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Die ESAF-Arena in Mollis, wo vom 29. – 31. August 2025 das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest stattfindet.
Bild: Keystone
In wenigen Tagen wird das kleine Glarnerland zum Epizentrum der Schweiz: Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) verwandelt die Region um Mollis in eine Feststadt für Hunderttausende Besucher*innen.
Ab Freitag wird das kleine Glarnerland zum Epizentrum der Schweiz: Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) verwandelt die Region um Mollis vom 29. bis 31. August in eine Feststadt für bis zu 350'000 Besucher*innen.
Während im Sägemehl die kräftigsten Männer des Landes um Ruhm ringen, stellt sich der Kanton auf ein logistisch nie dagewesenes Wochenende ein – mit Staus, Schlafzelten und 270'000 Liter Bier.
Wo normalerweise Kühe weiden und der Militärflugplatz stillliegt, wächst seit Monaten eine Arena für 56'500 Zuschauer*innen aus dem Boden. So gross wie ein Fussballstadion der Superlative, aber nur für drei Tage in Betrieb.
Das Gelände selbst umfasst eine Fläche von rund 100 Fussballfeldern, mit Festzelten, Bars, Bühnen, 696 Toiletten und sogar einer temporären Postfiliale. Über 8000 Freiwillige machen das Fest laut Organisatoren möglich.
Für die Polizei ist das ESAF der grösste Einsatz aller Zeiten. Genaue Zahlen will Polizeikommandant Markus Denzler gegenüber blue News nicht nennen – «damit man uns nicht zu genau ausrechnen kann». Klar ist aber: Verstärkung kommt auch aus anderen Kantonen.
Die grösste logistische Herausforderung bleibt der Verkehr. «Wir können nicht verhindern, dass es zu Rückstaus kommt, vor allem, wenn am Morgen alle gleichzeitig anreisen. Aber wir arbeiten mit dem, was da ist: Strassen, Bahn, Velowege. Geduld ist das Wichtigste.»
Deshalb betont Denzler: wenn möglich sollen Besucher*innen mit den ÖV anreisen. Ein dichtes Netz aus Shuttle-Bussen, S-Bahn-Zügen und Nachtzügen soll Hunderttausende bewegen.
Wer mit dem Auto anreist, könnte schon bei der Autobahnausfahrt Netstal oder Näfels im Stau stehen. Der Klausenpass bleibt für Tourist*innen gesperrt, Lastwagen dürfen das Festgelände nur nachts anfahren.
Um die Lage weiter zu entschärfen, setzt der Kanton auf verschiedene Massnahmen: Am Freitag bleiben Schulen und Ämter geschlossen, viele Betriebe ermöglichen Homeoffice. «Das hilft, den Verkehr zu entlasten», sagt Denzler.
Zudem wurden touristische Zufahrten wie der Klausenpass gesperrt, Lieferungen getaktet und Einsatzkräfte so positioniert, dass sie auch bei Stau sofort eingreifen können. «Wir wollen nicht, dass Hilfe zu spät kommt, nur weil die Strassen blockiert sind. Darum haben wir Feuerwehr, Sanität und auch Helikopter vor Ort.»
Denzler wirkt erstaunlich gelassen. «Ich glaube, die Bevölkerung ist sich bewusst, dass man sich verkehrsmässig einschränken muss. Wer kommt, weiss: Es gibt Stau. Aber Hektik hilft niemandem. Ich freue mich einfach, wenn es dann losgeht.»
Während Behörden und Polizei den Grossanlass organisatorisch stemmen, herrscht im Dorf selbst vor allem Vorfreude. Die Stimmung in Mollis ist – trotz zusätzlichem Aufwand – überwiegend positiv. Viele Geschäftsleute und Angestellte freuen sich auf die Tage – auch wenn sie mit langen Schichten oder Staus rechnen müssen.
Franz Bär, Mitarbeiter im Veloladen Ciclosport, verweist gegenüber blue News auf die Signalwirkung des Anlasses: «Es ist sicher förderlich für den Tourismus – eine Plattform, um zu zeigen, was das Glarnerland kann.»
Im Alltag bemerke er bisher kaum Einschränkungen. Die eigentliche Belastungsprobe stehe aber noch bevor, wenn am Wochenende die Strassen gesperrt werden. Dennoch überwiegt für Franz Bär das Positive: «Viele Leute, die von auswärts kommen, sind überrascht, dass es hier ein Velogeschäft gibt.» Der Bikeshop liegt direkt vor der Arena.
«Unglaublich, was das ESAF-OK in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat: keine Baustellen-Belästigungen, dafür schöne Events und eine tolle Stimmung», ergänzt Hansjörg Weber, Inhaber des Geschäfts. «Eine grosse Chance fürs Glarnerland, sich von seiner besten Seite zu zeigen – und genau das ist gelungen. Ein grosses Kompliment an alle Beteiligten!»
Kim Spicher, Verkäuferin im Lebensmittelgeschäft Hager, erlebt die Tage vor dem Fest als Dauerbetrieb: «Wir sind den ganzen Tag am Auffüllen der Regale und bestellen genug Dinge, damit es für die Leute reicht.» Besonders gefragt seien Getränke und Trockenwürste. «Vermutlich auch für jene, die auf dem Campingplatz auf dem Festgelände übernachten», meint sie.
Auch persönlich fiebert die Schwyzerin dem Anlass entgegen: Mehrfach habe sie sich bereits den Gabentempel und das Glarnerzelt angeschaut. Verkehrsprobleme nimmt sie gelassen: «Sicher wird es Stau geben. Aber man kann sich vorbereiten, es ist ja nur ein Wochenende.» Fürs Geschäft sei das Fest ohnehin ein Gewinn: «Wir beliefern auch das Glarnerzelt mit Fleischwaren. Dort läuft es gut, und im Laden auch.»
Auch im Gasthaus Löwen ist man gerüstet. Koch Cédric Bertrand, gebürtiger Franzose, für den Schwingen völliges Neuland ist, sieht die Vorbereitungen als Chance. Auffällig sei vor allem die grössere Lebendigkeit im Dorf: «Mehr Besucher, mehr Leute in Mollis, mehr Verkehr.»
Gelassen reagiert er auf mögliche Engpässe: «Wir haben genug eingekauft. Wenn das Restaurant voll ist, schliessen wir einfach die Tür.» Was nach dem Fest bleibe, könne er sich bereits ausmalen: «Abfall und kaputte Wiesen. Hoffentlich aber auch ein guter Eindruck vom Glarnerland.»