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Trend mit Suchtgefahr: Nikotinbeutel, auch Pouches genannt, enthalten hochdosiertes Nikotin ohne Tabak.
Bild: Imago
Sie riechen nach Minze, wirken wie Nikotinbomben und sind bei Jugendlichen erschreckend beliebt: Nikotinbeutel boomen in der Schweiz – trotz unklarer Risiken und fehlender Regulierung.
Nikotinbeutel – oder schlicht «Pouches» – liegt im Trend. Die kleinen, meist aromatisierten Kissen wandern diskret zwischen Lippen und Zahnfleisch. Anders als der skandinavische Snus enthalten sie keinen Tabak. Doch harmlos? Von wegen.
Mutter Louise aus der Westschweiz schlägt Alarm, wie der «Tagesanzeiger» schreibt. Über ihre Kinder – im Alter zwischen 15 und 25 Jahren – erfuhr sie von der neuen Mode.
«Als mein Sohn mir davon erzählte, dachte ich: Ein Beutel pro Tag, wie Kaugummi, das kann nicht so schlimm sein. Aber dann merkte ich: Es sind eher drei bis sechs pro Tag», berichtet sie fassungslos.
Die Folgen? Müdigkeit, Verdauungsstörungen, massiver Gewichtsverlust. «Weil die Beutel geruchlos sind, merken Eltern oft gar nichts.»
Nikotin pur, ohne Tabak – doch dafür mit umso stärkerem Effekt. Das bestätigt auch Luciano Ruggia, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, gegenüber dem «Tagesanzeiger»: «Die Beutel können die Mundgesundheit und den Magen belasten. Ein Zusammenhang mit Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden ist nicht ausgeschlossen – nur noch nicht ausreichend erforscht.» Das wahre Risiko? Die Sucht.
Denn obwohl die Lunge geschont wird, enthalten manche dieser Beutel wahre Nikotinbomben. «Beim Rauchen einer Zigarette nimmt man etwa ein Milligramm Nikotin auf», erklärt Luc Lebon, Vorstandsmitglied der Tabakprävention Schweiz. Und weiter: «Doch bei Nikotinbeuteln wurden Werte bis zu 47,5 Milligramm gemessen.»
Zum Vergleich: E-Zigaretten enthalten maximal 20 mg Nikotin pro Milliliter. Und während für diese Produkte klare Höchstwerte existieren, gibt es für Pouches in der Schweiz keine gesetzliche Obergrenze.
Die Folgen können gravierend sein: Konzentrationsstörungen, Nervosität, Aggressivität. Besonders gefährlich für junge Gehirne – vor dem 25. Lebensjahr ist das Risiko einer Abhängigkeit deutlich erhöht, so Ruggia.
Die Marketingabteilungen der Tabakwarenhersteller fahren eine klare Strategie. Laut der europäischen Anti-Tabak-Allianz – zu der auch die Schweizer Tabakprävention gehört – verfolgen Tabakkonzerne eine gefährliche Strategie: gezielte Werbung für Jugendliche.
Die Beutel würden als «Hilfsmittel zum Rauchstopp» präsentiert – ein Etikettenschwindel, so die Kritik. Luc Lebon ergänzt im «Tagesanzeiger»: «Solche Produkte werden gezielt in sozialen Medien, Gratiszeitungen und an Events platziert.»
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In einer britischen Umfrage gaben 46 Prozent der Jugendlichen an, Nikotinbeutel zu konsumieren – gleich nach Vapes, Alkohol, Zigaretten und Cannabis.
Seit dem 1. Oktober 2024 gilt in der Schweiz ein neues Tabakproduktegesetz: Der Verkauf an Minderjährige ist verboten. Doch der Onlinehandel macht es möglich – viele Jugendliche kommen dennoch leicht an die Ware.
Ein Verbot in Sicht? Die Tabakprävention Schweiz denkt laut darüber nach, ein komplettes Verbot zu fordern. Lebon verweist auf ein klares Vorbild: «Snus – vermutlich schädlicher als Pouches – ist in der EU seit 30 Jahren verboten. Nur Schweden tanzt aus der Reihe.»