70 Kühe auf seinem Hof vernachlässigtNeuenburger Bauer erklärt Tierquälerei mit «Erschöpfung»
Lea Oetiker
10.2.2026
Mehrere Kühe mussten eingeschläfert werden. (Symbolbild)
Oliver Berg/dpa
Im Neuenburger Jura sorgt ein neuer Fall von Tierquälerei für Empörung: Auf einem Bauernhof in La Brévine wurden Dutzende vernachlässigte Kühe entdeckt. Nun spricht der Landwirt.
Nach einem weiteren Fall von Tiermisshandlung im Neuenburger Jura hat sich der betroffene Landwirt erstmals öffentlich zu Wort gemeldet. Gegenüber RTS erklärte der Mann, er sei in einem Zustand völliger Erschöpfung gewesen und habe sich deshalb nicht mehr ausreichend um seine Tiere kümmern können.
Auf dem Hof im Tal von La Brévine hatten die Behörden vor rund drei Wochen rund 70 vernachlässigte Kühe entdeckt. Fünf Tiere, davon vier Kälber, waren bereits tot, zehn weitere mussten eingeschläfert werden.
«Es ist ein Teufelskreis, es sind viele Dinge, die sich anhäufen», sagte der Bauer zu RTS. «Irgendwann wird es zu viel: Es gibt familiäre Gründe, berufliche Gründe …» Er gestand, sein Vieh nur ungenügend versorgt zu haben, betonte aber, Futter und Wasser seien stets vorhanden gewesen.
Milchqualität wurde schlechter
Die Veterinärbehörden wurden aufmerksam, nachdem sich die Milchqualität des Hofs verschlechterte. «Der Milchwert war schlecht», erklärte Pierre-François Gobat, Leiter des Diensts für Konsum und Veterinärwesen des Kantons Neuenburg, im Gespräch mit SRF.
Man habe deshalb rasch gehandelt und den Betrieb innert zwei Tagen überprüft. Die schnelle Reaktion habe das Leben zahlreicher Tiere gerettet, so Gobat.
Der Kanton kündigte an, die Kontrollen künftig zu verschärfen und Sozialdienste in die Früherkennung von Problemfällen einzubeziehen. Laut Staatsrat Laurent Favre werden derzeit rund dreissig Höfe überprüft, bei denen soziale Schwierigkeiten vermutet werden.
Der Bauer, der nun vor Gericht muss, darf bis auf Weiteres keine Tiere mehr halten. «Ich hoffe, ein normales Leben wiederzufinden. Ein Leben als Bauer, wenn möglich mit Tieren», sagte er zu RTS.