Nimmt der Bundesrat heute den neuen Ärzte-Tarif an, steigen die Prämien

phi

30.6.2021

Bundesrat Alain Berset, mitte rechts, mit dem Arzt Reto Kummer, mtte links, in der Bristenpraxis Altdorf anlaesslich seines Besuchs im Kanton Uri waehrend der Coronapandemie, am Donnerstag, 27. Mai 2021, in Altdorf. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Negativer Tardoc-Prüfbericht: Bundesrat Alain Berset (Mitte rechts) in einer Praxis in Altdorf am 27. Mai. 
KEYSTONE

Das neue Ärzte-Tarifmodell dürfte teuer werden. Der neue Vorschlag kommt in einem vertraulichen Bericht des BAG gar nicht gut weg. Es drohen Prämienerhöhungen von sechs bis sieben Prozent.

phi

30.6.2021

Das bisherige Lohnmodell für Ärzte steht auf dem Prüfstand: Tarmed soll vom neuen Schlüsselsystem Tardoc abgelöst werden. Ausgearbeitet wurde es vom Ärzteverband FMH und Curafutura, die neben Santésuisse einer der beiden Krankenversicherer-Verbände in der Schweiz ist.

Obwohl Tardoc eigentlich transparenter als Tarmed sein soll, kommt ein vertraulicher Bericht des BAG zu einem ganz anderen Schluss: Das neue Modell könne «in der vorliegenden Form nicht genehmigt werden», zitiert der «Tages-Anzeiger» aus dem Papier. Die Anforderungen in Sachen «Wirtschaftlichkeit und Billigkeit« würden nicht erfüllt.

Wie hoch darf der Lohn denn sein? Ein Arzt in Fribourg bei der Arbeit.
Symbolbild: Keystone

Tardoc setze demnach einen zu hohen Lohn für die Ärzte an, weil einerseits auch die Gehälter der Spital-Kader in die Berechnung eingeflossen und andererseits die Wochenarbeitszeit zu tief angesetzt worden sei.

Die Vorwürfe würden nicht zutreffen, wehrte sich Urs Stoffel vom FMH-Zentralvorstand. «Wir haben zwei Experten-Gutachten in Auftrag gegeben, die das klar widerlegen.» Auch Curafutura weist die Kritik des BAG zurück. «Wollen wir in Schönheit sterben», fragte Direktor Pius Zängerle, «oder die krassen Fehlanreize des Tarmed endlich angehen?»

Der Tardoc-Entwurf sei nach der BAG-Kritik vom November 2020 angepasst worden, berichtet der «Tages-Anzeiger» weiter. Dennoch seien mit Santésuisse und dem Spitalverband H+ weitere wichtige Branchen-Akteure gegen das neue Modell, das heute noch im Bundesrat besprochen werden könnte. Ob die Neuerung dann aber durchgewinkt wird, scheint unter diesen Vorzeichen eher fraglich.