Stiftungsleitung in der Kritik Millionenprojekt scheitert – Winterthurer Kirche wird zum Problemfall

Samuel Walder

29.4.2026

Eine Stiftung kaufte eine Kirche in Winterthur, doch dies ging mächtig schief.
Eine Stiftung kaufte eine Kirche in Winterthur, doch dies ging mächtig schief.
seniorenzentrum-wiesengrund

Der Verkauf einer reformierten Kirche in Winterthur sollte ein grosses Bauprojekt ermöglichen – doch nun steht die Stiftung vor einem teuren Problem. Intern wird der Kauf scharf kritisiert.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Verkauf der reformierten Kirche Eglise française in Winterthur führte zu einem gescheiterten Bauprojekt und Kritik an einem millionenschweren Fehlkauf.
  • Interne Vorwürfe richten sich gegen die Stiftungsführung, die den Kauf ohne ausreichende Abklärungen und Einbezug des gesamten Rats getätigt haben soll.
  • Die Stiftung weist die Kritik zurück und sieht in den Investitionen weiterhin einen sinnvollen Schritt zur finanziellen Stabilisierung.

Die reformierte Kirche Eglise française in Winterthur ist ein Sonderfall: Sie ist die einzige im Kanton Zürich, die je verkauft wurde. 2019 ging sie an die Hülfsgesellschaft, eine gemeinnützige Stiftung, die dort im Rahmen des 50-Millionen-Projekts «Salpark» Wohnungen bauen wollte. Doch das Vorhaben scheiterte, wie der «Tages Anzeiger» berichtet. Nachdem der Heimatschutz Rekurs gegen den Abriss eingelegt hatte, zog die Stiftung das Projekt zurück und plant nun eine kleinere Lösung ohne das Kirchen-Grundstück.

Intern sorgt der Kauf für heftige Kritik. Einzelne Stiftungsräte sprechen von einem Fehlkauf in Millionenhöhe. Sie werfen dem Präsidenten vor, den Erwerb zusammen mit einem Vertrauten im Alleingang organisiert zu haben – ohne den gesamten Stiftungsrat einzubeziehen und ohne Fachleute für Denkmalschutz. Aus Angst vor Konsequenzen wollen sie anonym bleiben. Die Stiftung weist die Vorwürfe zurück.

Die Hülfsgesellschaft wurde 1812 gegründet und unterstützt Menschen in Not. Sie betreibt unter anderem das Seniorenzentrum Wiesengrund und ein Wohnheim für Demenzerkrankte. Finanziert wird sie durch Spenden und Schenkungen, das Vermögen beträgt 28 Millionen Franken. Ein grosser Teil davon soll laut Kritikern in den Kauf der Kirche geflossen sein.

Warnungen wurden ignoriert

Warnungen habe es früh gegeben. Stadtbaumeister Jens Andersen wies 2021 darauf hin, die Kirche sei «in hohem Masse schützenswert». Die Stiftungsführung habe dies jedoch als «opportunistisches Verhalten» abgetan. Auch der Heimatschutz habe früh signalisiert, dass Widerstand möglich sei. Dennoch sei das Projekt weiterverfolgt worden. «Es war kein bisschen Selbstreflexion da», sagt ein Stiftungsratsmitglied.

Heute sitzt die Stiftung auf einer teuren, ungenutzten Immobilie. Gleichzeitig musste das Projekt «Salpark» überarbeitet werden – statt 67 sind nun noch 51 Wohnungen geplant. Kritiker bemängeln zudem, dass teure Attika-Wohnungen vorgesehen sind. Der Präsident habe sich bereits eine Wohnung vorgemerkt. «Es fragt sich, für wen die gemeinnützige Stiftung eigentlich baut», so ein Kritiker.

Auch Vermögensverwaltung in der Kritik

Auch die Vermögensverwaltung sorgt für Kritik. Die Firma des Präsidenten verwaltet das Stiftungsvermögen und erhält dafür laut Kritikern bis zu 100’000 Franken jährlich. Zwar habe der Stiftungsrat das Mandat erst 2025 offiziell bestätigt, doch es bestehe bereits seit mindestens 2022. Die Kritiker betonen: «Aber er nutzt seine Position aus.» Die Zukunft der Stiftung könne gefährdet sein.

Die Stiftung weist alle Vorwürfe zurück. Der Kauf der Kirche sei 2019 einstimmig beschlossen worden. Man sei davon ausgegangen, dass das Projekt realisierbar sei. Auch bei der Vermögensverwaltung habe der Präsident korrekt gehandelt und sei in den Ausstand getreten. Die Investitionen seien sinnvoll: «Mit der Investition in Mietwohnungen wird die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Seniorenzentrum Wiesengrund reduziert.»