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Jetzt meldenNach zwei Abenden mit Ausschreitungen ist im Lausanner Quartier Prélaz offenbar Ruhe eingekehrt. Jugendliche hatten sich nach dem Tod eines 17-Jährigen in mehreren Quartieren Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert.
Bis Mitternacht kam es am Dienstag zu keinen weiteren Ausschreitungen, wie vor Ort anwesende Journalisten der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichteten. Es gab zwar einige Menschen, die sich draussen im Quartier aufhielten, aber die Situation blieb jedoch friedlich. Polizeiautos waren vor Ort.
Am Dienstagmorgen hatte der für die Polizei zuständige Lausanner Stadtrat Pierre-Antoine Hildbrand (FDP) eine Verstärkung der präventiven Präsenz angekündigt, um eine dritte Nacht der Krawalle zu verhindern.
An den zwei Abenden zuvor kam es in Prélaz zu Ausschreitungen. Jugendliche hatten sich in der Nähe des Ortes versammelt, an dem am Sonntag ein 17-jähriger – schwarzer – Rollerfahrer auf der Flucht vor der Polizei tödlich verunfallt war. Es kam zu Sachbeschädigungen, Mülltonnen wurden in Brand gesetzt und die Polizei unter anderem mit pyrotechnischen Gegenständen beworfen. Die Polizei reagierte mit Tränengas und setzte einen Wasserwerfer ein. Verletzte gab es laut der Kantonspolizei Waadt nicht. Die Polizei nahm eigenen Angaben zufolge sieben Personen fest.
Am zweiten Abend in Folge kam es im Lausanner Stadtteil Prélaz zu Krawallen.
Bild: Keystone
Bereits im Juni kam es in Lausanne zu einem ähnlichen Fall. Damals war eine 14-Jährige auf der Flucht vor der Polizei mit einem Motorrad gestürzt und später an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben.
Die Ausschreitungen finden in einem speziellen Kontext statt, schreibt der «Tages-Anzeiger» am Mittwochmorgen: Nirgends in der Schweiz würden so viele – schwarze – Menschen durch Polizeigewalt sterben wie im Kanton Waadt. Gleichzeitig wurde diese Woche bekannt, dass es in der Lausanner Polizei ein Rassismus-Problem gibt.
Am Montag enthüllte die Lausanner Staatsanwaltschaft zudem Whatsapp-Chatgruppen, in denen Poliziste rassistische, sexistische, antisemitische oder diskriminierende Nachrichten austauschten. Stadtpräsident Grégoire Junod (SP) sprach von «einem Problem des systemischen Rassismus». Erste Polizisten wurden bereits suspendiert – die Stadt kündigt tiefgreifende Reformen an.
Die Proteste am Montag wurden von diesen Enthüllungen über die Lausanner Polizei befeuert. Zudem stellt ein neuer, am Montag vorgestellter Bericht infrage, ob ein Zürcher südafrikanischer Herkunft 2021 am Bahnhof Morges VD von der Polizei aus Notwehr erschossen wurde.
In einigen Medienberichten werden die jüngsten Krawallnächte bereits mit den Zuständen in französischen Banlieues verglichen. Für Roman Fillinger, Westschweiz-Korrespondent von SRF, ist das jedoch eine übertriebene Darstellung. «Prélaz ist sicher kein einfaches Quartier. Es gibt grosse soziale Gegensätze, gewisse Spannungen und der Migrationsanteil ist hoch», sagte Fillinger in einem SRF-Bericht.
Mit Vororten wie in Paris oder Marseille, wo der Rechtsstaat erodiert sei und Bandengewalt grassiere, sei Prélaz aber nicht zu vergleichen. Dass Banlieue-Krawalle und fragwürdige Influencer aus der Szene auf Jugendliche in der Romandie Einfluss hätten, sei aber durchaus vorstellbar. Es sei auch wichtig zu sagen, dass bisher niemand verletzt wurde, sagte der SRF-Korrespondent weiter.
Fillinger mahnte zur Differenzierung: «Bei den beiden Verfolgungsjagden haben die Jugendlichen trotz allem Selbstunfälle gebaut. Das andere sind Fälle, in denen Männer in Polizeigewahrsam gestorben sind.» Sollte sich zudem bestätigen, dass der am Wochenende verunglückte Jugendliche einen Helm trug, sei es fragwürdig, den Polizeieinsatz vorschnell mit systemischem Rassismus zu erklären.

Nach den Ausschreitungen in Prélaz werden Schäden behoben.
Bild: Keystone
Gleichzeitig betont Fillinger: Die kürzlich publik gewordenen Chatverläufe innerhalb des Lausanner Polizeikorps lassen wenig Zweifel daran, dass es dort ein Problem mit systemischem Rassismus gebe.