W-w-w-wie?

Kalt erwischt – neun gute Frost-Fragen fürs Wochenende

Von Philipp Dahm

12.2.2021

Wie lange dauert es, bis der Zürichsee zufriert? Stimmen eigentlich die alten Frost-Legenden vom wärmenden Lagerfeuer? Die mit den kalten Füssen und Erkältung? Und verlieren wir wirklich die meiste Wärme über den Kopf?

Verlieren wir die meiste Wärme über den Kopf?

40 bis 45 Prozent der Körperwärme gehen über den Kopf verloren, ist immer wieder nachzulesen. Die Zahl basiert auf einer Studie aus den 70ern, bei der der Wärmeverlust von Soldaten in Arktis-Anzügen gemessen wurde. Das Problem: Bei dem Versuchsaufbau kann die Wärme im Prinzip nur über den Kopf entwichen. Laut «British Medical Journal» würde der Wärmeverlust bei 7 bis 10 Prozent liegen, wenn die Probanden Badehosen getragen hätten. Das entspricht der Körperfläche, die unser Kopf ausmacht. Bei Babys und Kleinkindern nimmt der Kopf jedoch mehr Fläche ein: Sie sind besonders gefährdet.

Ist die Kälte für Kleinkinder gefährlich?

Der Kopf muss gut geschützt sein – siehe oben. Auch die Extremitäten, also Zehen und Finger, brauchen Schutz, weil sie am schnellsten auskühlen.  Säuglinge sind besonders gefährdet, weil sie noch nicht selber durch Bewegungen oder Zittern Wärme erzeugen.

Kopf geschützt, ab auf die Piste: Ein  Bub schlittelt Mitte Januar von Basels Hausberg Sankt Chrischona.
Kopf geschützt, ab auf die Piste: Ein  Bub schlittelt Mitte Januar von Basels Hausberg Sankt Chrischona.
KEYSTONE

Erkältung durch kalte Füsse?

Die Körperteile, die weit vom Herzen entfernt sind, werden am schnellsten kalt. Aber können kalte Füsse auch eine Erkältung verursachen? Früher haben Ärzte einen für diese Frage belächelt und belehrt, dass Erkältungen in der kalten Jahreszeit von Viren ausgelöst werden, die sich besser ausleben können, wenn wir in Gruppen im Warmen hocken. Allerdings hat eine Studie 2005 das Ganze auf den Kopf gestellt: 90 Probanden hatten sich 20 Minuten mit den Füssen in zehn Grad kaltes Wasser gestellt. Direkt nach dem Experiment gab es keine Unterschiede zur Kontrollgruppe, doch nach vier bis fünf Tagen bekamen 29 Prozent eine Erkältung. In der Kontrollgruppe waren es nur 9 Prozent. Sprich: Es lohnt sich also doch, es den eigenen Füssen wohlig warm zu machen. 

Frieren Frauen schneller als Männer?

Physisch bedingt ist dem so: Männer haben durch das Testosteron mehr Muskeln und somit eine bessere Durchblutung. Der weibliche Körperbau gleicht das jedoch durch einen höheren Fettanteil teilweise aus, der isolierend wirkt. Kleine Körper geben ausserdem mehr Wärme ab als grosse, wofür solche Menschen im Sommer aber auch weniger schwitzen. Frauen haben darüber hinaus eine dünnere Haut und reagieren durch den hormonellen Zyklus sensibler auf Temperaturschwankungen.

Ist die Kälte für Hunde gefährlich?

Und ob – in Sachen Gefährdung kann man sich eigentlich grundlegend am Menschen orientieren: Junge, Alte und Kranke, gerade mit Gelenkbeschwerden, bleiben bei Kälte besser zu Hause. Die Länge des Fells spielt selbstverständlich eine Rolle – und ausserdem wieder die Grösse. Eine Tabelle mit einer groben Übersicht zeigt: Für Hunde unter 10 Kilogramm herrscht bei minus 5 Grad Hausarrest, für jene zwischen 10 und 25 Kilogramm ist minus 10 Grad die Grenze und die darüber sollten bei minus 15 Grad nicht mehr raus.

Hund Lulu hat kein Problem mit der Kälte, aber wie andere Vierbeiner wahrscheinlich auch Schmerzen an den Pfoten, wenn er über Winterwege läuft, die mit Salz bestreut werden.
Hund Lulu hat kein Problem mit der Kälte, aber wie andere Vierbeiner wahrscheinlich auch Schmerzen an den Pfoten, wenn er über Winterwege läuft, die mit Salz bestreut werden.
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Enge oder weite Hosen?

Beides: Nach dem Zwiebelprinzip isolieren eine enge und eine lockerere Schicht, unter der sich ein Luftpolster bilden kann, am besten. Bei Eiseskälte Schlaghosen oder aber enganliegende Hosen aus dünnem Stoff zu tragen, bietet sich dagegen nicht an.

Wann spricht man von Kältewelle?

Wenn die Temperaturen plötzlich unter den Durchschnitt fallen – in der Regel verbunden mit dem Eindringen von arktischer Kaltluft in unsere Breiten. Die tiefste in der Schweiz verzeichnete Temperatur liegt bei minus 42,5 Grad, gemessen am 12. Januar 1987 in La Brévine NE. Extrem kalt war es auch im Frühjahr 1963, als sämtliche Schweizer Seen und sogar der Bodensee komplett zugefroren waren.



Wann friert so ein See eigentlich zu?

Entscheidend sind Grösse, Tiefe und Zuflüsse des Sees. Ein Indikator ist die Kältesumme, die die negativen Tagestemperaturen zusammenfasst. Wenn es zehn Tage minus 5 Grad gibt, ist die Kältesumme 50. Um den Zürichsee zufrieren zu lassen, wird eine Kältesumme von 320 benötigt. Um über den Bodensee zu laufen, wird eine Kältesumme von 370 fällig. Pfäffikersee und Greifensee, die zuletzt 2012 komplett vereist waren, erstarren dagegen schon bei 120 und 130.

In der Summe kalt: das Volk im Februar 1963 auf dem Zürichsee.
In der Summe kalt: das Volk im Februar 1963 auf dem Zürichsee.
KEYSTONE

Wie jetzt, gefrorene Seifenblasen?

Seifenblasen im Sommer kann jeder: Wer in Schweizer Parks am winterlichen Wochenende  – mit Abstand – Bewunderung einheimsen will, motzt die Seifenblasen-Mischung auf. Das Rezept: vier Esslöffel Spülmittel, drei Esslöffel Glycerin und zwei Esslöffel Zucker in einer Tasse Wasser lösen. Es sollten draussen mindestens minus 7 Grad sein, damit die Blase gefriert, rät der Foto-Blog «Pixolum», der weitere Informationen liefert und auch erklärt, wie man seine Eis-Blase am besten in Szene setzt. Falls keiner im Park war, der einen bewundern konnte ...

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