Report zeigt extreme Schere Mini-Gruppe lässt Medikamenten-Ausgaben explodieren

Sven Ziegler

2.12.2025

Schweizer*innen müssen immer mehr für Medikamente bezahlen. 
Schweizer*innen müssen immer mehr für Medikamente bezahlen. 
KEYSTONE

Der neue Helsana-Arzneimittelreport zeigt eine klare Verschiebung: Eine kleine Gruppe von Patientinnen und Patienten verursacht einen immer grösseren Teil der Gesamtausgaben.

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Keystone-SDA, Sven Ziegler

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  • Eine kleine Gruppe schwer erkrankter Versicherter beansprucht einen immer grösseren Anteil der gesamten Medikamentenkosten.
  • Besonders hochpreisige Bereiche wie Onkologie und Immuntherapien treiben die Ausgaben, auch wenn die Anzahl der Patientinnen und Patienten nur leicht wächst.
  • Die Konzentration führt dazu, dass Preisüberprüfungen und Transparenz in der Vergütung immer wichtiger werden.

Der Helsana-Arzneimittelreport 2025 zeigt ein Muster, das sich seit Jahren verstärkt: Die Medikamentenkosten konzentrieren sich zunehmend auf eine sehr kleine Patientengruppe. Während die Mehrheit der Versicherten vergleichsweise tiefe oder konstante Ausgaben verursacht, liegt ein wachsender Teil der Gesamtkosten bei den teuersten ein bis fünf Prozent der Fälle.

Laut Report entfällt ein «überproportional hoher Anteil der Gesamtausgaben» auf jene Patientinnen und Patienten, die mit hochpreisigen Medikamenten behandelt werden. Dazu gehört eine ganze Reihe moderner Therapien, die in den letzten Jahren eingeführt wurden und sich inzwischen fest im medizinischen Alltag etabliert haben.

Die Daten zeigen klar: Der Kostenschub entsteht nicht, weil deutlich mehr Menschen schwer erkranken. Vielmehr werden die Behandlungen selbst teurer. Besonders sichtbar ist dies in drei Gruppen:

  • Onkologie (Krebsmedikamente): Diese Kategorie bleibt der grösste Kostentreiber. Die Preise für neue Wirkstoffe sind hoch, und sie steigen weiter. Viele dieser Medikamente gehören inzwischen zu den teuersten im ganzen System.
  • Immuntherapien und Autoimmunerkrankungen: Auch hier wächst der Kostenanteil überproportional. Der Report zeigt, dass Therapien oft langfristig eingesetzt werden – und pro Patient mehrere zehntausend Franken pro Jahr kosten können.
  • Seltene Krankheiten: Für diese Gruppe gibt es inzwischen eine Reihe von Spezialpräparaten, die in der Grundversicherung vergütet werden und sehr hohe Jahreskosten verursachen.

Der Report hält fest: Der Anteil dieser Therapiegruppen an den Gesamtausgaben wächst deutlich schneller als die Anzahl der behandelten Fälle.

1 bis 5 Prozent der Personen verursachen Grossteil der Kosten

Während die Kosten der teuersten Patientinnen und Patienten steigen, bleibt die Mehrheit der Versicherten stabil oder verursacht sogar geringere Ausgaben als in früheren Jahren. Das führt zu einer immer breiteren Schere: Die kostengünstigsten 50 Prozent der Versicherten verursachen nur einen kleinen Teil der Gesamtausgaben. Aber: Die teuersten 1 bis 5 Prozent tragen einen markant steigenden Anteil.

Diese Konzentration hat laut Report erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Grundversicherung. Denn auch Preissenkungen bei einzelnen Medikamenten können den Trend kaum bremsen: Neue, teure Therapien kompensieren diese Effekte schnell wieder.

Der Report verweist darauf, dass diese Verschiebung die Relevanz von Preisüberprüfungen, Wirtschaftlichkeitsprüfungen und Transparenz erhöht. Denn gerade bei Medikamenten, die pro Patient sehr hohe Kosten verursachen, wirken bereits kleine Preisunterschiede stark auf die Gesamtausgaben.

Helsana betont ausserdem, dass das Kostenfolgemodell und die jährliche Überprüfung hochpreisiger Präparate entscheidend seien, um die Dynamik abzufedern. Derzeit werden Preise nur alle drei Jahre überprüft – aus Sicht der Autoren zu selten.