Auf dieser Schweizer Strasse haben Fahrgemeinschaften Vorrang

11.10.2018 - 12:05, SDA / tsch

Ein neues Schild (links) markiert die Spur für Fahrgemeinschaften am Grenzübergang Thônex-Vallard bei Genf.
Source: Keystone

Was in den USA schon längst Realität ist, kommt nun auch in die Schweiz: An der Grenze bei Genf werden künftig Fahrzeuge mit mindestens zwei Passagieren bevorzugt behandelt.

Zehntausende Pendler überqueren täglich die Grenzen bei Genf. Am Zoll von Thônex-Vallard GE sollen Fahrgemeinschaften künftig Vorrang erhalten. Für sie wird eine spezielle Fahrspur eingerichtet - ein in Europa einzigartiges Pilotprojekt. In den USA existiert diese Form der Stauvermeidung bereits seit Jahren. Für die Schweiz ist es die erste Spur dieser Art - und die erste grenzüberschreitende in Europa.

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Die Strecke wird in den Stosszeiten zwischen 6:00 und 9:00 Uhr in Richtung Frankreich-Schweiz und von 15:30 bis 18:30 Uhr in die andere Richtung geöffnet sein, wie das Genfer Infrastrukturdepartement und das Unternehmen ATMB (Autoroutes et Tunnel du Mont Blanc) mitteilten.

In den Fahrzeugen müssen mindestens zwei Personen sitzen. Nach einer Präventionsphase wird die französische Polizei Missbrauch mit Bussen von bis zu 22 Euro (gut 25 Franken) ahnden. Ziel ist es, die Verkehrslawine am Zoll zu verringern. Im ganzen Kanton Genf werden täglich 600'000 Bewegungen an den Grenzen erfasst. Staus gehören zum Alltag der Grenzbewohner.

1600 Fahrzeuge pro Stunde

Die Zollstelle Thônex-Vallard wurde wegen ihres hohen Verkehrsaufkommens ausgewählt. «Bis zu zu 1600 Fahrzeuge überqueren dort pro Stunde die Grenze. 17'000 sind es an normalen Tagen und 22'000 an kritischen», sagte Chrystelle Charat vom Genfer Infrastrukturdepartement.

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Der Anteil der Fahrgemeinschaften, die den Grenzübergang Thônex-Vallard benutzen, liegt aktuell bei elf Prozent. Würde dieser Anteil um acht Prozent gesteigert, befände man sich laut Genfer Infrastrukturdepartement bei einer Verkehrsbelastung die der in den Sommerferien entspräche.

Mitfahrgelegenheiten sollten es möglich machen, rund ein Drittel der Zeit auf diesem Abschnitt einzusparen, sagte Florian Grange, Projektmanager für Innovation und Entwicklung bei ATMB. Nach einer Testphase von einem Jahr wollen die Behörden eine erste Bilanz ziehen.

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Etabliert in USA, Experimente in Europa

In den USA kamen Pläne für eine «High-occupancy vehicle lane» bereits nach der Ölkrise 1973 auf. Die ersten «Carpool lanes» wurden Anfang der 80er-Jahre eingeführt und sind seither aus den USA und aus Kanada nicht wegzudenken. Neben den Spuren, für die mindestens zwei Passagiere notwendig sind, existieren in Ballungsgebieten wie Los Angeles auch Spuren für mindestens drei Fahrzeuginsassen.

In Europa führte man Fahrgemeinschafts-Spuren versuchsweise bereits in Norwegen, Grossbritannien, Spanien und den Niederlanden ein, auch in Österreich darf eine Busspur bei Linz von Fahrzeugen mit mindestens drei Passagieren genutzt werden. Kritiker des Konzepts warnen, dass die geringe Nutzung der Spuren Staus sogar noch verschlimmern könnte.

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