Dorf-Frieden ist passéSt. Galler Käserei wird zum Millionen-Drama
Dominik Müller
24.2.2026
In Lenggenwil SG hält die ehemalige Käsereigenossenschaft bis heute das Dorf auf Trab.
Symbolbild: Keystone
In Lenggenwil SG ist der Dorf-Frieden passé: Ein umstrittener Präsident, mehrere Gerichtsurteile und Millionenforderungen haben den Streit um die einstige Käsereigenossenschaft auf die Spitze getrieben.
Über ein Jahrhundert war die Käsereigenossenschaft Hueb-Taa (KGHT) das Herz von Lenggenwil SG. 2019 wurde sie nach Jahren mit Mini-Gewinnen von rund 3000 Franken liquidiert, berichtet das «St. Galler Tagblatt». «Viele Käsereien in der Region mussten schliessen, das Modell war nicht mehr zeitgemäss», sagt ein Mitglied zur Zeitung.
Eine Käsereigenossenschaft ist ein Zusammenschluss von Bauern, die gemeinsam eine Käserei betreiben oder verpachten, um ihre Milch direkt zu verarbeiten und zu vermarkten.
In Lenggenwil kommt es zum Streit: Ein früher ausgeschlossenes KGHT-Mitglied liess sich 2019 an einer umstrittenen Versammlung zum Präsidenten wählen und stoppte die Liquidation. Es folgten Gerichtsverfahren, wechselnde Einträge im Handelsregister und ein Machtkampf auf offener Bühne. Das St. Galler Handelsgericht setzte den umstrittenen Präsidenten 2020 wieder ab und genehmigte die Auflösung – doch ein Schiedsgericht bestätigte 2024 seine Mitgliedschaft.
Im September 2025 erwirkte der Mann erneut eine Änderung im Handelsregister, die ihn zum Präsidenten machte. Daraufhin schloss er vier langjährige Mitglieder aus der KGHT aus.
«Die geforderten Beträge sind abstrus»
In der Folge eskaliert die Situation endgültig: Kurz vor Weihnachten 2025 verschickte der Mann Zahlungsforderungen von insgesamt über 14 Millionen Franken. «Die geforderten Beträge sind abstrus», sagt ein ehemaliger Liquidator dem «Tagblatt». Ein weiterer Betroffener spricht von «Trump-Methoden».
Der Präsident weist im Bericht alle Vorwürfe zurück. Der Verkauf der Liegenschaft und die Liquidation seien «illegal» gewesen, begründet er die Millionenforderungen. Allein für den Ersatz der Käserei veranschlagt er fünf Millionen Franken. Man habe ihm damals zu Unrecht das Stimmrecht entzogen.
Sein Ziel sei es, dass die Genossenschaft «über ihr Schicksal selbst entscheidet» – im Rahmen von Gesetz und Statuten. Die Gegenseite prüft nun erneut rechtliche Schritte. Der Dorf-Frieden ist längst Geschichte.
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