Fall in Pfäffikon ZH Mechaniker radikalisiert sich unbemerkt – dann entführt er einen Mitarbeiter der Gemeinde

Sven Ziegler

6.3.2025

Schwer bewaffnete Polizisten vor dem Haus des Mannes.
Schwer bewaffnete Polizisten vor dem Haus des Mannes.
BRK News

Ein 64-jähriger Mechaniker aus dem Zürcher Oberland soll einen Gemeindemitarbeiter entführt haben – offenbar im Zusammenhang mit einer Pfändung. Der Beschuldigte sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein 64-jähriger Mechaniker soll einen Gemeindemitarbeiter mit Waffengewalt entführt haben.
  • Der mutmassliche Täter hatte sich offenbar mit den Behörden überworfen und soll die Staatsgewalt nicht anerkannt haben.
  • Ermittler prüfen nun, ob er Teil eines radikalisierten Staatsverweigerer-Netzwerks war.

Schwerbewaffnete Beamte stürmten am Freitagmorgen ein Wohnhaus in Hittnau ZH und nahmen einen 64-jährigen Mechaniker fest. Grund dafür: Der Mann steht unter Verdacht, zwei Wochen zuvor einen Gemeindemitarbeiter mit Waffengewalt entführt zu haben.

Zeugen berichten von einem lauten Knall, als die Polizei das Gebäude stürmte. «Dann hörte ich Schreie», schildert ein Augenzeuge, der das Geschehen von seinem gegenüberliegenden Gewerbebetrieb aus beobachtete, der «NZZ». Stundenlang transportierte die Polizei Waffen und Munition aus dem Haus.

Erst später erfuhren die Anwohner, dass es sich bei ihrem zurückgezogen lebenden Nachbarn um einen mutmasslichen Entführer mit möglichen Verbindungen zur Staatsverweigerer-Szene handelte.

Tatverdächtiger soll Pfändungsbeamten entführt haben

Nach bisherigen Ermittlungen soll der Mann am 13. Februar einen 27-jährigen Mitarbeiter der Gemeinde Pfäffikon entführt haben. Laut Medienberichten handelt es sich bei dem Opfer um einen Pfändungsbeamten, der offenbar in die Eintreibung von Schulden des Tatverdächtigen involviert war.

Der Mann soll sich am Abend auf einem Parkplatz in das Auto des Beamten gesetzt und ihn mit einer Waffe bedroht haben. Doch der Plan ging schief: Nach kurzer Zeit konnte sich der junge Mann befreien und fliehen.

Zog sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück

Der Verdächtige war jahrzehntelang als selbstständiger Mechaniker tätig. Er soll sich in den letzten Jahren zunehmend von der Gesellschaft entfremdet haben. Während er in Interviews früher betonte, sich gegen die «Wegwerfgesellschaft» zu wehren, deuteten Nachbarn darauf hin, dass er in den letzten Jahren immer schwieriger geworden sei.

«Wenn man das Falsche sagte, sprach er eine halbe Stunde ohne Pause und verbreitete Verschwörungstheorien», berichtete ein Nachbar gegenüber dem «Blick».

Der Mann und seine Partnerin zogen sich zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurück. 2020 traten sie ohne Begründung aus dem lokalen Gewerbeverein aus. Nachbarn vermuten, dass er sich spätestens während der Corona-Pandemie radikalisierte.

Wie gefährlich ist die Staatsverweigerer-Szene in der Schweiz?

Laut Thomas Winkler, Präsident des Zürcher Verbands der Betreibungsbeamten, sind Konflikte mit Staatsverweigerern besonders problematisch.

«Sie sind überzeugt, dass der Staat aufgelöst wurde und dass Betreibungsbeamte keine rechtliche Autorität haben», sagt er gegenüber der «NZZ». Diese Personen seien gut vernetzt und tauschten gezielt Strategien aus, um sich behördlichen Massnahmen zu widersetzen.

Erst 2011 hatte ein radikalisierter Bürger in Pfäffikon seine Ehefrau und die Leiterin des Sozialamts erschossen. Seitdem gibt es ein spezielles Bedrohungsmanagement bei der Kantonspolizei, das sich mit solchen Fällen befasst.

Für Winkler ist der Fall alarmierend: «Dass es nun zu einer Entführung gekommen ist, ist eine beunruhigende Entwicklung.»

Die Polizei prüft nun, ob der Mann in einem Netzwerk von Staatsverweigerern aktiv war und ob es Hinweise auf eine weitere Radikalisierung gibt. Der 64-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft – für ihn gilt die Unschuldsvermutung, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt.