Lieber Herr Blocher, mit diesem Inserat finden Sie einen Parteichef

Anna Kappeler

7.2.2020 - 11:39

Christoph Blocher posiert hinter einem Vorhang in seinem Büro in Männedorf im Jahr 2014.
Bild: Keystone

Neue*r Parteipräsident*in verzweifelt gesucht: Weil mindestens eine*r muss, doch niemand richtig will, kommt hier Hilfe in Form eines Stelleninserats. Augenzwinkern inklusive.

Lieber Herr Blocher, eigentlich hätten Sie doch Wichtigeres zu tun. Den für die Partei wichtigsten Abstimmungskampf dieses Jahres zur Begrenzungsinitiative führen, etwa. Oder, ganz grundsätzlich, das von Ihnen so ungeliebte Rahmenabkommen mit der EU verhindern.

Aber nein. Stattdessen müssen Sie nun den Karren aus dem Dreck ziehen. Damit Ihre Partei nicht führungslos zu werden droht, wenn sich Albert Rösti halbfreiwillig als Parteipräsident verabschiedet. Weil, ja, nicht einmal der bisher einzige offizielle Kandidat Alfred Heer will wirklich, wie er im SRF sagte. Letzteres scheint Sie zwar nicht zu stören, kritisierten Sie ihn in Ihrem neuesten «Tele Blocher» doch als Beschöniger. 

Zurück auf Feld eins also?

Natürlich, darüber hinaus kursieren viele Namen möglicher neuer Chefs – und seltener neuer Chefinnen –, doch dabei hagelt es Ab- statt Zusagen.

Eine Entscheidung aber, die muss gleichwohl her. Und die treffen nach wie vor Sie (mit). Vielleicht inspiriert Sie, lieber Herr Blocher, deshalb das folgende Stelleninserat:


SVP-Stelleninserat

Präsident/in der grössten Partei der Schweiz SVP (100 Prozent)
(24/7 wäre ehrlicher, aber das verschweigen Sie mit Vorteil)

In der Schweizerischen Volkspartei SVP, der grössten Partei der Schweiz, wird per 28. März 2020 der Job als Parteipräsident/in frei.

Was Sie bieten:

  • belastbarer Chrampfer
  • «Asylchaos stoppen» – aber für den Wahlkampf ein bisschen reaktivieren
  • selbstbewusstes Auftreten gegenüber der EU – die Bilateralen kann man notfalls getrost spülen
  • christlich-abendländische Werte
  • Erfahrung in der besten Armee der Welt
  • «Law&Order» ist Ihre Überzeugung – unsere Schweiz darf kein Eldorado für Kriminelle werden (Ausnahme: Manager-Stufe und höher)
  • Interesse fürs Wetter, nicht fürs Klima
  • Eidgenosse, mindestens zehn Generationen zurück
  • keine Angst vor Führungsaufgaben – die Kantonalsektionen werden eng und regelmässig von Ihnen begleitet resp. ausgemistet
  • gesellig und humorvoll (Toni Brunner steht bei Fragen zur Verfügung)
  • Muttersprache ist eine der vier Landessprachen, Englisch von Vorteil, aber nicht zwingend (gerne hilft Magdalena Martullo-Blocher)

Was wir bieten:

  • evtl. Lohn

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!


Regelmässig gibt es werktags um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – sie dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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