«Stolz, kein Schweizer zu sein»Eklat um Tessiner Juristen im italienischen TV nach Inferno
Sven Ziegler
13.1.2026
Das war der Nationale Trauertag
Bewegte Menschen, bewegende Worte und hoher Staatsbesuch aus Frankreich. Das war der Nationale Trauertag in Gedenken an die Opfer des Unglücks von Crans-Montana.
09.01.2026
In einer italienischen Polit-Talkshow ist es zu einem ungewöhnlich scharfen Schlagabtausch gekommen. Der frühere Tessiner Staatsanwalt Paolo Bernasconi geriet unter Druck, nachdem er sich geweigert hatte, die Tragödie von Crans-Montana zu kommentieren.
Bernasconi war aus seinem Büro in Lugano zugeschaltet, als sich die Stimmung im Studio zuspitzte. Nachdem er klar gemacht hatte, dass er keine Bewertung abgeben werde, wurde ihm praktisch das Wort entzogen.
In der Folge griff der italienische Journalist und frühere Senator Tommaso Cerno den Schweizer scharf an. «Ich bin stolz darauf, kein Schweizer zu sein», sagte Cerno live auf Sendung. Danach kam Bernasconi nicht mehr zu Wort, wie das Portal Tio.ch berichtet.
Am Tag nach der Sendung zeigt sich der 74-Jährige dennoch ruhig. «Mir geht es gut, ich habe ruhig geschlafen», sagt Bernasconi. Der Grund für den Wortentzug sei offensichtlich gewesen: «Sie wussten, dass ich ihre Show gestört hätte. Das war Unterhaltung, keine Information.»
Situation sei «befremdlich» gewesen
Bereut er seine Teilnahme an der Sendung nicht. «Nein, absolut nicht», sagt er. Er habe auf seriösen Journalismus gehofft. Der Moderator Nicola Porro habe die Diskussion jedoch nicht im Griff gehabt. «Es ging plötzlich um Fanlager, nicht mehr um Fakten.»
Paolo Bernasconi (r.) im Gespräch mit dem TV-Moderator.
Screenshot
Die Redaktion der Sendung habe im Zusammenhang mit der Tragödie von Crans-Montana recherchiert, wie viele andere Medien auch. Dennoch habe er bewusst keine Stellungnahme abgegeben. «Sie wollten von mir ein Urteil. Aber Urteile sprechen Gerichte, nicht ehemalige Staatsanwälte», sagt Bernasconi. Ihm sei es wichtig gewesen, Justiz und Medien klar zu trennen.
Die Situation beschreibt er als befremdlich. Obwohl er bis zum Ende zugeschaltet blieb, habe er sich nicht mehr äussern können. Besonders der Auftritt von Tommaso Cerno habe ihn irritiert. «Er wollte eine Show abziehen und hat grundlos auf die Schweiz eingeschlagen», sagt Bernasconi.
Dass Medien Druck ausüben sollen, stellt er nicht infrage. «Ja, aber Ton und Argumente müssen stimmen. Wenn geschrien wird, hat eine Diskussion keinen Sinn mehr.» Die Angriffe aus Italien ordnet er ein: «Cerno repräsentiert nicht Italien – so wenig wie Crans-Montana die ganze Schweiz repräsentiert.»