Tausende Gewalt-Videos Schlag gegen Kinderpornografie-Plattform «KidFlix» – Polizei schnappt 10 Schweizer

Petar Marjanović

2.4.2025

Fahnder sind Hintermännern einer Darknet-Plattform für Kinderpornografie auf die Spur gekommen. (Symbolbild)
Fahnder sind Hintermännern einer Darknet-Plattform für Kinderpornografie auf die Spur gekommen. (Symbolbild)
Arne Dedert/dpa

Polizisten und Strafermittlungsbehörden konnten weltweit einen Erfolg gegen sexualisierte Gewalt an Kindern verbuchen. Die Aktion richtete sich gegen die Plattform «KidFlix», auf der fast zwei Millionen Nutzer kinderpornografische Gewaltvideos konsumieren konnten.

Petar Marjanović

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die internationale Darknet-Plattform «KidFlix» mit über 1,8 Millionen Nutzern wurde im Rahmen der Operation «Stream» abgeschaltet – auch Schweizer Behörden waren beteiligt.
  • Weltweit wurden 79 Personen festgenommen und rund 1400 Verdächtige identifiziert, einige davon wegen aktiven sexuellen Missbrauchs von Kindern. Darunter sind auch 10 Schweizer.
  • Die Plattform ermöglichte kostenpflichtiges Streaming von über 91'000 Missbrauchsvideos

Im Rahmen einer der grössten internationalen Operationen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern ist den Strafverfolgungsbehörden ein bedeutender Schlag gelungen: Die Darknet-Plattform «KidFlix», über die weltweit über 1,8 Millionen Nutzer Missbrauchsdarstellungen an Kindern streamen konnten, wurde abgeschaltet.

Auch Schweizer Strafverfolgungsbehörden waren an der internationalen Aktion beteiligt. Konkret: Es wurden zehn Personen identifiziert, welche auf der Webseite «KidFlix» Missbrauchsdarstellungen von Kindern verbreitet oder konsumiert haben. Dies teilt das Bundesamt für Polizei gegenüber blue News mit.

Diese zehn Personen wurden vorläufig festgenommen. Laut Mitteilung des Fedpols waren die Kantonspolizeien Aargau, Bern, Basel-Landschaft, Genf, Thurgau, Waadt und Zürich beteiligt.

Ermittlungen in 38 Ländern

Die Plattform war 2021 von Cyberkriminellen ins Leben gerufen worden. Sie ermöglichte ihren Nutzern gegen Bezahlung oder durch eigene Uploads den Zugriff auf über 91'000 Videos – mit teils schwerer sexueller Gewalt an Kindern. 

Anders als frühere Plattformen konzentrierte sich «KidFlix» auf das Streaming. Täglich wurden bis zu 80 neue Videos hochgeladen. Die Ermittlungen begannen Anfang 2022, auf Verlangen des Bayerischen Landeskriminalamts kam dann Europol hinzu, um Ermittlungen auf mehrere Länder ausweiten zu können.

Die konzertierte Aktion unter dem Namen «Operation Stream» lief vom 10. bis 23. März 2025 und vereinte 38 Länder, darunter die Schweiz, Deutschland, die Niederlande, die USA und weitere europäische Staaten. Insgesamt wurden 79 Personen festgenommen, weltweit rund 1400 Tatverdächtige identifiziert. In mehreren Fällen konnten missbrauchte Kinder geschützt oder identifiziert werden.

In Deutschland wurden bislang zwei Kinder identifiziert, darunter ein 11-jähriges Mädchen aus Nordrhein-Westfalen. «Hinter jedem Bild, hinter jedem Video steht das unfassbare Leid eines Kindes. Ich fordere seit Jahren, dass die Betreiber von Kinderpornografie-Foren noch stärker ins Visier genommen werden», sagt der bayerische Minister Georg Eisenreich laut einer Mitteilung.


Mehr Videos aus dem Ressort

Über 1000 Missbrauchs-Fälle in der Schweizer katholischen Kirche

Über 1000 Missbrauchs-Fälle in der Schweizer katholischen Kirche

Katholische Kleriker und Ordensangehörige haben in der Schweiz seit 1950 mindestens 1002 Fälle von sexuellem Missbrauch begangen. Das zeigt eine Analyse von Geheimarchiven kirchlicher Institutionen durch Historikerinnen und Historiker der Universität Zürich (UZH).

13.09.2023