Parkplätze sollen verschwinden Krach um Bahnhof-Projekt eskaliert – Hotelier droht mit Bundesgericht

Sven Ziegler

23.12.2025

Das Hotel Victoria liegt direkt beim Bahnhof Brig.
Das Hotel Victoria liegt direkt beim Bahnhof Brig.
Screenshot Google Maps

Das Grossprojekt rund um den Bahnhof Brig kommt später als geplant – und sorgt für massiven Widerstand. Hotelier Reto Steiner kündigt an, notfalls bis vor das Bundesgericht zu ziehen.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Umbau des Bahnhofs Brig startet frühestens 2028 und verzögert sich damit um rund zwei Jahre.
  • Hotelier Reto Steiner wehrt sich gegen den Verlust von Parkplätzen und droht mit einem Gang vors Bundesgericht.
  • Auch aus der Lokalpolitik mehren sich Stimmen, die eine grundlegende Überarbeitung des Projekts fordern.

Das Bahnhofsprojekt in Brig kommt nicht wie geplant voran. Der Baustart für den rund 100 Millionen Franken teuren Umbau ist neu erst für das Jahr 2028 vorgesehen, die Fertigstellung drei Jahre später. Ursprünglich hätte der Bau bereits deutlich früher beginnen sollen.

Betroffen von der Verzögerung – und vom Projekt selbst – ist unter anderem Hotelier Reto Steiner, der das Hotel Victoria führt. Er kritisiert die Pläne scharf: «Das Projekt kastriert unseren Betrieb», sagt Steiner gegenüber dem «Walliser Boten». Sollte keine Lösung gefunden werden, sei er bereit, den Rechtsweg «bis vor Bundesgericht» auszuschöpfen.

Parkplätze und Wintergarten betroffen

Träger des rund 100 Millionen Franken teuren Umbaus sind die Stadtgemeinde Brig-Glis, der Kanton Wallis sowie die Matterhorn Gotthard Infrastruktur AG. Für die Umsetzung sollen Teile eines privaten Grundstücks bis direkt an die Hausmauer genutzt werden. Konkret müssten ein Wintergarten sowie sieben Aussenparkplätze weichen.

Steiner hält diesen Schritt für widersprüchlich. «Einerseits verlangt das Bau- und Zonenreglement Parkplätze, andererseits sollen uns nun alle entzogen werden», sagt er. Das sei unverhältnismässig und letztlich willkürlich.

In dem betroffenen Gebäude befinden sich neben dem Hotel auch Gastronomieflächen, eine Zahnarztpraxis, eine medizinische Praxis sowie Wohnungen. Besonders problematisch sei der Wegfall der Parkplätze für Busreisende, die einen zentralen Teil des Geschäfts ausmachen. Rund 40 Prozent des Umsatzes würden mit Gruppenreisen erzielt. «Ohne Parkplätze, ohne Umschlagplatz wird es schwierig, das Hotel rentabel zu betreiben», so Steiner. Auch das kurzfristige Ausladen von Gepäck wäre künftig nicht mehr möglich. «Unser Gebäude wird entwertet.»

Bereits vor mehr als zehn Jahren habe er der Stadt grünes Licht für die Planung gegeben, sagt Steiner gegenüber dem «Boten» weiter. Damals seien ihm Lösungen in Aussicht gestellt worden, die eine Enteignung überflüssig machen sollten. «Auf diese Lösung warten wir noch heute.»

Funkstille seit Beginn des Jahres

Die Stockwerkeigentümergemeinschaft hat inzwischen zwei Einsprachen eingereicht: eine gegen das Bahnprojekt selbst und eine weitere gegen die Umgestaltung des Bahnhofplatzes und der kommunalen Verkehrswege. In beiden Fällen wird bezweifelt, dass das Projekt ein überwiegendes öffentliches Interesse rechtfertigt. In den Eingaben ist von «100 Millionen Franken ohne erkennbaren Mehrwert für die Verkehrssituation» die Rede.

Die Verhandlungen zu Beginn des Jahres blieben ohne Resultat. Seither herrsche Funkstille, sagt Steiner. Die Infrastrukturgesellschaft verweist darauf, dass Fragen des Verkehrskonzepts nicht Teil ihres Auflageprojekts seien und eine Enteignung dort gar nicht vorgesehen sei. Zuständig sei in diesen Punkten das Bewilligungsverfahren unter Federführung der Gemeinde.

Doch die Kritik am Projekt wächst. Der Briger SVP-Stadtrat Michael Graber forderte öffentlich eine grundlegende Überarbeitung. Auch Fachleute plädierten zuletzt dafür, Alternativen ernsthaft zu prüfen. Graber bringt es auf den Punkt, was viele denken: Die Investition von 100 Millionen Franken löse kein einziges bestehendes Problem.

Steiner sieht das ähnlich – und geht noch weiter. Er kündigt an, das Projekt notfalls bis vor das Bundesgericht zu ziehen. «Die Erfolgsaussichten sind ungewiss», sagt er. «Aber zumindest können wir das unsinnige Projekt verzögern.»

Zuerst hoffe er jedoch, dass der Stadtrat das Vorhaben nochmals kritisch überprüft. Vor der Finanzierungsabstimmung sei vielen nicht klar gewesen, dass damit auch das konkrete Projekt in dieser Form abgesegnet werde.

Hinweis: In einer ersten Version ist als Bild versehentlich das Hotel Victoria in Basel gezeigt worden. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.