Wegen neuer Klima-Gebühr Kehrichtsack könnte künftig 5 Franken kosten

Sven Ziegler

24.11.2025

Kehrichtsäcke könnten in der Schweiz künftig deutlich teurer werden. 
Kehrichtsäcke könnten in der Schweiz künftig deutlich teurer werden. 
sda

Die CO₂-Abscheidung in Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen kommt voran – und könnte schon bald spürbare Folgen für Haushalte haben. Eine nationale Klimagebühr soll die milliardenteuren Klimamassnahmen finanzieren.

Redaktion blue News

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  • Die Abfallbranche fordert eine nationale Klimagebühr, um die CO₂-Abscheidung in KVA zu finanzieren.
  • Für einen 35-Liter-Sack könnten langfristig bis zu 2 Franken zusätzlich fällig werden.
  • Während Mitte- und Grünen-Politiker den Ansatz unterstützen, kritisieren SVP und FDP die steigenden Kosten für Haushalte.

Die Betreiber der Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen stehen vor einer Aufgabe, die technisch lösbar, aber finanziell gewaltig ist: Der Bund verlangt, dass die Entsorgung bis 2050 klimaneutral wird. Weil es keine emissionsfreie Alternative zur Verbrennung gibt, setzt die Branche auf CO₂-Abscheidung und -Speicherung, bekannt als CCS. Dabei wird CO₂ aus den Abgasen gefiltert, verflüssigt und unter dem Meeresboden eingelagert – ein Verfahren, das bereits in Norwegen angewandt wird.

Die erste Schweizer Pilotanlage soll in Niederurnen entstehen. Dort könnten ab 2030 jährlich rund 100'000 Tonnen CO₂ abgeschieden werden. Doch die Kosten sind enorm: Rund 400 Franken pro Tonne, insgesamt etwa 40 Millionen Franken pro Jahr allein für die Anlage im Glarnerland. Die Gemeinden im Einzugsgebiet könnten diese Last nicht tragen, warnt der Branchenverband.

Deshalb fordert die Abfallwirtschaft eine nationale Klimagebühr, die vorerst 10 Franken pro Tonne Abfall betragen würde, wie die «NZZ» am Montag schreibt. Für Haushalte entspräche dies zunächst etwa 5 Rappen pro 35-Liter-Sack.

Gemischte Signale aus der Politik

Langfristig rechnet die Branche jedoch mit deutlich höheren Aufschlägen: Wenn alle Schweizer KVA bis 2050 mit CCS ausgerüstet sind, könnte der Preis pro Sack um bis zu zwei Franken steigen. In Zürich könnte ein 35-Liter-Sack dann 3.60 Franken kosten, in Basel sogar 4.70 Franken. 

Wie hoch der Betrag am Ende tatsächlich wird, hängt auch von der Infrastruktur ab. Solange CO₂ per Bahn nach Nordeuropa transportiert werden muss, bleiben die Kosten hoch, schreibt die Zeitung weiter. Fliessen dereinst Pipelines, könnten die Kosten pro Tonne laut Bund auf rund 180 Franken sinken.

Politisch ist die Debatte bereits lanciert. Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt fordert gegenüber der «NZZ» eine gesetzliche Grundlage für die neue Gebühr – und hält eine nationale Finanzierung für gerechtfertigt: Die ganze Schweiz profitiere davon, wenn erste Anlagen wie jene in Niederurnen Pionierarbeit leisten. Unterstützung kommt auch von den Grünen: Wer Netto-Null ernst nehme, müsse solche Technologien zulassen, heisst es aus der Partei.

Deutlich kritischer sind SVP und FDP. SVP-Nationalrat Mike Egger warnt vor neuen finanziellen Belastungen für die Bevölkerung und spricht von «versteckten Folgekosten» früherer Klimabeschlüsse. FDP-Politiker Christian Wasserfallen zweifelt wiederum an der Sinnhaftigkeit, CO₂ über weite Strecken zu transportieren, um es dann in der Nordsee zu verpressen. Er fordert, Mittel stattdessen vermehrt in Schutzmassnahmen innerhalb der Schweiz zu investieren.