ist Geschäftsführer von Go Snow.
Bild: Go Snow

blue News fragt bei Geschäftsführer Ole Rauch nach. Dieser wirft zuerst einen Blick in die Vergangenheit. «Historisch erlebten Skilager einen Boom nach dem zweiten Weltkrieg. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde Schneesport vom Staat stark gefördert – auch mit dem Gedanken, dass Jugendliche im Winter in den Bergen ‹wehrtüchtig› sein sollten. Gleichzeitig diente das auch der Tourismusförderung.»

Lange waren Skilager in vielen Kantonen üblich, teils sogar Pflicht. Heute sei vieles freiwillig – besonders in Kantonen wie Aargau sowie in Teilen der Ostschweiz, etwa Zürich, Thurgau oder St. Gallen, sagt Rauch. Dort gebe es oft keine obligatorischen Lager mehr, teilweise aber zwei Wochen Skiferien. Trotzdem organisieren viele Schulen weiterhin freiwillige Lager. Im Fall der Familie Römer wurde das obligatorische Klassenlager als Skicamp durchgeführt.

Freiwillig oder obligatorisch: Das entscheidet über den Preis

Der grosse Unterschied liegt bei den Kosten. Rauch sagt: «In freiwilligen Lagern übernimmt die Gemeinde oder Schule häufig nur einen kleinen Teil. Dadurch kann ein Lager für Eltern bis zu 350 Franken pro Kind kosten.» Da die Teilnahme freiwillig sei, dürfen die Schulen die Kosten stärker auf die Eltern abwälzen.

Anders sei es in Kantonen, in denen Schneesportlager während der obligatorischen Schulzeit stattfinden – etwa in Bern, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Genf oder Waadt. Rauch sagt: «Dort gilt seit einem Bundesgerichtsentscheid von 2017: Eltern dürfen bei obligatorischen Schullagern nur noch wenig bezahlen – meist das Essensgeld, also rund 10 bis 20 Franken pro Tag.» Viele Kantone haben das übernommen. Weiter sagt er: «Für Eltern kostet ein Lager dadurch oft nur noch 80 bis 150 Franken, den Rest tragen Schule und Gemeinde.»

Ein Spezialfall ist das Skilager der Tochter der Römers: Ihre Lehrerin hat das obligatorische Klassenlager als Skilager durchgeführt.

Damals befürchtete man ein «Skilagersterben». Da man befürchtete, dass Schule keine Skilager aus Kostengründen nicht mehr durchführen würden. Das lasse sich heute aber nicht klar bestätigen, sagt Rauch – auch weil es keine verlässlichen gesamtschweizerischen Zahlen gebe. Trotzdem habe der Entscheid Gemeinden teils stark belastet.

«GoSnow ist wie Booking.com – aber ohne Provision»

Ole Rauch

Geschäftsführer Go Snow

Dass es insgesamt weniger Skilager gibt, hat laut Rauch vor allem einen Grund: «den hohen organisatorischen Aufwand.» Viele Lehrpersonen hätten zu wenig Zeit oder Motivation, ein Lager zu planen – besonders wenn viele Kinder Mietmaterial brauchen und zusätzliche Leiter organisiert werden müssen.

GoSnow setzt genau dort an. Der Verein bietet Schulen fixfertige Angebote. Rauch sagt: «GoSnow ist wie Booking.com – aber ohne Provision.» GoSnow sei Non-Profit, niemand verdiene daran Geld. Die ausgehandelten Preise würden 1:1 an die Schulen weitergegeben.

GoSnow arbeitet mit Pauschalpreisen pro Person. Ein typisches Beispiel:

338 Franken pro Person, inklusive:

  • Hin- und Rückreise
  • Unterkunft
  • Verpflegung
  • Mietmaterial
  • Skiticket

Nachmittags- oder Abendprogramm

Nach dem Lager gibt es eine Gesamtabrechnung – ohne versteckte Zusatzkosten wie Kurtaxe oder Abfallgebühren.

Günstiger geht es ebenfalls: ab etwa 230 Franken. Solche Camps finden dann eher in kleinen Skigebieten und älteren Lagerhäusern für Selbstkocher statt. Ab etwa 380 Franken bekommt man etwas mehr. Zum Beispiel in der Jugendherberge mit Vollpension in Saas-Fee oder St. Moritz.

Im Februar finde man zwar weniger Angebote, aber Orte wie Marbachegg, Vals, Grächen oder Rosswald seien auch dann möglich – meist 50 bis 80 Franken teurer.

Finanziert wird GoSnow von Verbänden, darunter:

  • Seilbahnverband
  • Skilehrerverband
  • Skiverband
  • Verband der Sportartikelgeschäfte
  • Importeure
  • Schweizer Jugendherbergen

GoSnow verlange weder von Schulen noch von Leistungsträgern Geld. Genau deshalb seien viele bereit, gute Preise zu machen.

Beim Mietmaterial rechnet GoSnow mit einem Durchschnitt. In Genf benötigen rund 90 Prozent der Teilnehmenden Mietmaterial, im Schnitt über alle Lager liege der Anteil bei 50 Prozent. Ziel sei es, über das Jahr «break-even» zu erreichen. Wie viel Eltern effektiv für mietmaterial zahlen, weiss GoSnow nicht: Manche Gemeinden verlangen 80 Franken, andere 120 Franken.

Und das Angebot wird rege genutzt. Denn GoSnow ist stark gewachsen: von rund 50 Lagern vor zehn Jahren auf heute etwa 400 Lager pro Jahr. Rund 17'500 Kinder besuchen jährlich Lager, die über GoSnow organisiert wurden. 

80 Franken pro Person via J+S – und ein grosses Ziel

Wenn Lager bei Jugend+Sport (J+S) angemeldet sind, gibt es zusätzliche Beiträge von rund 80 Franken pro Person. Diese Beiträge steigen seit 2016/2017 wieder, nachdem sie zuvor über ein Jahrzehnt rückläufig waren.

Das langfristige Ziel sei klar, sagt Rauch: Schneesport als Grundkompetenz. So wie sich die Schweiz einig sei, dass jedes Kind nach der Schulzeit schwimmen können muss, solle auch gelten: Jedes Kind kann skifahren, snowboarden oder langlaufen.

Branchen-Umsatz in der Saison 2024/25

Seilbahnen Schweiz sind ein wichtiger Faktor für Go Snow. Sie sind nicht nur Geldgeber, sondern behalten auch die Entwicklung im Blick. Und diese stimme, gibt der Verband auf Anfrage von blue News an. In der Schweiz werde eine klare Zunahme an Skibegeisterten verzeichnet: «Bei der Studie des Bundesamtes für Sport zum Sportverhalten im Jahr 2020 haben 58% der Jugendlichen zwischen 10-14 jährigen angegeben, mindestens gelegentlich Ski zu fahren.»

Dieser Trend sei ungebrochen, nicht nur bei den Jugendlichen. Die Wintersaison 2024/25 verzeichnete 26,3 Mio. Ersteintritte (Skier-Days) – so viele wie seit 2009/10 nicht mehr. Zudem erwirtschaftete die Branche im Winter 2024/25 902 Millionen Franken Personenverkehrserträge.

Das Saison 2024/25 war nicht nur hinsichtlich der Besucherzahlen rekordverdächtig, sondern auch der Umsatz lässt aufhorchen. 
Das Saison 2024/25 war nicht nur hinsichtlich der Besucherzahlen rekordverdächtig, sondern auch der Umsatz lässt aufhorchen. 
Bild: sda

Die Zahlen vom Bundesamt für Sport sehen zwar vielversprechend aus, können aber auch fehlinterpretiert werden. Handelt es sich bei den Befragten um Schweizer oder um Ausländer und wie hoch ist die Nachfrage wirklich? Der Verband Seilbahnen Schweiz erklärt: «Die Nachfrage ist sehr hoch, und besonders in der Schweiz. Schneesport gehört zur DNA der Schweizer, stellen sie doch zwei Drittel der Gäste auf den Skipisten.» Trotz Krisen wie Frankenstärke, Corona oder Inflation und Klimawandel sei die Sehnsucht nach Schnee und Pisten sehr hoch. «Die Gäste haben bemerkt, dass der Erholungsfaktor im Winter in den Bergen sehr hoch ist», heisst es. 

«Go Snow ist eine wesentliche Initiative für den Nachwuchs»

Mit Go Snow ist der Verband also sehr zufrieden. Es heisst: «Go Snow ist eine wesentliche Initiative für den Nachwuchs auf den Schweizer Pisten.» Die Schulskilager seien legendär und Go Snow liefere wichtige professionelle Dienstleistungen für die Organisation dieser Lager. «Dadurch werden der Aufwand und die Belastung für die Lehrpersonen und Schulen massiv reduziert. Mit über 18'000 Kindern in den letzten Jahren hat sich dieses Geschäft sehr gut entwickelt.»

Das beweist Familie Römer. Als skibegeisterte Familie sei es eine Tradition, im Winter die Piste runterzubrettern. Um so schöner sei es, wenn nun auch der Nachwuchs für einen bezahlbaren Batzen Skifahren kann.

*Name der Redaktion bekannt


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