Kanton Waadt untersucht Missbrauchsvorwürfe in Behindertenheim

13.6.2018 - 19:35, sda

Menschen mit Autismus sollen u.a. in einer Wohngruppe mit überhohen Medikamentendosen ruhig gestellt worden sein.
Bild: Jens Kalaene

Nach schweren Missbrauchsvorwürfen gegen Betreuer eines Behindertenheims in St-Légier VD soll eine Untersuchung durch den Kanton Licht ins Dunkel bringen. Das Waadtländer Gesundheits- und Sozialdepartement hat eine Untersuchung eingeleitet.

Die Vorwürfe an die Institution namens Cité du Genévrier werden bereits seit längerer Zeit von der kantonalen Beschwerdestelle für Patienten (COP) untersucht. Bereits im April hatte die Kommission ihren Bericht vorlegen wollen.

Anfang Juni hatte die COP neue Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters des Heims erhalten, die "wahrscheinlich neue relevante Elemente" zum Fall beinhalten, wie sie am Mittwoch mitteilte.

Die zusätzliche Administrativuntersuchung hatte Staatsrat und Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard beantragt. "Dies wird die Dinge beschleunigen", sagte er auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA.

Mit Medikamenten ruhig gestellt

Die Vorwürfe wiegen schwer und betreffen die Betreuung in einer Wohngruppe für Menschen mit Autismus. Bei ihnen soll die Körper- und die Zahnpflege vernachlässigt und sie sollen mit überhohen Medikamentendosen ruhig gestellt worden sein. Die Fälle sollen sich zwischen 2013 und 2017 ereignet haben.

Das zu 95 Prozent vom Kanton Waadt finanzierte Heim hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Die betroffene Wohngruppe wurde später aufgelöst, weil das Vertrauen zwischen den Eltern und des Heims zerstört war.

Mit der Untersuchung betraut wurde Eric Toriel, früherer Generalsekretär des Gesundheits- und Sozialdepartements. Er soll einen raschen Abschluss des Berichts der kantonalen Beschwerdestelle für Patienten ermöglichen. Die Ergebnisse sollen Teil der Untersuchungsakten werden. Der Abschluss der Untersuchung wird für den Sommer erwartet.

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