Pro Juventute Schweiz Mädchen stärker belastet als Jungs – neue Jugendstudie zeigt Unterschiede

Jenny Keller

17.3.2026

Mädchen berichten deutlich öfter von psychischem Druck – und greifen eher auf ihr soziales Umfeld zurück. (Symbolbild)
Mädchen berichten deutlich öfter von psychischem Druck – und greifen eher auf ihr soziales Umfeld zurück. (Symbolbild)
Bild: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn

Viele Jugendliche in der Schweiz fühlen sich gut – und stehen gleichzeitig unter wachsendem Druck. Die neue Jugendstudie von Pro Juventute zeigt: Besonders Mädchen und junge Frauen sind stärker belastet.

Jenny Keller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Mehrheit der Jugendlichen in der Schweiz fühlt sich psychisch wohl – gleichzeitig ist rund jede dritte Person häufig erschöpft.
  • Mädchen und junge Frauen sind deutlich stärker belastet als Jungen.
  • Jeder zehnte Jugendliche sucht Hilfe bei KI, ähnlich viele bei der Notrufnummer 147.
  • Zukunftsängste nehmen zu, ebenso Sorgen wegen Kriegen.
  • Jugendliche mit Migrationshintergrund sind besonders stark unter Druck.
  • Soziale Medien sind selten das Hauptproblem – aber sie sind oft schwer zu kontrollieren.

Die Zahlen wirken zunächst beruhigend: 88 Prozent der Jugendlichen geben an, sich psychisch wohlzufühlen, 94 Prozent schätzen ihre körperliche Gesundheit als gut ein.

Die neue Jugendstudie der Pro Juventute, erhoben mit der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, zeichnet ein widersprüchliches Bild. Denn gleichzeitig zeigen sich deutliche Belastungssignale. Rund 30 Prozent der jungen Menschen fühlen sich häufig müde und erschöpft.

Für die Studie wurden Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren aus der ganzen Schweiz repräsentativ dazu befragt, wie sie mit Stress, Krisen und Medien umgehen – und wie widerstandsfähig sie dabei sind.

Erstmals wurde erhoben, ob Jugendliche bei Sorgen auf künstliche Intelligenz zurückgreifen. Das Ergebnis: Jeder Zehnte tut dies. Etwa gleich viele wie jene, die sich an die Notrufnummer 147 wenden, das kostenlose und rund um die Uhr erreichbare Beratungsangebot von Pro Juventute für Kinder und Jugendliche in der Schweiz.

Sorgen um berufliche Zukunft

Parallel dazu hat die Inanspruchnahme klassischer Hilfe zugenommen, denn ebenfalls jede zehnte jugendliche Person ist aktuell in psychotherapeutischer Behandlung und 33 Prozent haben mindestens einmal professionelle Unterstützung genutzt.

Grösster Stressfaktor bleibt die Schule. Prüfungen, Noten und Leistungsdruck setzen viele Jugendliche unter Druck. Über ein Drittel fühlt sich dadurch belastet, bei jungen Frauen ist es sogar fast jede zweite.

Deutlich gestiegen sind die Sorgen um die berufliche Zukunft. Rund ein Drittel der Befragten macht sich häufig oder sehr häufig Gedanken darüber. In der Erhebung 2024 war es noch ein Viertel. Gleichzeitig sinkt das Gefühl, Probleme aus eigener Kraft lösen zu können.

Deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen

Auch globale Entwicklungen wirken stärker auf die Psyche. Besonders deutlich zeigt sich das bei Kriegen: Während sich 2024 noch etwa 25 Prozent der Jugendlichen dadurch belastet fühlten, sind es inzwischen 40 Prozent.

Die Studie ordnet diese Entwicklung in einen grösseren Kontext ein: Jugendliche wachsen in einer «Permakrise» auf, geprägt von geopolitischen Spannungen, gesellschaftlicher Polarisierung und wirtschaftlicher Unsicherheit.

Nicht alle Jugendlichen sind gleich betroffen. Mädchen und junge Frauen berichten deutlich häufiger von psychischer Belastung. Sie fühlen sich öfter erschöpft, machen sich mehr Sorgen um ihre Zukunft und reagieren stärker auf Stress. Gleichzeitig suchen sie häufiger Hilfe – sie wenden sich dreimal so oft an Fachpersonen wie männliche Befragte.

Jugendliche mit Migrationshintergrund gestresster

Besonders deutlich sind die Unterschiede bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Sie stehen häufiger unter Druck – nicht nur in der Schule, sondern auch im familiären Umfeld und mit Blick auf ihre Zukunft.

Ein Blick auf den Prüfungsstress zeigt die Dimension: 24 Prozent geben an, sehr häufig darunter zu leiden – mehr als doppelt so viele wie bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund.

Dazu kommen zusätzliche Belastungen wie finanzielle Unsicherheit und Erfahrungen mit Diskriminierung. Faktoren, die sich überlagern – und das Stressniveau weiter erhöhen.

Differenziertes Bild bei sozialen Medien

Ein differenziertes Bild zeigt sich bei der Mediennutzung. Entgegen verbreiteter Annahmen empfinden nur 18 Prozent soziale Medien als direkte Belastung.

Gleichzeitig berichten viele auch von positiven Effekten: Rund ein Drittel nutzt soziale Medien oder Games gezielt zur Stimmungsaufhellung, mehr als die Hälfte zur Pflege von Kontakten.

Problematisch bleibt jedoch die Kontrolle über den Konsum. Etwa die Hälfte der Jugendlichen hat Mühe, das Handy wegzulegen. Ein Viertel nutzt digitale Medien trotz negativer Auswirkungen weiter, und jede fünfte Person stuft den eigenen Konsum als problematisch ein.