Cyane P. (24) kannte Gefahr offenbar nichtKellnerin mit Helm und Sprühkerzen starb bei Bar-Inferno
Lea Oetiker
13.1.2026
Cyane P. (24) war die Kellnerin mit Helm.
Facebook
Beim verheerenden Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana starb auch die junge Kellnerin, die das Feuer wohl unbeabsichtigt auslöste – ihre Familie sieht sie als Opfer mangelnder Sicherheitsvorkehrungen.
Sie sass mit einem Helm auf den Schultern eines Kollegen und servierte Champagnerflaschen, an denen Sprühkerzen befestigt waren. Dabei kam sie der leicht entflammbaren Schallisolation an der Decke zu nahe – und löste so vermutlich das Inferno aus, das 40 Menschen das Leben kostete.
Unter Berufung auf Einvernahmeprotokolle schreibt der «Tages-Anzeiger», dass das Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti P. auf Fotos identifiziert habe. «Sie war für uns wie eine Schwiegertochter, wie meine kleine Schwester. Sie hat Weihnachten mit uns verbracht. Ich bin am Boden zerstört», sagte Jessica Moretti laut Polizeiunterlagen.
«Über eine Stunde lang versucht, sie wiederzubeleben»
Erst über eine Servicetür, die jedoch von innen verriegelt war, fanden sie einen Weg hinein. Warum, könne er nicht sagen. «Wir haben über eine Stunde lang versucht, sie wiederzubeleben – bis die Rettungskräfte uns sagten, dass es zu spät sei», sagte Moretti.
Erst jetzt wurde zweifelsfrei klar, dass P. die sogenannte «Helm-Frau» auf den Videos ist, die weltweit verbreitet wurden. Das auffälligste Indiz seien ihre extrem langen, blonden Haare – in der Silvesternacht zu einem Zopf geflochten, der hinten aus dem Helm ragt.
Die 24-Jährige war die Partnerin eines Kochs aus einem anderen Restaurant der Morettis, der als enger Freund des Betreiber-Ehepaars galt.
P. soll keine Schulung im Bereich Sicherheit erhalten haben
Die Anwältin der Familie von P. erklärt dem «Blick»: «Meine Mandanten haben ihre Tochter, ihre Schwester verloren. Ihnen wurde ein geliebter Mensch genommen, eine wunderbare Person.» P. sei in der Blüte ihres Lebens gestorben, «all ihre Träume wurden zerstört.»
Am Abend des 31. Dezember habe P. laut Familie Gäste im Erdgeschoss empfangen sollen. «Sie war nicht dafür vorgesehen, den Service am Tisch zu übernehmen», sagt Haenni. «Frau Jessica Moretti bat sie, sich ins Untergeschoss zu begeben, um ihren Kollegen zu helfen.» Dort sei sie auch in Anwesenheit der Geschäftsführerin gewesen.
Die Anwältin sagte dem «Blick», P. trage keine Verantwortung. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Brand durch die Vielzahl gleichzeitig an derselben Stelle entzündeter Kerzen ausgelöst wurde. Die Ermittlungen werden dies jedoch klären müssen. In jedem Fall hätte der Tod von 40 Personen und mehr als hundert Verletzten vermieden werden können, wenn Sicherheitsnormen eingehalten worden wären.»
Besonders tragisch: «Cyane wurde niemals über die Gefährlichkeit der Decke informiert und erhielt keinerlei Schulung im Bereich der Sicherheit», so Haenni. «Sie ist zweifellos ein Opfer!»
Nationaler Gedenktag: Lokführer lassen Pfeifen im Zürcher HB erklingen.
In Gedenken an die Opfer von Crans-Montana lassen die SBB-Lokführer im Zürcher HB ihre Pfeifen erklingen.