Jetzt soll es älteren Wölfen ans Fell gehen

lpe

4.10.2021

Ein Wolf, mutmasslich
Die Anzahl der Wolfsrisse ist im letzten Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen. (Symbolbild)
Keystone/ Marco Schmidt

Die Wolfspopulation in der Schweiz wächst, und damit auch die Zahl der Nutztiere, die den Raubtieren zum Opfer fallen. Eine parlamentarische Initiative will dem Wolf wieder die Scheu vor dem Menschen beibringen.

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4.10.2021

815 Nutztiere wurden im vergangenen Jahr von Wölfen in der Schweiz gerissen. Dies hat auch mit der steigenden Wolfspopulation zu tun. Das erste Rudel hat sich im Jahr 2012 gebildet, bis vergangenes Jahr sind zehn weitere dazugekommen. 105 Wölfe lebten zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz – innerhalb von zwei Jahren hat sich die Population verdoppelt.

Die Bauern und Hirten fürchten um ihre Tiere. Vor einem Monat kam es zudem zu einem  Vorfall, bei dem sich mehrere Wölfe einer Wandergruppe näherten. 

Den Wölfen fehle die nötige Scheu, finden Kritiker. Doch wie das Verhalten der Tiere ändern? Der Abschuss ist umstritten – dies hat auch das Nein zum Jagdgesetz letzten Herbst gezeigt. Doch nun kommt ein neuer Vorschlag zum Zug. Eine parlamentarische Initiative fordert, dass auch ältere Tiere eines Rudels zum Abschuss freigegeben werden können.



Das Argument von Initiator Nicolo Paganini, Mitte-Nationalrat aus St. Gallen: Da die älteren Tiere den jüngeren ihre Erfahrungen weitergäben, könnte so langfristig die Scheu der Tiere wiederhergestellt werden, die momentan fehle.

Die Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft unterstützt die parlamentarische Initiative. Es handle sich dabei um «einen Kompromissvorschlag im Ringen um das Jagdgesetz», sagt Thomas Abt, Generalsekretär der Organisation, zu SRF.

Mit diesem Vorschlag könne man direkt beim Problem ansetzen: dem Verhalten einzelner Tiere.

Als nicht effektiv bezeichnet die Massnahme hingegen David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz. «Das Konzept, Wölfe zu töten, damit sie toleriert werden, ist etwas, das Politiker und Behörden seit Jahren verlangen», sagt Gerke bei SRF. «Das Problem ist aber, dass es in Ländern, wo das umgesetzt wird, de facto nicht funktioniert.»

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