Fast 12 Millionen Franken zu viel Bau der A9 im Wallis: Kanton zahlte Firmen über Jahre zu viel Geld

Helene Laube

19.5.2026

Die A9 zwischen Gampel-Steg und Visp. (27. Oktober 2025)
Die A9 zwischen Gampel-Steg und Visp. (27. Oktober 2025)
Bild: Keystone/Cyril Zingaro

Die A9 im Wallis wird zum Milliardenprojekt ohne Ende: Ein internes Astra-Dokument zeigt massive Probleme bei Kontrolle, Abrechnungen und Nachforderungen auf.

Lea Oetiker

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  • Der Bau der A9 im Wallis verzögert sich seit Jahren und kostet deutlich mehr als ursprünglich geplant.
  • Ein internes Astra-Dokument zeigt laut dem «Tages-Anzeiger» gravierende Probleme bei Abrechnungen und der Kontrolle von Bauprojekten, insbesondere beim Tunnel Riedberg.
  • Bund und Kanton sprechen inzwischen von Verbesserungen bei der Zusammenarbeit, dennoch laufen weiterhin mehrere Verfahren wegen mutmasslich überhöhter Forderungen.

Der Bau der A9 im Wallis sorgt erneut für Diskussionen. Mehr als zwei Jahrzehnte nach Baubeginn ist die Autobahn zwischen Siders und Brig noch immer nicht vollständig fertiggestellt – gleichzeitig explodieren die Kosten. Statt der ursprünglich kalkulierten 2,1 Milliarden Franken geht die Eidgenössische Finanzkontrolle inzwischen von mindestens 5,1 Milliarden Franken aus.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, finanziert der Bund den Bau der Nationalstrasse fast vollständig. Die praktische Umsetzung liegt jedoch beim Kanton Wallis. Ein bislang internes Revisionsdokument des Bundesamts für Strassen (Astra), das dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, zeigt nun erhebliche Mängel bei der Projektaufsicht und Abrechnung auf.

Besonders problematisch scheint laut den Revisoren das Tunnelprojekt Riedberg bei Gampel-Steg zu sein. Die beiden Tunnelröhren sollten einen Engpass beseitigen und bestehende Teilstücke der A9 verbinden. Doch seit dem Baustart im Jahr 2004 kam es immer wieder zu Schwierigkeiten – unter anderem wegen Hangrutschungen und Projektänderungen. Trotz Ausgaben von bereits über 220 Millionen Franken dauern die Arbeiten weiterhin an.

11,81 Millionen Franken «zu viel verrechnet»

Bei einer Kontrolle von Rechnungen im Umfang von 35,5 Millionen Franken stellte das Astra mutmasslich überhöhte Forderungen fest. Laut internem Bericht seien 11,81 Millionen Franken «zu viel verrechnet» worden. Insgesamt könnte sich die Summe unrechtmässiger Forderungen auf bis zu 20 Millionen Franken belaufen. Zusätzlich warnen die Prüfer vor einem «sehr hohen» Risiko weiterer unentdeckter Zahlungen.

Die internen Kontrollen werfen auch Fragen zur Rolle der kantonalen Bauleitung auf. Laut dem Dokument seien Ausschreibungsbedingungen nur teilweise eingehalten worden, während gleichzeitig wichtige Unterlagen der Bauunternehmen unvollständig gewesen seien, wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt.

Dadurch wird die Überprüfung der Abrechnungen erschwert. Weiter heisst es im Bericht, die damalige Walliser Bauleitung habe sich ab 2011 «systematisch auf die Seite der Unternehmer» gestellt, was zahlreiche Rechtsstreitigkeiten ausgelöst habe.

Mehrere Verfahren laufen

Mehrere Verfahren beschäftigen derzeit Gerichte und Behörden. Streitpunkte betreffen unter anderem Bauabrechnungen bei den Tunneln Visp und Eyholz, den Abschnitt Turtmann sowie die Deponie Goler. Dort hatte die Eidgenössische Finanzkontrolle bereits früher einen Schaden in Millionenhöhe festgestellt.

Trotz der Kritik sehen Bund und Kanton inzwischen Fortschritte bei der Zusammenarbeit. Die Eidgenössische Finanzkontrolle hält fest, dass Projekte heute enger überwacht und externe Gutachten häufiger beigezogen würden. Das Verhältnis zwischen Astra und den Walliser Behörden sei derzeit «gut». Auch der Kanton verweist darauf, dass inzwischen ein Grossteil der Empfehlungen der Kontrollstellen umgesetzt worden sei.

Die Fertigstellung der letzten A9-Etappe zwischen Siders und Leuk ist derzeit für das Jahr 2037 vorgesehen.