Fall zeigt Lücken im System Zürcher Lehrer warten vergeblich auf Lohn – schwere Vorwürfe gegen dubiose Schule

Samuel Walder

20.5.2026

An dieser Sprachschule in Zürich wurden mehreren Personen keine Löhne ausbezahlt.
An dieser Sprachschule in Zürich wurden mehreren Personen keine Löhne ausbezahlt.
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Mehrere Lehrpersonen einer Zürcher Sprachschule klagen über ausbleibende Löhne – doch selbst ein Entscheid des Friedensrichters bringt den Betroffenen kein Geld.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein Englischlehrer in Zürich erhielt über Jahre hinweg einen Teil seines Lohns nicht, trotz gerichtlicher Entscheidung zu seinen Gunsten.
  • Mehrere Monatslöhne fehlen bis heute oder wurden verspätet ausbezahlt.
  • Die Situation wird durch ein Geflecht aus Firmen mit ähnlichen Namen erschwert, von denen einige Konkurs gingen. 
  • Der Fall zeigt laut Experten eine Lücke im System, da Ansprüche oft ins Leere laufen, wenn kein Geld mehr vorhanden ist. 

Ein Englischlehrer hat drei Jahre lang an einer Sprachschule in Zürich unterrichtet – doch einen Teil seines Lohns hat er nie erhalten. Obwohl ein Friedensrichter ihm recht gab und die Schule zur Zahlung verpflichtete, blieb das Geld aus. «So etwas hätte ich in der Schweiz nicht erwartet», sagt der Betroffene dem «Tages Anzeiger».

«Dass man in der Schweiz nicht zu seinem rechtmässigen Lohn kommt, macht mich fassungslos.»

Der Lehrer war von 2022 bis 2025 angestellt. Von insgesamt 39 Monatslöhnen fehlen zwei vollständig, 29 wurden verspätet ausbezahlt und oft erst nach mehrmaligem Nachfragen. Die Löhne für Januar und Februar 2025 sind bis heute offen.

Auch andere betroffen

Auch andere Lehrpersonen seien betroffen gewesen. «Alle mir bekannten Lehrpersonen an der Schule haben bestätigt, regelmässig verspätet bezahlt worden zu sein und zum Teil bis heute auf Lohnauszahlungen zu warten.»

Der Fall wird durch die Firmenstruktur zusätzlich kompliziert. Die ursprüngliche Firma existierte zum Zeitpunkt des Entscheids gar nicht mehr. Über die Jahre tauchten mehrere Gesellschaften mit ähnlichem Namen auf, teils mit Konkursen oder Liquidationen. Gleichzeitig blieb die Marke bestehen und wurde von verschiedenen Firmen weitergeführt. Anfang 2026 wurde auch über eine dieser Firmen der Konkurs eröffnet – mangels Geld jedoch wieder eingestellt.

Ein ehemaliger Lehrer berichtet dem «Tages-Anzeiger», dass es seit Jahren Probleme mit den Löhnen gab. Viele hätten gekündigt, einige sogar auf mehrere Monatslöhne verzichtet. Trotzdem seien immer wieder neue Lehrkräfte gefunden worden. «Die wussten nichts von den finanziellen Tricks der Schule.» Auch ihm sei eine neue Firma in Aussicht gestellt worden – doch er habe das Vertrauen verloren.

Gezieltes Vorgehen?

Unklar ist, ob es sich um Misswirtschaft oder um gezieltes Vorgehen handelt. Zuständige Behörden sehen sich nicht in der Aufsicht. Gleichzeitig zeigt der Fall eine Lücke im System: Arbeitsverhältnisse können laut einem Experten «vergleichsweise unbürokratisch und weitgehend unbeaufsichtigt abgeschlossen» werden. Zwar könne man Ansprüche einklagen – «nur nützt das wenig, wenn keine Mittel mehr vorhanden sind.»

Für die Betroffenen bleibt die Situation frustrierend. Forderungen hätten nach dem Konkurs innert 60 Tagen angemeldet werden müssen – diese Frist verpassten die Lehrkräfte, weil sie nicht informiert wurden. Der Lehrer zeigt sich gegenüber dem «Tages-Anzeiger» enttäuscht: «Ich habe das Gefühl, dass unser guter Wille und unsere Bemühungen schamlos ausgenutzt wurden.»


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