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Am Mittwochnachmittag donnerte ein Gletschersturz auf das Walliser Dorf Blatten nieder.
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Ein Gletschersturz hat das Dorf Blatten im Wallis ausgelöscht. Während Politiker am Wiederaufbau festhalten, warnen Experten vor Herausforderungen. Das alte Blatten wird es wohl nie wieder geben.
Das Dorf Blatten gibt es nicht mehr. Sämtliche Gebäude sind seit dem Gletschersturz am Mittwochnachmittag entweder begraben oder überschwemmt. «Ein ganzes Dorf ist von der Landkarte verschwunden», sagte der Walliser Staatsrat Christophe Darbellay.
Für Darbellay ist aber auch klar: Das Lötschental soll bewohnt bleiben. «Es ist keine Option, das Tal zu verlassen», sagte er. Die Walliser Behörden wollen Blatten wiederaufbauen.
Auch Matthias Bellwald, der Gemeindepräsident von Blatten, glaubt an einen Wiederaufbau. Er sei froh, dass man alle Einwohner aus Blatten habe evakuieren und Sicherheit bringen können. «Das gibt uns die Kraft, das zu machen, was vor uns liegt. Wir haben das Dorf verloren, aber nicht das Herz. Auch wenn das Dorf unter einem grossen Schuttkegel liegt, wissen wir, wo unsere Häuser und unsere Kirche wieder stehen müssen», sagte Bellwald.

Matthias Bellwald, Gemeindepräsident von Blatten in einer Aufnahme wenige Tage vor dem grossen Gletscherabbruch.
Screenshot: YouTube/Pomona
Der Geologe Marco Buser dämpfte gegenüber «20 Minuten» den Optimismus der Blattner jedoch: «Bei den Millionen Kubikmetern, die das Tal zugeschüttet haben, sind die Kosten schlicht und ergreifend zu hoch.» Die Geröllmassen, die das Dorf jetzt bedecken, würden kaum wieder abtransportiert werden. «Den Ort Blatten wird es so, wie er war, nicht mehr geben», sagte Buser. «Man kann das woanders wieder aufbauen, an andere Orte ausweichen. Aber nicht mehr an der gleichen Stelle, diese Massen werden nicht mehr weichen.»
Das bestätigte auch der emeritierte Geologieprofessor der Universität Genf, Walter Wildi, dem «Blick». «Man wird das Dorf woanders wieder aufbauen müssen», sagte er. Wichtig sei dabei, dass das «neue» Blatten eher in Richtung Hang gebaut würde.
Wie genau der Wiederaufbau aussen könnte, ist auch für die Walliser Behörden noch unklar. «Ob genau am gleichen Ort, das kann niemand sagen», sagte Staatsrat Darbellay. «Aber wir müssen der Bevölkerung von Blatten eine langfristige Perspektive bieten.»
Eine Idee, wie der Wiederaufbau aussehen könnte, äusserte der frühere SP-Präsident und Nationalrat und heutige Hotelier Peter Bodenmann im «Tages-Anzeiger». Am besten mache man dies mit einem Ideenwettbewerb. Er hoffe auf etwas Neues, ein «Blatten 2.0». Anstatt vier verschiedenen Hotels, ein gemeinsames Null-Energie-Hotel zum Beispiel.
Wie man ein Dorf wiederaufbaut, das weiss eine andere Walliser Gemeinde: Gondo. Am 14. Oktober 2000 hat eine durch ein Unwetter verursachte Schlammlawine in Gondo zehn Häuser weggeschwemmt und 13 Menschen getötet. «Das vergisst man nie mehr im Leben», sagte Gemeindepräsident Roland Squaratti zu SRF.

Im Jahr 2000 hat eine Schlammlawine in Gondo zehn Häuser weggeschwemmt.
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Die Solidarität mit Gondo war dazumal gross. Die Glückskette sammelte 74 Millionen Franken für die Opfer der Unwetter. Ein Drittel davon ging an die zwei am stärksten betroffenen Gemeinden Gondo und Baltschieder. Mittlerweile ist das Gondo wiederaufgebaut.
Und auch Blatten ist in diesen Tagen nicht alleine. Die Glückskette will Betroffene direkt finanziell unterstützen und hat zu Spenden aufgerufen. Die Patenschaft für Berggemeinden stellt für Blatten eine Million Franken zur Verfügung.
Nach dem Wiederaufbau von Gondo sind jedoch viele Bewohner*innen nie mehr zurückgekehrt, zu gross ist die Angst vor einer erneuten Katastrophe. Statt wie damals 161 Menschen, wohnen heute nur noch 75 in Gondo. Ob die Bewohner*innen von Blatten nach einem Wiederaufbau in ihr Dorf zurückkehren werden, oder ob auch sie sich zu fest vor einem erneuten Unglück fürchten, wird sich noch zeigen.