«Ich muss mich schützen»Co-Präsidentin der Jungen EVP tritt nach Drohungen aus eigenen Reihen zurück
Samuel Walder
12.1.2026
Lea Blattner (Mitte), Co-Praesidentin Junge EVP, tritt zurück.
KEYSTONE
Lea Blattner, Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz, tritt nach massiven Anfeindungen und Drohungen zurück. Die Ablehnung kam nicht nur anonym, sondern auch aus den eigenen Parteireihen.
Lea Blattner, Co-Präsidentin der Jungen EVP, tritt nach ihrem Coming-out als lesbisch zurück, da sie innerparteiliche Ablehnung, Ausgrenzung und Drohungen erlebte.
Besonders belastend waren zwei Drohbriefe mit Gewaltandrohungen, die offenbar aus dem Umfeld der EVP stammen.
Sie fordert von der Partei eine klare Haltung gegen Queerfeindlichkeit und schliesst eine Rückkehr ins Amt nur bei ehrlicher Aufarbeitung aus.
Am Montagvormittag hat Lea Blattner, Co-Präsidentin der Jungen EVP, ihren Rücktritt bekannt gegeben. Sie legt nicht nur das Co-Präsidium nieder, sondern verlässt auch den Vorstand der Mutterpartei sowie der Kantonalpartei EVP Baselland. Der Grund: Ablehnung, Hass – und konkrete Drohungen aus den eigenen Reihen.
Im April 2023 outete sich Blattner öffentlich als lesbisch – ein Schritt, den sie bewusst ging, um Sichtbarkeit zu schaffen. Doch statt Rückhalt erlebte sie eine Welle von Anfeindungen. «Ich habe viel Hass erfahren», sagt sie gegenüber «watson». Besonders schmerzlich: Die ablehnenden Reaktionen kamen nicht nur anonym über Social Media, sondern auch direkt aus der EVP-Basis. An Veranstaltungen sei sie gemieden, angeschwiegen oder tuschelnd beobachtet worden.
Die junge Politikerin spricht offen über die psychische Belastung: Die Situation habe sie «erschöpft und in Teilen gebrochen». In einem emotionalen Statement auf Social Media schreibt sie: «Ich bin es mir schuldig, mich zu schützen.»
Der Tiefpunkt: zwei anonyme Drohbriefe, die in ihrem Briefkasten landeten – der zweite erst letzte Woche. Der Inhalt, der watson vorliegt, enthält nicht nur Beleidigungen, sondern auch explizite Gewaltandrohungen. Blattner will Anzeige erstatten.
Während sie vom Vorstand der Jungen EVP Unterstützung erhielt, sei die Mutterpartei mit der Situation überfordert gewesen. «Ich hätte mir gewünscht, dass man innerhalb der Partei Konsequenzen zieht und eine Null-Toleranz-Politik verfolgt», sagt sie.
Kein endgültiger Abschied
Trotz allem bleibt sie der EVP als Mitglied vorerst erhalten. Ihr Rücktritt wird im April an der Mitgliederversammlung offiziell. Und auch eine Rückkehr ins Amt schliesst Blattner nicht aus – unter einer Bedingung: Die Partei müsse sich ehrlich mit dem Thema Queerfeindlichkeit auseinandersetzen.
Ihr Appell ist klar: «Die EVP muss es beim nächsten Mal besser machen, damit ein anderes queeres Parteimitglied nicht mehr dasselbe erleben muss wie ich.»
Juso Schweiz reagiert auf Rücktritt
Mit grosser Bestürzung reagiert die JUSO Schweiz auf den Rücktritt von Lea Blattner aus dem Co-Präsidium der Jungen EVP Schweiz. Der Abgang der jungen Politikerin sei ein Alarmsignal – und zwar weit über die Parteigrenzen hinaus.
Seit ihrem Coming-out im vergangenen Jahr sei Blattner innerhalb der eigenen Partei massiv queerfeindlichem Hass ausgesetzt gewesen, betont die JUSO. Für die JUSO ist klar: Das darf nicht einfach hingenommen werden. In einer Stellungnahme fordert sie die EVP Schweiz unmissverständlich auf, die Vorfälle lückenlos aufzuarbeiten, Queerfeindlichkeit in den eigenen Strukturen aktiv zu bekämpfen und daraus konsequente personelle und strukturelle Schlüsse zu ziehen.