Närrisches Treiben in der Krise

So wappnet sich Basel gegen Fasnachts-Randale

Von Uz Rieger

16.2.2021

Ein Fasnächtler am Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz in der Altstadt von Luzern am Schmutzigen Donnerstag, 11. Februar 2021.
Ein Fasnächtler am Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz in der Altstadt von Luzern am Schmutzigen Donnerstag, 11. Februar 2021.
Bild: Keystone

Trotz Verbot gehen Fasnächtler*innen in der Schweiz auf die Strasse, in Einsiedeln bewarfen renitente Narren die Polizei sogar mit Flaschen und Knallkörpern. Was hat Basel für die «drey scheenschte Dääg» zu erwarten? 

Ein prominentes Opfer der Corona-Pandemie ist in diesem Jahr die Fasnacht, die wegen der geltenden Versammlungsverbote und Distanzbestimmungen nicht in der üblichen Form stattfinden kann.

Doch trotz Versammlungsverbot brachen diese Woche in einigen Hochburgen die Dämme: In Luzern versammelten sich trotz der Corona-Auflagen am Schmutzigen Donnerstag bis zu 200 Feiernde. In Einsiedeln waren es am gestrigen Montagmorgen sogar über 1000 Feiernde zum traditionellen Sühudiumzug.

Abends wurde die Schwyzer Kantonspolizei mit Flaschen und Böllern beworfen, als sie eine Ansammlung von rund 50 teils stark alkoholisierten Fasnächtler*innen auflösen wollte. Über 40 von ihnen seien schliesslich weggewiesen worden, zwei habe man in Ausnüchterungshaft setzen müssen.

Fasnachts-Spaziergang statt üblicher Events

Nach den bisher gemachten Erfahrungen während der Fasnacht dürfte es für die Basler Behörden interessant werden, wie sich die Narren während der «drey scheenschte Dääg» zwischen 22. und 24. Februar verhalten werden. Schliesslich gehört die Basler Fasnacht «zur Identität der Stadt», wie es auf deren Website heisst. Sie sei «Herzstück ihrer kulturellen Schaffenskraft» und ermögliche «drei Tage Ausnahmezustand.» Allerdings werde sie 2021 «nicht wie gewohnt stattfinden und anders sein als der Grossanlass, den wir kennen und lieben.»

«Die Sicherheit und der Schutz der Bevölkerung sowie die Bekämpfung des Coronavirus» stünden an oberster Stelle bei der Planung der Fasnachtsaktivitäten, weshalb die grossen Events Morgenstreich, Laternenausstellung, Kinderfasnacht, Guggenkonzert, Cortège, Endstreich und die Schnitzelbänke allesamt abgesagt wurden.

Als Alternative wird es indes einen Fasnachts-Spaziergang zwischen dem 17. Februar und 5. März geben, den die Jungen Garden organisiert haben. Die Stadt bittet die Aktiven, «sich an die Covid-Verordnung zu halten und die Gesundheit der Bevölkerung nicht zu gefährden», heisst es in einer Medienmitteilung.

Basler haben sich bislang «vorbildlich an Vorgaben gehalten»

Vonseiten des Basler Fasnachts-Comités sieht man keine Probleme bei der Einhaltung der Corona-Regeln auf die Stadt zukommen. Im Gegensatz zu Luzern und Einsiedeln habe in Basel bereits im vergangenen Jahr die Fasnacht nicht stattgefunden. Schon da hätten sich die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler «vorbildlich an die damaligen Vorgaben gehalten», teilte Pia Inderbitzin, Obfrau des Basler Fasnachts-Comités, auf Anfrage von «blue News» mit.

Ansonsten unterstütze das Comité einen Aufruf des Regierungsrats, in dem an die Aktiven und die Bevölkerung appelliert wird, «ihre Verantwortung für die Gesundheit von uns allen wahrzunehmen und auf fasnächtliche Aktivitäten zu verzichten, damit die Krise überwunden und Fasnacht in Zukunft wieder im gewünschten Rahmen möglich sein wird.»

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Verständnis dafür, dass es für «Fasnächtler frustrierend ist, dass die Fasnacht nicht stattfinden kann», äusserte auch Toprak Yerguz, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements des Kantons Basel Stadt. Allerdings fügte er im Gespräch mit «blue News» auch an, dass sich die Basler Bevölkerung in der Pandemie bislang sehr solidarisch gezeigt habe. «Die meisten Baslerinnen und Basler werden es auch an den diesjährigen Fasnachtstagen sein», meint Yerguz.

Dialogteams der Polizei informieren auf den Strassen

Die Kantonspolizei Basel-Stadt habe bereits umfassend via verschiedene Kanäle über die Corona-Massnahmen und über den Verzicht auf die Fasnacht informiert. Vor allem jedoch müsse sich jeder selbst fragen, ob es sinnvoll sei, «in der derzeitigen Situation die Grenzen auszuloten». Wenn hundert Personen unabhängig voneinander meinten, «dass ein Zweier-Schissdräggziigli ja nicht schadet», so Yerguz, «dann sind nicht zwei Personen in der Innenstadt unterwegs, sondern hundert.»

Die Kantonspolizei Basel-Stadt kontrolliere mit Augenmass bereits seit vergangenem März durchgängig die Einhaltung der Covid-19-Massnahmen. Das werde während der Fasnacht nicht anders sein, kündigt Yerguz im Gespräch mit «blue News» an. Klare und wiederholte Verstösse würden jedoch nach Abmahnung geahndet.

Zuvorderst werde die Kantonspolizei aber «immer zuerst das Gespräch suchen». Um etwaigen Fasnächtlern zu erklären, warum die Fasnacht nicht stattfinden könne und weshalb jeder Einzelne dazu aufgerufen sei, die Massnahmen einzuhalten, werde die Kantonspolizei deshalb auch mit Dialogteams auf den Strassen unterwegs sein.

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